Lot no. 18
Lyonel Feininger (1871 – New York – 1956) „Treptow a. d. Rega“. 1932 Aquarell, Tusche laviert und Tuschfeder auf Hahnemühle-Bütten. 47,2 × 35 cm ( 18 ⅝ × 13 ¾ in.). Unten signiert, betitelt und datiert: Feininger Treptow a. d. Rega 24. 7. 32. [3215] Provenienz: Sammlung Adalbert und Thilda Colsman, Langenberg (1939 in der Galerie Alex Vömel, Düsseldorf erworben, seitdem in Familienbesitz) „Treptow war neulich für mich ganz voll von neuen Entdeckungen und die Stadt gewinnt bei längerer Bekanntschaft“, bemerkt Lyonel Feininger bereits am 6. Juli 1925 in einem Brief aus der Sommerfrische im Ort Deep. (Zit. nach: Timm, Werner (Hrsg.): Lyonel Feininger. Erlebnis und Visionen. Die Reisen an die Ostsee, Ausst.-Kat. Regensburg 1992, S. 149.) Dort verbringt er 1925 gerade zum zweiten Mal die Sommermonate. Zehn Jahre lang wird er mit seiner Familie wiederkehren. Im Jahr 1932, in dem unser Aquarell entsteht – dem Jahr, in dem auch das Bauhaus in Dessau aufgelöst wird –, wohnen die Feiningers von Mai bis Oktober im heutigen Mrzeżyno. Die regelmäßigen Ausflüge ins acht Kilometer stromaufwärts gelegene und ausdrücklich lieb gewonnene Treptow an der Rega dokumentiert Feininger in Aquarellen, Kohlezeichnungen und Holzschnitten. Mit dem hervorragenden Gemälde „Der Grützturm“, nach der erhaltenen mittelalterlichen Befestigungsanlage des heutigen Trzebiatów, hält er seine Eindrücke im Jahr 1928 auch in Öl auf Leinwand fest. Durch die für seine Architekturdarstellungen typische Betonung der Vertikalen steigert er, wie auch bei unserem Aquarell, den Eindruck des Monumentalen. Bewusst verzichtet Feininger auf ein realistisches Abbild des Gesehenen. Schon früh gelang es ihm, das Bildgeschehen zu verdichten und eine freie, höchst individuelle Auffassung von Architektur zu erarbeiten. Die Häuserfronten in Treptow werden mit ihren sich verselbstständigenden Binnen- und Konturlinien ganz besonders lebendig. Tektonische Unklarheiten in den Giebeln und eine dynamische Perspektive entlang der menschenleeren Straße assistieren beim gelungenen Versuch, mit wenigen Gebäuden den Charakter dieser Kleinstadt einzufangen. Folgerichtig bildet Feininger den Titel einzig aus dem Ortsnamen Treptow an der Rega, ohne zusätzlich, wie bei verwandten Werken, das konkrete Bauwerk zu benennen. Der farblich abgestufte Himmel ergibt zusammen mit den warmen Braun- und Rottönen der aufstrebenden Gebäude und ihren grauen Schattierungen eine vielschichtige Bildkomposition. Das Sammlerehepaar Colsman hat das für Feiningers Architekturbilder emblematische Blatt als vollendetes Kunstwerk erkannt. ML Treptow (Trzebiatów) liegt an der Rega im heutigen Polen. Die Rega entspringt der Pommerschen Seenplatte und mündet in die Ostsee. Zur Sammlung Adalbert und Thilda Colsman siehe auch: www.grisebach.com/de/colsman Lyonel Feininger (1871 – New York – 1956) „Treptow a. d. Rega“. 1932 Watercolour, India ink washed and pen and India ink on Hahnemühle laid paper. 47,2 × 35 cm ( 18 ⅝ × 13 ¾ in.). Signed, titled and dated at the bottom: Feininger Treptow a. d. Rega 24. 7. 32. [3215] Provenienz: Collection Adalbert and Thilda Colsman, Langenberg (acquired in 1939 at Galerie Alex Vömel, Düsseldorf, thence by descent to the present owner) Treptow (today Trzebiatów) is a town at the Rega river in West Pomerania. The Rega has its source in the Pomeranian Lakeland and flows into the Baltic Sea.
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
06/02/2016
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0