Lot no. 47
Lyonel Feininger (1871 – New York – 1956)
„DER NACHTEXPRESS“ („THE NIGHT EXPRESS“). 1941
Öl auf Leinwand. 35,7 x 43,3 cm ( 14 x 17 in.). Unten links signiert: Feininger. Auf dem Keilrahmen oben mit Stift in Schwarz signiert, datiert und betitelt: Lyonel Feininger, 1941. “The Night Express“. Rückseitig Etiketten zu den Ausstellungen New York 1969, München 1973 und New York/Montréal 2011/12 (s.u.).
Hess/Feininger 411.–
[3433]
Provenienz: Nachlaß des Künstlers, USA
Ausstellung: Lyonel Feininger. New York, Marlborough-Gerson Gallery Inc., 1969, Kat.-Nr. 54 / Lyonel Feininger. München, Haus der Kunst, und Zürich, Kunsthaus, 1973, Kat.-Nr. 147 / Lyonel Feininger – Zurück in Amerika. 1937–1956. Halle, Stiftung Moritzburg, 2009, Kat.-Nr. 13 / Lyonel Feininger: At the Edge of the World. New York, Whitney Museum of American Art, 2011, und Montréal, Musée des Beaux-Arts (Titel: Lyonel Feininger: De Manhattan au Bauhaus), 2012, Kat.-Nr. 177, Abb. S. 174
Das kleine, schwarzweiße Bild mit der großen roten Signatur wirkt für ein Gemälde Lyonel Feiningers ungewöhnlich und zugleich vertraut. Es ist eine Erinnerung, gemalt 1941 in New York in der kleinen Wohnung, in der sich Lyonel und Julia Feininger nach ihrer erzwungenen Emigration 1938 eingerichtet hatten. Unter dem Eindruck täglicher Schreckensnachrichten aus Europa, voller Sorge um Familie und Freunde und in Erwartung des Kriegseintritts der USA, kreisten Feiningers Gedanken nur um seine Zeit in Deutschland. „Night Express“, in dem unter einem Sternenhimmel eine schnaufende alte Lokomotive ihre Waggons über ein Viadukt und im breiten Streifen des Scheinwerferlichts an hohen Giebelhäusern vorbeizieht, während unten ein Herr mit Stock und Zylinder nach Hause eilt, ist die Erinnerung an eine Zeit des Aufbruchs und des grenzenlosen künstlerischen Ausdrucks. Das war 1918, als Feininger den Holzschnitt „Zug auf der Brücke“ vollendete, der in unserem Gemälde mit neuem, amerikanischem Titel wieder erscheint. 1918 war das hoffnungsvolle Jahr des Kriegsendes, in dem Feininger sich seit dem Sommer tief in die Arbeit mit einem neuen Medium versenkte, dem Holzschnitt. Städte, Dörfer, Küsten und Figuren, die er in den feinen Linien der Radierung (und wenigen Lithographien) bereits zu fabelhaft erfindungsreichen Kompositionen zusammengeführt hatte, suchte er nun in das neue Medium zu übertragen. Es war auch das Jahr, in dem Feininger Walter Gropius kennenlernte, der ihn kurz darauf als Leiter der graphischen Werkstatt an das neu gegründete Bauhaus in Weimar berief.
Nach 1920, direkt im Anschluß an die Hochzeit des Holzschnitts, entstanden immer wieder Gemälde, in denen der Künstler einige der soeben vollendeten Holzschnitte mit kurzen, dichten Pinselstrichen beinahe unverändert, wie in einem Nachhall auf Leinwand bannte. Sicherlich interessierten ihn bei dieser Werkgruppe die Beziehungen zwischen den Medien, zwischen Unikat und Auflagenwerk, zwischen der subjektiven Haptik des malerischen Duktus und dem neutralen „Körper“ eines Hochdruckes. Wenn man sie im Hinblick auf das Gesamtwerk betrachtet, wirken diese Gemälde, die bezeichnenderweise in der New Yorker Emigration wieder auftauchen, wie eine Art Rekapitulation eines künstlerischen Höhepunkts, wie Vergewisserungen und Meditationen Feiningers über erreichte, unanfechtbare künstlerische Errungenschaften. (MF)
Das Gemälde steht in Zusammenhang mit dem Holzschnitt „Zug auf der Brücke" („Locomotive on the Bridge)" von 1918 (Prasse W 81)
Lyonel Feininger (1871 – New York – 1956)
„DER NACHTEXPRESS“ („THE NIGHT EXPRESS“). 1941
Oil on canvas. 35,7 x 43,3 cm ( 14 x 17 in.). Signed lower left: Feininger. On the upper stretcher bar signed, dated and titled with pen in black: Lyonel Feininger, 1941. “The Night Express“. On the reverse labels of the exhibitions New York 1969, Munich 1973 and New York/Montréal 2011/12 (see below).
Hess/Feininger 411.–
[3433]
Provenienz: Estate of the artist, USA
Ausstellung: Lyonel Feininger. New York, Marlborough-Gerson Gallery Inc., 1969, cat. no. 54 / Lyonel Feininger. Munich, Haus der Kunst, and Zurich, Kunsthaus, 1973, cat. no. 147 / Lyonel Feininger – Zurück in Amerika. 1937–1956. Halle, Stiftung Moritzburg, 2009, cat. no. 13 / Lyonel Feininger: At the Edge of the World. New York, Whitney Museum of American Art, 2011, and Montréal, Musée des Beaux-Arts (titled: Lyonel Feininger: De Manhattan au Bauhaus), 2012, cat. no. 177, ill. p. 174
The painting relates to the woodcut „Zug auf der Brücke" („Locomotive on the Bridge)" of 1918 (Prasse W 81)
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