Lot no. 750
Markus Lüpertz (Reichenberg/Böhmen 1941 – lebt in Berlin)
„Dachpfanne“. 1967
Leimfarbe auf Leinwand. 150 × 145 cm ( 59 × 57 ⅛ in.). Unten links signiert: MARKUS. Rückseitig: Zelt. 1965. Leimfarbe. Oben links signiert: MARKUS.
Mit der originalen Einladungskarte der Galerie Hake. [3130]
Provenienz: Galerie Hake, Köln / Privatsammlung, Köln (1968 erworben)
Ausstellung: Markus Lüpertz. Dachpfannen (dithyrambisch), Flachkremper, Krempziegel, Mönch + Nonne, Hohlpfannen. Köln, Galerie Hake, 1968 / Markus Lüpertz. Gemälde und Handzeichnungen 1964-1979. Köln, Josef-Haubrich-Kunsthalle, 1979/80, Kat.-Nr. 27
Markus Lüpertz erregte Mitte der 1960er-Jahre, noch bevor er mit seinen symbolträchtigen „deutschen Motiven“ zum Malerfürsten avancierte, erstmals Aufsehen mit Bildern, in denen er banale Gegenstände – Zäune, Baumstämme, Eisenbahnschienen, Spargelfelder, aber auch Dachpfannen – isoliert und monumental darstellte. Diese frühen Bilder entstehen meist in Serien und befinden sich im Zustand „permanenter Erregung“. Durch die Wiederholung des immer gleichen Motivs erhöht Lüpertz das vermeintlich Profane, um es zugleich wieder als bloße „Darstellung“ zu ironisieren. „Ich male Bilder über die Malerei“ und „[i]ch will, dass das Bild so offen ist, dass der Betrachter die Thematik erfindet“ (Markus Lüpertz im Gespräch mit Oswald Wiener, in: Markus Lüpertz. Bilder 1970 – 1983, Kat. Ausst. Kestner Gesellschaft, Hannover 1983, S.97). Mit diesem „Nicht-Programm“ sucht Lüpertz mit einfachen Farben auf großen Leinwänden nach „neuen, der Zeit entsprechenden, hoffnungsvollen Formen“ (Markus Lüpertz im Gespräch mit Oswald Wiener, in: Markus Lüpertz. Bilder 1970–1983, Kat. Ausst. Kestner Gesellschaft, Hannover 1983, S.84). Lüpertz verteidigt somit nicht nur konsequent die unbedingte Freiheit der Kunst, sondern seine zur Spekulation und Mutmaßungen einladenden Werke geleiten die Malerei – auf einem schmalen Grat zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion – in eine postmoderne Zukunft.
Der „Bilderfinder“ Lüpertz malt seine lapidaren Sujets mit plakativer und begeisterter Deutlichkeit. Bereits 1968 erklärte er, dass die „Anmut des 20. Jahrhunderts [...] durch die von mir erfundene Dithyrambe sichtbar gemacht“ wird (Markus Lüpertz, Galerie Großgörschen 35, Berlin 1966). Dieses Attribut, das fast allen Werktiteln jener Zeit hinzugefügt wird, geht zurück auf einen überschwänglichen Gesang zu Ehren des Dionysos. "Dithyrambisch heißt übersetzt trunken, begeistert. Ich bin von mir, von meiner Malerei trunken begeistert." (Markus Lüpertz, 1984, zitiert nach: Armin Zweite, Dithyramben und anderes, Kat. Ausst. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 1996, S.15). Mit solcher Selbstgewissheit entstehen Bilderserien vitaler und scheinbar selbstverständlicher Malfreude. Doch Lüpertz führt uns in den Serien seiner großformatigen „Trophäen“ nicht nur das „Nicht-Begreifbare“ der Kunst vor, sondern hinter all dem Rauschhaften geht es letztlich um eine Erörterung der möglichen „Einheit alles Seienden“ (Wieland Schmied, in: Markus Lüpertz. Bilder 1970 – 1983, Kat. Ausst. Kestner Gesellschaft, Hannover, 1983, S.XXXV).
Auf der Rückseite unserer „Dachpfanne“ aus dem Jahr 1968 befindet sich zudem eines der frühen „Zelte“, die – inspiriert von einem Warenhauskatalog – bereits 1965 entstanden. Auch dieses freigestellte Motiv bezeugt das Interesse des Künstlers an den Möglichkeiten der Malerei. Lüpertz abstrahiert das Dargestellte nicht im klassischen Sinne, sondern seine Abstraktion ist „die Erfindung eines unsinnigen Gegenstandes. Eines Gegenstandes, der einfach nur da ist und keine Funktion erfüllt [...].“ (Markus Lüpertz im Gespräch mit Peter Schwerfel, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1989, S.30). Durch das additive Konstruieren, das Zusammensetzen von abstrakten Flächen und Formen, wird auch das profane Zelt zu einem „plastischen Ereignis“, das uns die Vergänglichkeit und Verletzlichkeit des Dargestellten vor Augen führt. Die Kunst als Rettung vor der Realität.
Christian Ganzenberg
Markus Lüpertz (Liberec/Bohemia 1941 – lives in Berlin)
„Dachpfanne“. 1967
Distemper on canvas. 150 × 145 cm ( 59 × 57 ⅛ in.). Signed lower left: MARKUS. On the reverse: Zelt. 1965. Distemper. Signed upper left: MARKUS.
With the original invitation card from the Galerie Hake. [3130]
Provenienz: Galerie Hake, Cologne / Private collection, Cologne (acquired 1968)
Ausstellung: Markus Lüpertz. Dachpfannen (dithyrambisch), Flachkremper, Krempziegel, Mönch + Nonne, Hohlpfannen. Cologne, Galerie Hake, 1968 / Markus Lüpertz. Gemälde und Handzeichnungen 1964-1979. Cologne, Josef-Haubrich-Kunsthalle, 1979/80, cat. no. 27
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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