Lot no. 11
Max Liebermann (1847 – Berlin – 1935) „Reiter am Strand nach links“. 1900 Öl auf Leinwand. Doubliert. 70 × 100 cm ( 27 ½ × 39 ⅜ in.). Unten links (schwach lesbar) signiert: M Liebermann. Werkverzeichnis: Eberle 1900/11.– Restauriert. [3550] Provenienz: Galerie Paul Cassirer, Berlin (direkt vom Künstler am 13.11.1905 erworben, Nr. 6138) / Kommerzienrat Philip Freudenberg, Berlin (1907 bei Cassirer erworben, bis 1916) / Dr. Julius Freudenberg, Berlin (1916 durch Erbschaft erhalten, bis 1927) / Regina Freudenberg, Ehefrau von Julius Freudenberg, Berlin (1927 durch Erbschaft erhalten) / The Leicester Galleries, London (1934) / Sir Kenneth Clark, London / E. Helbig, New York (1954) / E. Gerson, New York (1957) / Galerie Wilhelm Grosshennig, Düsseldorf, 1962 / Galerie Paffrath, Düsseldorf / Privatsammlung, Düsseldorf / Hammerich-Lesser Verlag, Hamburg (1962) / Axel Springer Verlag, Berlin (1994) / Erbengemeinschaft nach Julius und Regina Freudenberg (2016) Ausstellung: Max Liebermann. Frankfurt a.M., Kunstverein, 1907, Kat.-Nr. 54 (datiert „1902“ und betitelt „Reiter am Strande trabend“) / Max Liebermann. Leipzig, Kunstverein, 1907, Kat.-Nr. 42 / Max Liebermann. Zürich, Kunsthaus, 1923, Kat.-Nr. 50 / Max Liebermann. London, The Leicester Galleries, 1934, Kat.-Nr. 41, m. Abb. („The Rider by the Sea“) Literatur und Abbildung: R.: Max Liebermann. Zum sechzigsten Geburtstag des Künstlers. In: Illustrirte Zeitung, Nr. 3343, 25.7.1907, Abb. S. 148 / Gustav Pauli: Max Liebermann. Des Meisters Gemälde in 304 Abbildungen. Stuttgart und Leipzig, Deutsche Verlags-Anstalt, 1911 (= Klassiker der Kunst in Gesamtausgaben, Neunzehnter Band), S. 251, Abbildung S. 128 / Max J. Friedländer: Max Liebermann. Berlin, Propyläen Verlag, o. J. (1924), S. 97, Abb. 49, und S. 208 / The Connoisseur (London), Januar 1935, Abb. S. 49 / Versteigerungskatalog: New York, Parket-Bernet Galleries, 22.4.1954, Kat.-Nr. 78, m. Abb. (datiert „1910“) / Gesa Kessemeier: Ein Feentempel der Mode oder Eine vergessene Familie, ein ausgelöschter Ort. Die Familie Freudenberg und das Modekaufhaus „Herrmann Gerson“. Berlin, Hentrich & Hentrich, 2013 , Berlin 2013, S. 121 f. u. S. 160, Abb. S. 120 Oliver Hell: Wie Max Liebermann um 1900 mit dem "Reiter am Strand" ein Symbol für die Kraft der Natur fand Mitte der 1890er-Jahre vollzieht Max Liebermann eine grundlegende Veränderung im malerischen Ausdruck wie in der Wahl seiner Themen. Dieser Wandel hängt unmittelbar mit seinem Interesse am französischen Impressionismus und dessen Protagonisten zusammen. Insbesondere an Edouard Manet schätzte Liebermann die Freiheit im Gebrauch der Mittel, die Loslösung von der Linie bei gleichzeitiger Hinwendung zu einer gesteigerten Farbigkeit, um deren Ausdrucksgehalt zu erhöhen. Und so wich auch bei ihm die getreue Abbildung der Natur nach und nach einer skizzenhaften, spontanen, eben impressionistischen Malweise. In einem Aufsatz über den von ihm sehr geschätzten holländischen Maler Josef Israels beschreibt Liebermann die Intentionen der zeitgenössischen Malerei: „Die Moderne Malerei sucht nicht den Gegenstand wiederzugeben, sondern die Reflexe der Luft und des Lichtes auf die Gegenstände“ (zit. nach: Ferdinand Stuttmann: Max Liebermann, Hannover 1961, S. 59). Im Gegensatz zum französischen Impressionismus, der danach trachtet, die reale Welt in flirrenden Eindrücken aufzulösen oder ihr zumindest ihre physikalische Schwere zu nehmen, betont Liebermann hier also die formenden Eigenschaften des Lichts, bei denen das Körperliche der gegenständlichen Erscheinungen erhalten bleibt. Cornelius Gurlitt behauptet deshalb in einer glänzenden Beobachtung zu Recht, Liebermann sei „die ,impertinente` Mittagssonne des Juli zu unmalerisch. [...] Liebermann suchte andere Wirkungen: Die durch Wolken gebrochene Beleuchtung, jene ohne bestimmte Sonnenwirkung, ohne harte Widersprüche“ (Cornelius Gurlitt: Die deutsche Kunst seit 1800, Berlin 1924, S. 365). Liebermann hatte zeit seines Lebens im Freien skizziert, die Gemälde jedoch im Atelier vollendet. Durch die Beschäftigung mit den Franzosen begann er nun, immer öfter unter freiem Himmel zu malen (Abb. rechts). Dies hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Wahl der Sujets. Anstelle vielfiguriger Kompositionen finden sich jetzt mehr und mehr Einzeldarstellungen oder kleinere Gruppen von Menschen auf seinen Bildern. In diesen Jahren wurden die beschaulichen Dörfer an der holländischen Küste, die Liebermann über viele Sommer besuchte, zu beliebten Urlaubsorten wohlhabender Städter. Liebermann traf am Meer kaum noch auf Fischer und Netzflickerinnen, die im Zuge der Industrialisierung in die Städte abgewandert waren. Den Strand bevölkerten nun Badende und Reiter, und die Dynamik der Polospieler und Damen beim Tennis kam seiner zügigen, spontanen Malerei sehr entgegen. Liebermanns erstes Bild zum Themenkreis Reiter und Meer datiert kurz vor 1900. In den folgenden Jahren variierte er das Motiv an die fünfzig Mal. Der Künstler, aus wohlhabendem Berliner Hause stammend, war selbst ein guter Reiter. 1913 malte er seine Tochter auf einem Pferd, bereit für einen Ausritt im Berliner Tiergarten (Abb. links). Der Anblick von Reitern am Meer, das prägnant Bildmäßige der dunklen Silhouetten vor dem weiten Horizont faszinierten den Künstler zweifellos stark. Unser Gemälde „Reiter am Strand“ zeigt einen eleganten Herren auf einem Fuchs mit kupiertem Schweif. Die modische Schirmmütze unterstreicht seinen sportlichen Habitus. Entstanden im Jahr 1900, zählt diese Arbeit zu den frühesten Reiterbildern Max Liebermanns. Die sorgfältige Durcharbeitung des Pferdes deutet darauf hin, dass er das Werk im Berliner Atelier vollendet haben muss. Liebermann offenbart dabei, nicht ohne Stolz, seine genaue Kenntnis der Tieranatomie. Deutlich sind die Muskeln und Sehnen unter dem kurzen, leicht glänzenden Fell zu sehen. Ebenso exakt schildert der Maler die nervöse Anspannung des Pferdes auf dem Sandstrand vor den anschlagenden Wellen: Den Schweif hat es leicht gehoben, die Ohren lauschend aufgestellt. Die besondere Qualität des Bildes beweist auch der überraschende, spannungsvolle Kontrast zwischen der fein gezeichneten Silhouette von Pferd und Reiter und der freien, lockeren Behandlung der Landschaft. Es hat fast den Anschein, als sei dieser Teil des Gemäldes direkt am Meer gemalt worden. Die Schaumkronen der Wellen hat Liebermann aus wenigen kraftvollen Pinselstrichen zusammengesetzt. Das Blau des aufgewühlten Meeres dringt nur vereinzelt durch. Graurosa Wolkenfetzen ziehen über den Himmel. Und betrachtet man den Farbfleck über dem Kopf des Pferdes, stellt sich ein geradezu beglückendes Seherlebnis ein: Dort nimmt der Maler ein wenig Weiß, Blau und Karmesinrot unvermischt von der Palette und streicht den Pinsel kurz über die Leinwand. Es ist ein Effekt von unerhörter Leichtigkeit, der doch alles sagt über die große Kunst Liebermanns. Im „Reiter am Strand“ gelang es ihm, die genaue Beobachtung des Realisten mit der freien Handschrift des Impressionisten zu einer überaus schönen Einheit zu fügen. Max Liebermann (1847 – Berlin – 1935) „Reiter am Strand nach links“. 1900 Oil on canvas. Relined. 70 × 100 cm ( 27 ½ × 39 ⅜ in.). Signde lower left (faintly legible): M Liebermann. Catalogue raisonné: Eberle 1900/11.– Repaired. [3550] Provenienz: Galerie Paul Cassirer, Berlin (acquired directly from the artist 13. Nov.1905, no. 6138) / Kommerzienrat Philip Freudenberg, Berlin (1907 acquired from Cassirer, until 1916) / Dr. Julius Freudenberg, Berlin (1916 received by descent, until 1927) / Regina Freudenberg, wife of Julius Freudenberg, Berlin (1927 received by de
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