Lot no. 32
Marcel Duchamp (1887 Blainville – 1968 Paris) „From or by Marcel Duchamp or Rrose Sélavy (The Box in a Valise)“. 1966 Originale, mit rotem Leder bezogene Schachtel mit insgesamt 3 Miniaturobjekten und 77 Reproduktionen nach Originalwerken des Künstlers. Schachtel: 41,2 × 38,3 × 9,5 cm ( 16 ¼ × 15 ⅛ × 3 ¾ in.). Auf dem Schachtelboden innen signiert. Schwarz 484 (Series F).– Eines von 75 numerierten Exemplaren der Serie F. Die Ecken der inneren ausklappbaren Elemente teilweise minimal berieben. [3072] Provenienz: Privatsammlung, Berlin (erworben 1979 bei Alexina Duchamp, der Witwe des Künstlers, Paris, seitdem in Familienbesitz) Literatur und Abbildung: Ecke Bonk: Marcel Duchamp. Die große Schachtel de ou par Marcel Duchamp ou Rrose Sélavy. Schirmer/Mosel, München 1989, Farbabb. auf dem Titel (unser Exemplar) / Grisebach - Das Journal. Heft 5, Berlin 2015, S. 20-33 Bereits mit Fertigstellung der „Grünen Schachtel“ 1934 (Los Nr. 33) dachte Marcel Duchamp an ein weiteres Nachschlagewerk, an ein „album of approximately all the things I produced“. Er hatte nicht weniger im Sinn als ein Museum seines Gesamtwerkes en miniature. Mit dieser Absicht konzipierte Duchamp ab 1935 eine weitere Schachtel, die als „De ou par MARCEL DUCHAMP ou RROSE SELAVY (Boîte-en-valise)“ in die Kunstgeschichte eingehen sollte. Mit der „Boîte-en-valise“ gelingt Duchamp nicht nur eine umfassende Dokumentation seines Gesamtwerkes – sein eigenes „tragbares Taschenmuseum“ –, sondern auch das „unbestrittene Meisterwerk der Reproduktion von Kunstwerken“, wie es Ecke Bonk in seinem Standardwerk über den roten Koffer nennnt, welches die Kluft zwischen Werk und Rezeption überbrücken sollte. Nachdem Duchamp im Sommer 1936 viele seiner in Amerika befindlichen Werke noch einmal aufgesucht und dokumentiert hat, beginnt er mit seiner Rückkehr nach Paris die zeitaufwendigen Vorbereitungen zur Produktion aller Einzelteile. Duchamp delegiert viele der handwerk-lichen Aufgaben an Spezialisten, er unterscheidet präzise zwischen seinen Vorbereitungen, der Ausarbeitung und der anschließenden Produktion der Auflagen. Um ein befriedigendes Ergebnis für die Vorlagen zu erzielen, benötigte Duchamp für jedes Bild circa acht Wochen. Nach fünf Jahren Produktion konnte Duchamp 1941 noch in Paris damit beginnen, die ersten Schachteln zusammenzusetzen. An der Zusammensetzung einer einzigen Schachtel – Duchamp hat die ersten 20 (Deluxe-)Ausgaben der „Boîte-en-valise“ allein zusammengesetzt – hat er durchschnittlich drei Wochen gearbeitet. Durch die Besetzung Frankreichs im gleichen Jahr mußte Duchamp seine Materialien mit gefälschtem Pass nach Marseille schmuggeln, um sie von dort nach New York zu bringen. Zwischen 1941 und 1968 entstehen in sieben leicht variierenden Editionen insgesamt 300 Exemplare der „Boîte“. Stets handelt es sich um eine stoffbezogene Karton-Schachtel in einer Art Koffer mit schwarzweißen und teilweise farbigen Reproduktionen, auf Zellophan, Trans-parentpapier und Photographien. Einige der farbigen Reproduktionen sind auf ausfaltbare Tafeln montiert, die Miniaturversion des „Großen Glases“ ist im Holzrahmen der Schachtel eingeklebt, so daß diese stehend bewundert werden kann. Darüber hinaus enthalten die Schachteln kleinere Modelle der Readymades und Reliefrepliken. Die 75 roten Schachteln der Serie F entstanden 1966 in Paris, die äußeren Veränderungen – außen rotes Leder, innen rotes Leinen – und die inhaltlichen Ergänzungen – 12 weitere Werk-Abbildungen verteilt auf 3 schwarzen Doppelblättern – hat Marcel Duchamp noch selbst vorgenommen. Die „Boîtes“ zeigen uns das facettenreiche Gesamtwerk Duchamps in einem sorgfältig konstruierten Rahmen. Die Schachtel im Koffer ist die kongeniale Verbindung einer musealen Mini-Retrospektive mit der tragbaren, unprätentiösen Form eines Koffers. Duchamp verzichtet auch hier auf jeglichen Kommentar; die einzigen schriftlichen Informationen sind die Titel, der Entstehungsort, die Technik und Maße sowie die Besitzer der Werke. Jedoch stellt er durch die Anordnung der Reproduktionen in der Schachtel und die Gruppierung in Mappen inhaltliche Verknüpfungen zwischen seinen Werken her. Die Schachtel bietet den „Benutzern“ mit den aufklappbaren und verschiebbaren Abbildungen einen „manuellen, räumlichen Zugang zu den komplexen gedanklichen Zusammenhängen“ (Dieter Daniels) und den intellektuellen Fragestellungen Duchamps. „Nach der Intellektualisierung der Malerei durch das Handwerk“ gelingt Duchamp mit seinen Boîtes „die Versinnlichung des Intellekts durch das Layout“ (Dieter Daniels). CG Die rote Schachtel der Serie F ist mit 80 Reproduktionen und Nachbildungen ausgestattet und ist damit gegenüber den vorherigen Serien um 12 Elemente erweitert worden. Sie enthält, nach dem Werkverzeichnis von Arturo Schwarz, Nachbildungen folgender Nummern: 181, 183-185, 191, 192, 197, 214, 221-224, 226, 228, 229-231, 233-235, 237-239, 245-253, 264, 270, 271, 278, 282, 283, 291, 302, 306, 328, 332, 339, 340, 342-345, 350, 351, 354, 355, 358, 362, 365, 367,369, 374, 376, 379, 380, 383, 390, 391, 397, 403, 404, 406, 409, 441, 446, 480, 536, 542 und 545. Jacqueline Matisse-Monnier und die Association Marcel Duchamp, Paris, haben die Authentizität dieses Werks bestätigt. Marcel Duchamp (1887 Blainville – 1968 Paris) „From or by Marcel Duchamp or Rrose Sélavy (The Box in a Valise)“. 1966 Original box, covered with red leather, with a total of 3 miniature objects and 77 reproductions after original works by the artist. Box: 41,2 × 38,3 × 9,5 cm ( 16 ¼ × 15 ⅛ × 3 ¾ in.). Signed on the inside base of the box. Schwarz 484 (Series F).– One of 75 numbered copies of the series F. The corners of the inner fold-out elements partially with minimal scuff marks. [3072] Provenienz: Private collection, Berlin (acquired 1979 from Alexina Duchamp, the artist's widow, Paris, thence by descent to the present owner) Literatur und Abbildung: Ecke Bonk: Marcel Duchamp. Die große Schachtel de ou par Marcel Duchamp ou Rrose Sélavy. Schirmer/Mosel, Munich 1989, colour ill. on the title page (our example) / Grisebach - Das Journal. Issue 5, Berlin 2015, p. 20-33 The red box from series F contains 80 reproductions and replicas, and therefore contains 12 elements more than the preceding series. It contains replicas of the following numbers, according to the catalogue raisonné by Arturo Schwarz: 181, 183-185, 191, 192, 197, 214, 221-224, 226, 228, 229-231, 233-235, 237-239, 245-253, 264, 270, 271, 278, 282, 283, 291, 302, 306, 328, 332, 339, 340, 342-345, 350, 351, 354, 355, 358, 362, 365, 367,369, 374, 376, 379, 380, 383, 390, 391, 397, 403, 404, 406, 409, 441, 446, 480, 536, 542 and 545. Jacqueline Matisse-Monnier and the Association Marcel Duchamp, Paris, have confirmed the authenticity of this work
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
11/26/2015
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0