Lot no. 2
Max Liebermann (1847 Berlin – 1935 Berlin)
„Blaues Mädchen in Landschaft – Bauernmädchen“. 1890
Öl auf Karton. 25 × 22 cm ( 9 ⅞ × 8 ⅝ in.). Unten rechts signiert und datiert: M. Liebermann 90.
Eberle 1890/23.–
[3098]
Provenienz: M. Goldschmidt, Frankfurt a.M. (1914) / v. Schnitzler, Köln (1916) (?) / Kunstsalon Hermann Abels, Köln / ehem. Albert Ottenheimer (seit der Emigration: Albert Otten), Köln/Portland
Ausstellung: Werke aus Kölner Privatbesitz. Köln, Kölnischer Kunstverein, 1916, Kat.-Nr. 62 (?) / Waltham, Massachusetts, Brandeis University, 1959 / A Passion for Art. The Albert Otten Collection. Portland, Portland Museum of Art, 1987/88, Kat.-Nr. 33, m. Abb
Literatur und Abbildung: Erich Hancke: Max Liebermann. Sein Leben und seine Werke. Berlin, Bruno Cassirer, 1914, Werkkatalog S. 535 / 192. Auktion: Sammlung Justizrat Jansen, Köln, u.a. Besitz. Köln, Lempertz, 16.–19.6.1920, Kat.-Nr. 222, Abb. Tf. 13 / Versteigerungskatalog: Impressionist & Modern Art. London, Sotheby‘s, 25.6.2002, Los 141
Erst spät wandte sich Max Liebermann der Portraitmalerei zu. Alfred Lichtwark, der Leiter der Hamburger Kunsthalle, überredete den Maler 1891, ein lebensgroßes Bildnis des Hamburger Bürgermeisters zu malen. Das Werk wurde zum Skandal, die Kritik wies es als roh und rücksichtslos zurück. Doch Liebermann wollte keine modernen Bildnisse schaffen, die wie von Rembrandt gemalt aussahen. Mit genau dieser Art von Malerei wurde Franz Lenbach zum erfolgreichsten Portraitisten der wilhelminischen Gesellschaft. Liebermann schätzte vielmehr die freie und spontan wirkende Malweise eines Frans Hals, denn hier fand er das „ewig Moderne“.
Das „Bauernmädchen“ entstand ein Jahr zuvor. Es machte natürlich keinen Skandal. Dabei zeigt es aufs Schönste alle malerischen Qualitäten Liebermanns. Intim im Format, ist die junge Frau nah an den Betrachter gerückt. Die Landschaft ist nur angedeutet: eine Wiese, ein paar Bäume, der Himmel; alles mit wenigen Pinselstrichen hingeworfen. Der Kopf im Profil, die Haare streng zurückgebunden, einige strohgelbe Strähnen haben sich gelöst und flattern um Stirn und Ohr. Gerade das Gesicht zeigt die Frische und Lebendigkeit der Alla-prima-Malerei Liebermanns: Über den flächigen Ton der Haut setzt der Maler viele, unregelmäßig angeordnete Höhungen der nun mit Weiß vermischten Farbe. Hinzu kommt ein flammendes Rot auf den Wangen des Mädchens. Das ist ganz wahrhaftiger Ausdruck, nichts erscheint geglättet oder geschönt. Und hieraus entwickelt sich auch ein erzählerisches Moment. Trotz der sonntäglichen Bluse ist es eben ein Bauernmädchen und keine Städterin. Die Landschaft ist die Landschaft der jungen Frau, keine Staffage. Was sie vorhat, wissen wir nicht, Liebermann verzichtet auf jedes anekdotische Beiwerk. Auch hierdurch wirkt die Arbeit offen und modern. OH
Max Liebermann (1847 Berlin – 1935 Berlin)
„Blaues Mädchen in Landschaft – Bauernmädchen“. 1890
Oil on cardboard. 25 × 22 cm ( 9 ⅞ × 8 ⅝ in.). Signed and dated lower right: M. Liebermann 90.
Eberle 1890/23.–
[3098]
Provenienz: M. Goldschmidt, Frankfurt a.M. (1914) / v. Schnitzler, Cologne (1916) (?) / Kunstsalon Hermann Abels, Cologne / Albert Ottenheimer (known after his emigration as Albert Otten), Cologne/Portland
Ausstellung: Werke aus Kölner Privatbesitz. Cologne, Kölnischer Kunstverein, 1916, cat. no. 62 (?) / Waltham, Massachusetts, Brandeis University, 1959 / A Passion for Art. The Albert Otten Collection. Portland, Portland Museum of Art, 1987/88, cat. no. 33, with illustration
Literatur und Abbildung: Erich Hancke: Max Liebermann. Sein Leben und seine Werke. Berlin, Bruno Cassirer, 1914, catalogue of works p. 535 / 192. Auction: Sammlung Justizrat Jansen, Köln, u.a. Besitz. Cologne, Lempertz, 16.–19.6.1920, cat. no. 222, ill. pl. 13 / Auction catalogue: Impressionist & Modern Art. London, Sotheby‘s, 25.6.2002, lot 141
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