Lot no. 12
Max Liebermann (1847 – Berlin – 1935)
„Enkelin und Kinderfrau im Nutzgarten“. 1923
Öl auf Leinwand. 56 × 75 cm ( 22 × 29 ½ in.). Unten links signiert: M Liebermann. Auf dem Keilrahmen ein Etikett der Galerie Paul Cassirer, Berlin.
Werkverzeichnis: Eberle 1923/23.–
[3304]
Provenienz: Kunsthandlung Franz Resch, Gauting b. München / Galerie Arnoldi-Livie, München (Anfang der 1970er- Jahre) / Privatsammlung, Hessen
Literatur und Abbildung: Auktionskatalog. London, Sotheby´s, 1.7.1970, Kat.-Nr. 98, m. Abbildung
Um 1920 befindet sich Max Liebermann auf dem Höhepunkt seiner Popularität. Zahlreiche Ehrungen werden ihm zuteil, die Berliner Nationalgalerie richtet ihm das Max-Liebermann-Kabinett ein. Bereits zu seinem 70. Geburtstag 1917 widmete ihm die Preußische Akademie der Künste eine umfassende Retrospektive. Drei Jahre darauf wird er zu deren Präsident ernannt und bemüht sich nun um Toleranz und Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Strömungen der deutschen Malerei. In einer seiner Reden betont er: „Wer selbst in seiner Jugend die Ablehnung des Impressionismus erfahren hat, wird sich ängstlich hüten, gegen eine Bewegung, die er nicht oder noch nicht versteht, das Verdammungsurteil zu sprechen, besonders als Leiter der Akademie, die wiewohl ihrem Wesen nach konservativ, erstarren würde, wenn sie sich der Jugend gegenüber rein negativ verhalten würde“ (Bernd Küster: Max Liebermann – ein Malerleben, Hamburg 1988, S. 197).
Auch im Privaten hat sich bei dem ehemals streitbaren Geist ein Bedürfnis nach Harmonie, Ausgeglichenheit und einem geregelten Alltagsleben eingestellt: Schon im Jahr 1910 hatte der Maler seine Sommervilla am Wannsee bezogen, um dort im Atelier und dem aufwendig angelegten Garten ungestört malen zu können. Zu der dort entstandenen, bemerkenswerten Folge von Gartenbildern gehört auch das Gemälde „Enkelin und Kinderfrau im Nutzgarten“. Die Komposition, die Liebermann hierfür fand, ist gewagt. Die Frau und das Kind sind ganz nach links gerückt, die Gouvernante wird gar vom Rand angeschnitten, so als käme sie gerade erst ins Bild. Dadurch erlangt das Gemälde eine Dynamik, die man sonst nur von dem neuesten Medium der Zeit kennt, dem Film.
Große Aufmerksamkeit hat der Maler auch dem blühenden Garten geschenkt. Im üppigen Grün setzen impressionistische Farbtupfer in Rot, Blau, Gelb und Violett überaus reizvolle Akzente. Durch diese Gewichtung betont Liebermann den Antagonismus zwischen der geordneten, vielleicht auch etwas betulichen bürgerlichen Welt und der unbändig-kraftvollen Natur, die er in „Enkelin und Kinderfrau im Nutzgarten“ in all ihrer verschwenderischen Fülle und Pracht präsentiert. Wen der Künstler dargestellt hat, ist zumindest im Fall des Kindes bekannt. Es handelt sich dabei um Liebermanns 1917 geborene Enkelin Maria aus der Ehe seiner einzigen Tochter Käthe mit dem Diplomaten und Politiker Kurt Riezler, die 1938 mit ihren Eltern in die USA auswanderte. AF
Max Liebermann (1847 – Berlin – 1935)
„Enkelin und Kinderfrau im Nutzgarten“. 1923
Oil on canvas. 56 × 75 cm ( 22 × 29 ½ in.). Signed lower left: M Liebermann. On the stretcher a label of Galerie Paul Cassirer.
Catalogue raisonné: Eberle 1923/23.–
[3304]
Provenienz: Sotheby's, London (1970) / Art dealership Franz Resch, Gauting near Munich / Arnoldi-Livie, Munich (in the early 1970s) / Private collection, Hesse
Literatur und Abbildung: Auction catalogue. London, Sotheby's, 1.7.1970, cat. no. 98, with colour illustration
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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