Lot no. 4
Max Liebermann (1847 – Berlin – 1935) „Selbstbildnis im Anzug mit Skizzenblock“. 1926 Öl auf Leinwand. 110 × 81,5 cm ( 43 ¼ × 32 ⅛ in.). Unten rechts signiert und datiert: M Liebermann 26. Eberle 1926/9.– [3015] Provenienz: Eduard Krüger, Berlin (1927, 1929) / Stefan Krüger (Stephen Kruger), Sohn von Eduard Krüger, Sharon (USA) / Stuttgart (1952) / (wohl) Galerie Norbert Nusser, München (1952) / Privatsammlung, Schweiz (spätestens 1979, von 1982 bis 1992 als Leihgabe im Kunstmuseum Winterthur, Inv.-Nr. 1574) / Galerie Pels-Leusden, Berlin (1992) / Privatsammlung, Deutschland Ausstellung: Max Liebermann. Hundert Werke des Künstlers zu seinem 80. Geburtstage. Berlin, Preußische Akademie der Künste, 1927, Kat.-Nr. 97, m. ganzseitiger Abb. / 50. Jahresausstellung der Genossenschaft der Bildenden Künstler Wiens mit Ausstellung Max Liebermann. Wien, Künstlerhaus, 1929, Kat.-Nr. 82, Abb. nach S. 16 / Max Liebermann. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1970, Kat.-Nr. 6, Abb. auf dem Umschlag / Max Liebermann in seiner Zeit. Berlin, Nationalgalerie, und München, Haus der Kunst, 1979/80, Kat.-Nr. 127, ganzseitige Farbabb. S. 367 / Max Liebermann en Holland. Den Haag, Gemeentemuseum, 1980, Kat.-Nr. 72, m. Farbabbildung Literatur und Abbildung: Kunst und Künstler, XXV. Jg., 3. H., 1.12.1926, ganzseitige Abb. S. 119 / André Levinson: Les Quatre-Vingts Ans de Max Liebermann. In: La Renaissance de l'Art Français, Jg. XI, Nr. 1, Jan. 1928, S. 10-19, Abb. S. 10 / Ernst Cohn-Wiener: Die jüdische Kunst. Ihre Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin, Kunstkammer Martin Wasservogel, 1929, Abb. S. 250 / Hans Ostwald: Das Liebermann-Buch. Berlin, Paul Franke Verlag, 1930, S. 393, Abb. 205 (m. d. irrtümlichen Besitzangabe: Gemäldegalerie Zürich) / 16. Kunst-Auktion. Kunstliteratur, Aquarelle, Zeichnungen, Graphik, Gemälde, Plastik. Stuttgart, Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer, 25.–27.11.1952, Kat.-Nr. 1767, m. Abb. / Hermann Kunisch: Max Liebermanns Selbstbildnisse. In: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz 1987, Jg. XXIV, S. 333 – 372, hier S. 357 / Bernd Küster: Max Liebermann. Ein Maler-Leben. Hamburg, Ellert & Richter Verlag, 1988, S. 214 / Ausst.-Kat.: Max Liebermann und die französischen Impressionisten. Wien, Jüdisches Museum, 1997/98 (Ausstellungstitel: Max Liebermann. Werke 1900–1918), Abb. S. 172 (nicht ausgestellt) Im Werk Liebermanns kommt das Selbstbildnis spät, dafür aber mit großer Intensität. 1866 hatte sich der Neunzehnjährige festgehalten, sprühend vor Temperament. Fünf Jahre später porträtierte er sich scherzhaft als Koch mit Kochmütze inmitten von Gemüse. Erst nach langer Pause begann dann im Winter 1902/03 die nicht mehr abreißende Folge der Selbstporträts, in denen sich die geistige Entwicklung des Künstlers mit großer Genauigkeit spiegeln sollte. Unser Bild ist doppeldeutig. Die bürgerliche, stolze Positur des Mannes, der alles im Leben erreicht hat, was er sich vorgenommen hat, ist das eine. Die tief melancholischen, sorgenvollen, zweifelnden Augen sind das andere. Das Bürgerliche war Liebermanns naturgemäßer Lebenszuschnitt: „Ich bin in meiner Lebensweise der vollkommenste Bourgeois; ich esse, trinke, schlafe, gehe spazieren mit der Regelmäßigkeit einer Turmuhr [...]. Mein Leben war und ist Mühe und Arbeit.“ Schon zu Lebzeiten war der Bürger Liebermann zur Legende geworden. Sein Mutterwitz und seine ungeniertes Berlinisch wurden in unzähligen Anekdoten verbreitet. Er war ganz selbstverständlich Jude wie Berliner, Preuße wie Deutscher und Europäer. Dem Citoyen Liebermann war jede Künstler-Heroisierung fremd. Um seine künstlerische Profession zu zeigen, stellt sich der Maler häufig mit Skizzenblock oder Pinsel und Palette vor der Leinwand dar. Auch auf unserem „Selbstbildnis im Anzug mit Skizzenblock“ von 1926 sehen wir ihn mit Malutensilien. In der Hand hält er eines der schmalen Skizzenbücher, die er ständig bei sich trug. Als fertigte er eine flüchtige Skizze an, liegt der Block locker in der Hand. Dass er sich beim Zeichnen porträtiert, verdeutlicht seine Überzeugung, dass Kunst und Handwerk gleichzusetzen seien: „Nicht in der Idee, sondern in der Ausführung der Idee liegt die Kunst“ (zit. nach Max Liebermann: „Vision der Wirklichkeit: ausgewählte Schriften und Reden“, hg. v. Günter Busch, Frankfurt a.M., Fischer Taschenbuch Verlag, 1993, S. 46). Zu dem Zeitpunkt ist Liebermann bereits 79 Jahre alt und tritt uns in bürgerlichem Habitus im gut sitzenden Straßenanzug mit Hut entgegen. Die graue Mauer im Hintergrund liefert keine eindeutigen Hinweise darauf, wo genau sich der Maler befindet. Das Maßnehmen und Prüfen sind der Haltung Liebermanns wechselseitig eingeschrieben, wodurch dieses Selbstporträt, eines der bedeutendsten des Künstlers, großen Reiz gewinnt. Bei den Bildnissen seiner selbst ging es dem Künstler stets auch um eine Form der Selbstbefragung und Bestätigung. Vor runden Geburtstagen ist ihm dies offenbar ein besonderes Bedürfnis, nicht zuletzt wegen des gesteigerten Interesses der Öffentlichkeit an seiner Person und der großen Nachfrage nach Arbeiten des mittlerweile berühmten Malers. Christoph Stölzl Max Liebermann (1847 – Berlin – 1935) „Selbstbildnis im Anzug mit Skizzenblock“. 1926 Oil on canvas. 110 × 81,5 cm ( 43 ¼ × 32 ⅛ in.). Signed and dated lower right: M Liebermann 26. Eberle 1926/9.– [3015] Provenienz: Eduard Krüger, Berlin (1927, 1929) / Stefan Krüger (Stephen Kruger), son of Eduard Krüger, Sharon (USA) / Stuttgart (1952) / (presumably) Galerie Norbert Nusser, Munich (1952) / Private collection, Switzerland (at the latest 1979, from 1982 until 1992 on loan to the Kunstmuseum Winterthur, inv. no. 1574) / Galerie Pels-Leusden, Berlin (1992) / Private collection, Germany Ausstellung: Max Liebermann. Hundert Werke des Künstlers zu seinem 80. Geburtstage. Berlin, Preußische Akademie der Künste, 1927, cat. no. 97, with full-page ill. / 50. Jahresausstellung der Genossenschaft der Bildenden Künstler Wiens mit Ausstellung Max Liebermann. Vienna, Künstlerhaus, 1929, cat. no 82, ill. after p. 16 / Max Liebermann. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1970, cat. no. 6, ill. on the cover / Max Liebermann in seiner Zeit. Berlin, National Gallery, and Munich, Haus der Kunst, 1979/80, cat. no. 127, full-page colour ill. p. 367 / Max Liebermann en Holland. Den Haag, Gemeentemuseum, 1980, cat. no. 72, with colour illustration Literatur und Abbildung: Kunst und Künstler, XXV. vol., part 3, 1.12.1926, full-page ill. p. 119 / André Levinson: Les Quatre-Vingts Ans de Max Liebermann. In: La Renaissance de l'Art Français, vol. XI, no. 1, Jan. 1928, p. 10-19, ill. p. 10 / Ernst Cohn-Wiener: Die jüdische Kunst. Ihre Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin, Kunstkammer Martin Wasservogel, 1929, ill. p. 250 / Hans Ostwald: Das Liebermann-Buch. Berlin, Paul Franke Verlag, 1930, p. 393, ill. 205 (with incorrect owner details: Gemäldegalerie Zürich) / 16. Kunst-Auktion. Kunstliteratur, Aquarelle, Zeichnungen, Graphik, Gemälde, Plastik. Stuttgart, Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer, 25.–27.11.1952, cat. no. 1767, with ill. / Hermann Kunisch: Max Liebermanns Selbstbildnisse. In: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz 1987, vol. XXIV, p. 333 – 372, here p. 357 / Bernd Küster: Max Liebermann. Ein Maler-Leben. Hamburg, Ellert & Richter Verlag, 1988, p. 214 / ex. cat.: Max Liebermann und die französischen Impressionisten. Vienna, Jewish Museum, 1997/98 (Exhibition title: Max Liebermann. Werke 1900–1918), ill. p. 172 (not exhibited)
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Œuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
12/01/2016
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