Lot no. 184
Max Liebermann (1847 – Berlin – 1935) „Mädchen auf der Düne, stehend nach rechts“. 1890 Öl auf Papier auf Pappe. 35 × 25,6 cm ( 13 ¾ × 10 ⅛ in.). Unten rechts signiert und datiert: M Lieberman[n] 90. Rückseitig ein Etikett der Galerie Paul Cassirer, Berlin mit Feder in Schwarz beschriftet: Liebermann [No.] 211 Stehendes Mädchen. Sowie ein Etikett der Ausstellung Schwäbisch Hall 2003/04 (s.u.). Eberle 1890/24.– [3571] Provenienz: Galerie Paul Cassirer / Fritz Kuthe, Berlin (am 31.8.1905 in der Galerie Cassirer erworben) / Kunsthandel, Schweiz / Kunsthandel, München / Privatsammlung, Berlin (1993) / Kunstkreis, Berlin (erworben 1993) Ausstellung: Liebermann. Cannes, La Malmaison, und Lutherstadt Wittenberg, Cranach-Haus, 1996, Farbabbildung S. 16 / Rainer Maria Rilke und die bildende Kunst seiner Zeit. Berlin, Georg-Kolbe-Museum, 1997, Kat.-Nr. 45 / Max Liebermann. Der Realist und die Phantasie. Frankfurt a. M., Städelsches Kunstinstitut, und Leipzig, Museum der bildenden Künste, 1998, Kat.-Nr. 75, Farbabb. S. 161 / Max Liebermann. Stationen eines Malerlebens. Rüsselsheim, Opel-Villen, 1999, Farbabb. S. 39 / Max Liebermann. Dessau, Orangerie des Georgiums, 2000, Farbabb. S. 14 / Max Liebermann. Licht, Phantasie und Charakter. Wernigerode, Schloß, 2001, Farbabb. S. 20 / Max Liebermann, 1847–1935: „Ich bin doch nur ein Maler“. Rendsburg, Jüdisches Museum, 2002/03, Farbabb. S. 32 / Max Liebermann. Poesie des einfachen Lebens. Schwäbisch Hall, Kunsthalle Würth, und Wuppertal, Von der Heydt-Museum, 2003/04, Verzeichnis S. 217, Farbabb. S. 78 / Eröffnungsausstellung. Berlin, Kunstsalon Berliner Secession (Dr. Jörg Thiede Stiftung), 2006 (ohne Katalog) / Max Liebermann en zijn Nederlandse Kunstenaarsvrienden / Max Liebermann und die Holländer. Assen, Drents Museum, 2007 / The Era of Passion. Picasso to Chun Kyung Ja. Jeonbuk, Museum of Art, 2014/15, Farbabb. S. 48 Man wünschte, sie wären sich begegnet: unser „Mädchen auf der Düne“ und Fritz von Uhdes „Heideprinzesschen“. Beide Bilder stellen einen jugendlich-starken Frauencharakter in den Mittelpunkt, sie entstanden annähernd zur selben Zeit (1889/1890), ihre Schöpfer waren bekanntlich befreundet. Uhdes Dorfmädchen, das uns mit dreckig-bloßen Füßen und langem Strohhalm im Mundwinkel auf wildwuchernder Wiese skeptisch entgegenblickt, behauptet seit fast hundert Jahren ihren festen Platz in der Berliner Nationalgalerie – selbstverständlich in unmittelbarer Nähe zu den Werken von Max Liebermann. Unser „Mädchen auf der Düne“ ist bereits eine heranwachsende Frau, zumindest ist sie älter als Uhdes Protagonistin. Sie steht auf einer für die Nordsee so charakteristischen, leicht ansteigenden frühlingsgrünen Wiese über sandigem Grund, der die Figur komplett hinterfängt und nur am oberen Bildrand einen schmalen Streifen für das Himmelblau frei hält. Wir sehen sie stehend von ihrer rechten Seite, den Blick leicht gesenkt, schaut sie – kurz innehaltend - über die rechte untere Ecke aus dem Bildraum wohl auf das vor ihr liegende Meer hinaus. Sie trägt ein schmuckloses braunes Kleid mit Holzbotten, ihre zurückgebundenen goldblonden Haare sind mittig locker gescheitelt. In ihrer herabhängenden rechten Hand scheint sie einen kleinen roten Gegenstand zu halten, vielleicht eine Mohnblume, über der linken, uns abgewandten Schulter trägt sie möglicherweise einen gefüllten Korb, das können wir aber nur erahnen. Deutlich klingen Liebermanns Erfahrungen aus Holland sowie sein Interesse an den jüngsten Pariser Kunstströmungen an. Frauen und Männer in Dünen, meist ihrer Arbeit nachgehend, bilden in jenen Jahren um 1890 eine eigene Werkgruppe, die einige seiner bedeutendsten Gemälde hervorbrachte („Netzflickerinnen“, 1889; „Frau mit Ziege“, 1891). Auch wenn Liebermann seine Figurenstudien meist im Atelier vorbereitete, meint man in unserem hinreißenden kleinen Bild doch selbst das befreiende, frühlingswarme Sonnenlicht und den frischen Meerwind zu spüren, die unsere Protagonistin mit hochgekrämpeltem Ärmel für einen Moment innehalten lassen. Den spontanen und zugleich malerischen Ausdruck unterstreicht Liebermann in der Art des Farbauftrags, der weniger gemalt, sondern zu guten Teilen mit dem Spachtel auf das Papier gebracht ist und der Malerei so ein äußerst anregendes Eigenleben verleiht. AA Wir danken Petra Cordioli, Paul-Cassirer-Archiv, Zürich, für freundliche Hinweise zur Provenienz. Max Liebermann (1847 – Berlin – 1935) „Mädchen auf der Düne, stehend nach rechts“. 1890 Oil on paper on cardboard. 35 × 25,6 cm ( 13 ¾ × 10 ⅛ in.). Signed and dated lower right: M Lieberman[n] 90. On the reverse a label (of the Galerie Paul Cassirer, Berlin?), inscribed in pen and black ink: Liebermann [No.] 211 standing girl. There too a label of the exhibition in Schwäbisch Hall 2003/04. Eberle 1890/24.– [3571] Provenienz: Galerie Paul Cassirer / Fritz Kuthe, Berlin (acquired 31.8.1905 at Galerie Cassirer) / art trade, Switzerland / art trade, Munich / private collection, Berlin (1993) / Kunstkreis, Berlin (acquired 1993) Ausstellung: Liebermann. Cannes, La Malmaison, and Lutherstadt Wittenberg, Cranach-Haus, 1996, colour ill. p. 16 / Rainer Maria Rilke und die bildende Kunst seiner Zeit. Berlin, Georg-Kolbe-Museum, 1997, cat. no. 45 / Max Liebermann. Der Realist und die Phantasie. Frankfurt a.M., Städelsches Kunstinstitut, and Leipzig, Museum der bildenden Künste, 1998, cat. no. 75, colour ill. p. 161 / Max Liebermann. Stationen eines Malerlebens. Rüsselsheim, Opel-Villen, 1999, colour ill. p. 39 / Max Liebermann. Dessau, Orangerie des Georgiums, 2000, colour ill. p. 14 / Max Liebermann. Licht, Phantasie und Charakter. Wernigerode, Schloß, 2001, colour ill. p. 20 / Max Liebermann, 1847–1935: „Ich bin doch nur ein Maler“. Rendsburg, Jewish Museum, 2002/03, colour ill. p. 32 / Max Liebermann. Poesie des einfachen Lebens. Schwäbisch Hall, Kunsthalle Würth, and Wuppertal, Von der Heydt-Museum, 2003/04, list of works p. 217, colour ill. p. 78 / Opening exhibition of the Kunstsalon Berliner Secession (Dr. Jörg Thiede Stiftung), Berlin, 2006 (no catalogu) / Max Liebermann en zijn Nederlandse Kunstenaarsvrienden / Max Liebermann und die Holländer. Assen, Drents Museum, 2007 / The Era of Passion. Picasso to Chun Kyung Ja. Jeonbuk, Museum of Art, 2014/15, colour ill. p. 48 We would like to thank Petra Cordioli, Paul-Cassirer-archive, Zurich, for kindly providing additional information regarding provenance.
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