Lot no. 36
Max Beckmann (Leipzig 1884 – 1950 New York) „Students“. 1947 Tuschfeder in Schwarz und Braun über Bleistift auf Bütten. 31,4 × 41,8 cm ( 12 ⅜ × 16 ½ in.). Unten links betitelt: „Students“. Unten rechts signiert, bezeichnet und datiert: Beckmann St. Louis 5.12.47. Die Zeichnung wird aufgenommen in das erweiterte Werkverzeichnis der Zeichnungen Max Beckmanns von Stephan von Wiese und Hedda Finke, Berlin (in Vorbereitung).– Leichte Randmängel. [3325] Provenienz: Theo Garve, Hamburg / Werner Blohm, Hamburg / Privatsammlung, Deutschland Ausstellung: Im Zentrum: Ernst Ludwig Kirchner. Eine Hamburger Privatsammlung. Hamburg, Kunsthalle; Davos, Kirchner Museum, und Berlin, Brücke-Museum, 2001-2003, Kat.-Nr. 7, Abb. S. 146 / Beckmann-Dix-Hubbuch. Bayreuth, Kunstmuseum, und Friedrichshafen, Zeppelinmuseum, 2006/07, Kat.-Nr. 305, Abb. S. 207 Unsere Federzeichnung „Students“ vom 5. Dezember 1947 gibt den Klassenraum im Erdgeschoss der Bixby Hall der Washington University St. Louis wieder. Männliche und weibliche Studierende – einige von ihnen sind zu identifizieren, anderen begegnet man in Gemälden Beckmanns wieder – zeichnen nach einem überproportional großen Aktmodell. Knapp drei Monate zuvor hatte der Künstler eine Lehrtätigkeit übernommen, mit der er den seinerseits mit einem Stipendium ausgezeichneten Philip Guston vertrat. Beckmanns Ehefrau Mathilde, genannt Quappi, verlas zu Beginn der ersten Stunde eine Rede in englischer Sprache, aus der hervorgeht, wie wichtig ihm die Unabhängigkeit seiner Schüler war. Deswegen entschied er sich auch gegen tägliche Präsenz in der Universität und kam stattdessen nur zweimal wöchentlich zu den Kursen. „Als Künstler bin ich der Überzeugung, daß ich Ihnen keinen im strengen Sinne akademischen Unterricht geben möchte. Es ist mein aufrichtigster Wunsch, und ich habe die Absicht, Ihnen den Weg zu unabhängiger eigener Arbeit zu zeigen und zu erleichtern“ (zit. nach: Mathilde Q. Beckmann: Mein Leben mit Max Beckmann, München Zürich, 1985, S. 237). Mit dieser Aufgabe, die nach den schweren und zum Teil bedrohlichen Jahren des niederländischen Exils für den Künstler eine Befreiung und Bereicherung seines Lebens war, konnte er an die glückliche Zeit an der Frankfurter Städelschule anknüpfen. Für ihn waren die Studierenden „weniger auszubildende Kunststudenten, sondern Materie, Rohstoff, auch seelischer, für sein eigenes Schaffen. Manche dieser Köpfe sind in die Bilder eingegangen, manches Feuer hat sich dem Alternden mitgeteilt und ihm Mut für die Bewältigung der eigenen Sisyphosarbeit gemacht. Er fühlte sich bestätigt in seinem menschlichen Wachstum, wenn sich diese jungen Menschen [...], die formal an der Grenze zur Abstraktion standen, ihm zuwandten“ (Erhard Göpel: Max Beckmann in seinen späten Jahren, München 1955, S. 27/28). Angeregt hatten die Arbeits- und Aufenthaltsmöglichkeit Curt Valentin, Beckmanns bereits in den USA lebender Kunsthändler, und Perry Rathbone, damals Direktor des St. Louis City Art Museum. Die neu gewonnene Freiheit ist auch Beckmanns Schaffen in Amerika zu entnehmen, wo nicht nur weitere Triptychen entstanden, sondern sich sein malerischer Duktus noch einmal wandelte. Die Inhalte seiner Bilder blieben in ihrem rätselhaften, verschlüsselten Formenrepertoire den „europäischen“ ähnlich, die Pinselführung und das Kolorit blühten auf. Vor allem in der Spätphase in New York ist dann eine neue, amerikanische Farbigkeit im Œuvre Beckmanns anzutreffen. Den Weg zu dieser einzigartigen Virtuosität begann er in St. Louis. EO Max Beckmann (Leipzig 1884 – 1950 New York) „Students“. 1947 Pen and black India ink and brown over pencil on laid paper. 31,4 × 41,8 cm ( 12 ⅜ × 16 ½ in.). Titled lower left: „Students“. Signed, inscribed and dated lower right: Beckmann St. Louis 5.12.47. The drawing will be included in the extended catalogue raisonné of the drawings of Max Beckmann by Stephan von Wiese and Hedda Finke, Berlin (in preparation).– Minor imperfections in the margin. [3325] Provenienz: Theo Garve, Hamburg / Werner Blohm, Hamburg / Private Collection, Germany Ausstellung: Im Zentrum: Ernst Ludwig Kirchner. Eine Hamburger Privatsammlung. Hamburg, Kunsthalle; Davos, Kirchner Museum, and Berlin, Brücke-Museum, 2001-2003, cat. no. 7, Illustration p. 146 / Beckmann-Dix-Hubbuch. Bayreuth, Kunstmuseum, and Friedrichshafen, Zeppelinmuseum, 2006/07, cat. no. 305, illustration p. 207
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11/29/2018
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