Lot no. 48
Lyonel Feininger (1871 – New York – 1956)
„ZIMMER = LEUTE“. 1915
Aquarell und Tuschfeder auf Bütten. 23,5 x 31,2 cm ( 9 ¼ x 12 ¼ in.). Unten signiert, betitelt und datiert: L. F. Feininger Zimmer = Leute 28. Nov 1915. In der linken unteren Ecke mit einem X bezeichnet [d.h. Julia Feininger zugeeignet].
[3436]
Provenienz: Nachlaß des Künstlers, USA
Ausstellung: Lyonel Feininger. Die Zeichnungen und Aquarelle. Hamburg, Kunsthalle, und Tübingen, Kunsthalle, 1998, Kat.-Nr. 56 / Lyonel Feininger. Retrospective in Japan. Yokosuki Musem of Art; Aichi Prefectural Museum of Art, Nagoya; Miyagi Museum of Art, 2008/09, Kat.-Nr. 46, Farbabb. S. 61
yonel Feiningers malerische Verwandlungen der Dorfkirche von Gelmeroda in eine Kathedrale aus Licht und aufstrebenden Linien gehören zu den schönsten Rätseln der Kunst des 20. Jahrhunderts. Bei unserem Aquarell aus dem Jahr 1915 ist Lyonel Feininger etwas ganz Ähnliches gelungen. Der Beschreibung im Titel nach handelt es sich bei dem Motiv um „Zimmerleute“, die offensichtlich gerade bei der Arbeit sind. Doch das Auge sieht etwas anderes: das Malerei gewordene Spiel von Bewegung und Gegenbewegung, von Diagonalen und gellenden Farbkontrasten. Mit dem Mittel der Abstraktion macht Feininger aus seinen Figuren Symbole – Chiffren von Kraft und Energie und des Willens, diese in eine zivilisierte Form zu zwingen.
Vier Jahre bevor er mit Walter Gropius als Lehrer ans Bauhaus nach Weimar ging, hat Feininger hier einen an sich alltäglichen Vorgang – harte körperliche Arbeit in einer Schreinerei – als eine Art Ballett neu arrangiert. Seine „Zimmerleute“ sind ein Manifest von Dynamik und Entschlossenheit, das zeigt, wozu Kunst fähig ist, wenn man sie erst von allen akademischen Geboten und Maßregelungen befreit: Dann nimmt sie den Alltag zum Anlaß, die darin enthaltene Banalität zu transzendieren, um dem Ewigen und durch alle Zeiten Gültigen zu seinem Recht auf Darstellung zu verhelfen. Die für Feiningers spätere Werke typische Verbindung von Expressivität und Abstraktion ist bei den „Zimmerleuten“ bereits voll ausgebildet. Lyonel Feininger, als Sohn einer Pianistin und eines Geigers 1871 in New York geboren, befand sich schon in fortgeschrittenem Alter, als er sich mit 36 Jahren entschloß, eine Laufbahn als Maler einzuschlagen. Dieses Aquarell markiert nur acht Jahre nach der richtungweisenden Entscheidung einen frühen künstlerischen Höhepunkt seiner Karriere. (UC)
Lyonel Feininger (1871 – New York – 1956)
„ZIMMER = LEUTE“. 1915
Watercolour and pen and India ink on laid paper. 23,5 x 31,2 cm ( 9 ¼ x 12 ¼ in.). Signed, titled and dated at the bottom: L. F. Feininger Zimmer = Leute 28. Nov 1915. In the lower left corner inscribed with an X [i.e. dedicated to Julia Feininger ].
[3436]
Provenienz: Estate of the artist, USA
Ausstellung: Lyonel Feininger. Die Zeichnungen und Aquarelle. Hamburg, Kunsthalle, and Tübingen, Kunsthalle, 1998, cat. no. 56 / Lyonel Feininger. Retrospective in Japan. Yokosuki Musem of Art; Aichi Prefectural Museum of Art, Nagoya; Miyagi Museum of Art, 2008/09, cat. no. 46, color ill. p. 61
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