Lot no. 2093
Ludwig Mies van der Rohe (Aachen 1886 – 1969 Chicago)
Gläserner Wolkenkratzer, Modell mit Staffage des Bildhauers Oswald Herzog. Nicht ausgeführtes Projekt von 1922 / Photo: Curt Rehbein, 1922.
Vintage. Silbergelatine-Kontaktabzug. 23,4 × 17,4 cm (24,2 × 17,9 cm) ( 9 ¼ × 6 ⅞ in. (9 ½ × 7 in.)). Rückseitig Atelierstempel: „ATELIER MIES VAN DER ROHE BERLIN W. 35, AM KARLSBAD 24.“ sowie von unbekannter Hand mit rotem Farbstift beziffert.
Mit leichten Aussilberungen in den Rändern. [2033]
Provenienz: Privatsammlung, Frankreich
Literatur und Abbildung: Franz Schulze, Mies van der Rohe, Leben und Werk, Berlin 1986, S. 108 (dort betitelt: Glashochhaus. Projekt) / Mies und das Neue Wohnen, Räume, Möbel, Fotografie, hg. von Helmut Reuter und Birgit Schulte, Ostfildern 2008, S. 15, Abb. 11 (dort betitelt: Glashochhaus)
Das Projekt „Wabe“ an der Friedrichstraße, 1921/22 (Los 2094–2095) und der Entwurf eines Glashochhauses, 1922 (Los 2093) gehören zu den ersten avantgardistischen Studien von Mies van der Rohe. Mittlerweile gelten beide international als Ikonen einer neuen und modernen Architektur, deren lichterfüllte Ästhetik durch die Photographien von Curt Rehbein eine besondere Präsenz erhält.
Das Projekt „Wabe“ wurde von Mies van der Rohe für den Wettbewerb eines Hochhauses am Bahnhof Friedrichstraße Berlin eingereicht. Der Titel bezieht sich zum Einen auf die vordergründige Nutzung des Gebäudes als Bürotrakt, zum Anderen auf die Ideen des amerikanischen Architekten Louis Sullivan, der in einem berühmten Text von 1896 das Büro mit den Waben in einem Bienennest verglichen hat. In den verschiedenen Versionen dieses Entwurfes, die sich u.a. im Bauhausarchiv Berlin und im MoMA New York
befinden, verbindet Mies die klassische Zeichnung mit dem neuen Mittel der Photomontage zu einer programmatischen Architektur. Entscheidend ist der Kontrast zwischen den verschatteten Gründerzeitbauten im Vordergrund und der strahlenden, gleich einer Kathedrale aufragenden Form des dreieckigen Hochhauses im Hintergrund. Zur Steigerung dieser utopischen Wirkung nutzt Mies das reale Setting eines Straßenschnappschusses, in dessen Zentrum er seine Zeichnung platziert. Neben dem Spiel mit Licht und Dunkelheit ist es vor allem die Perspektive, die in ihrer Keilform spitz auf das Hochhaus zuläuft, und damit wesentlich zur Dynamik des gesamten Entwurfes beiträgt. Das Hochhaus selbst präsentiert sich als transparenter Glaskörper, räumlich entrückt, dessen geschwungenes Dach und die starke Übereckperspektive die Fläche nach oben und in Richtung des Betrachters durchstoßen. Das Resultat ist die Synthese verschiedener Medien zu einer innovativ neuen Bildform (Architektur, Skulptur, Photographie, Zeichnung,Collage, Montage).
Der spätere Entwurf eines Glashochhauses zeichnet sich ebenfalls durch die radikale Offenlegung der architektonischen Konstruktion und durch die Platzierung des Modells in einer realen Umgebung aus. Auch hier greift Mies auf das Medium der Photographie zurück, um seinen Entwurf, umgeben von einer Häuserstaffage aus Gips, gefertigt vom Bildhauer Oswald Herzog, räumlich zu fixieren. Im Gegensatz zum Projekt „Wabe“ fällt hier die frontale Darstellung des Gebäudes inmitten der Natur besonders ins Auge. Die Fokussierung der Kamera auf das Modell erlaubt eine detaillierte Betrachtung der hohen architektonischen Eleganz des Aufrisses einschließlich der inneren Hochhauspartien. Neben der starken Vertikale sind es vor allem die schwungvollen Linien der einzelnen Etagen und der räumlichen Kompartimente in der Horizontale, die den radikal neuen Gestus dieses Modells unterstreichen.
Die Aufnahmen von Curt Rehbein, der von 1921 bis 1931 als Photograph für Mies van der Rohe tätig war, gehören zu den wenigen erhaltenen Zeitzeugnissen dieser beiden Entwürfe und sind nicht nur deshalb von hohem künstlerischem Wert. SM
Ludwig Mies van der Rohe (Aachen 1886 – 1969 Chicago)
Glass Skyscraper, model with staffage by the sculptor Oswald Herzog. Unrealized project from 1922 / photo: Curt Rehbein, 1922.
Vintage. Gelatin silver contact print. 23,4 × 17,4 cm (24,2 × 17,9 cm) ( 9 ¼ × 6 ⅞ in. (9 ½ × 7 in.)). On the reverse the studio stamp: „ATELIER MIES VAN DER ROHE BERLIN W. 35, AM KARLSBAD 24." as well as numbered in red crayon by an unknown hand.
With slight oxidation mottlings in the margins. [2033]
Provenienz: Private collection, France
Literatur und Abbildung: Franz Schulze, Mies van der Rohe, Leben und Werk, Berlin 1986, p. 108 (there titled: Glashochhaus. Projekt) / Mies und das Neue Wohnen, Räume, Möbel, Fotografie, ed. Helmut Reuter and Birgit Schulte, Ostfildern 2008, p. 15, ill. 11 (there titled: Glashochhaus)
Pictures credits: Contact organization
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