Lot no. 54
Max Oppenheimer (MOPP) (Wien 1885 – 1954 New York) „SECHSTAGERENNEN II“. 1928-29 Öl auf Leinwand. 72 x 87 cm ( 28 ⅜ x 34 ¼ in.). Unten rechts signiert: MOPP. von Puttkamer 187.– Im Werkverzeichnis wird auch eine wesentlich größere Fassung dieses Motivs geführt (von Puttkamer 186, „Sechstagerennen I“, Farbtafel 20), die seit ihrer Ausstellung im Wiener Künstlerhaus 1932/33 verschollen ist. Die Übereinstimmungen in der Darstellung und die Farbreste im Spannrand unseres Bildes belegen, daß der Künstler bald nach der Ausstellung die große Fassung auf das zentrale, hier vorliegende Motiv reduziert und als selbständiges Werk signiert hat. Sorgfältig restaurierter Einriß. [3311] Provenienz: Privatsammlung, Berlin (Dauerleihgabe an die Berlinische Galerie, Berlin, von 1978 bis 2014) Ausstellung: Herbstausstellung. Wien, Künstlerhaus, 1932/33, Kat.-Nr. 95 (große Fassung) / Berlinische Galerie 1913–1933. Bestände: Malerei, Skulptur, Graphik. Berlin, Berlinische Galerie, 1978/79, Kat.-Nr. 335 / Berlin expressiv. Berlin, Berlinische Galerie, 1981/82, Kat.-Nr. 251 / Aus Berlin emigriert. Werke Berliner Künstler, die nach 1933 Deutschland verlassen mußten. Berlin, Berlinische Galerie, 1983, Kat.-Nr. 160, mit ganzseitiger Farbabbildung S. 77 (im Anschluß lt. rückseitigem Etikett auch in Emden, Kunsthalle, und in Gütersloh, Theater der Stadt) / Sport in Berlin vom Ritterturnier zum Stadtmarathon. Berlin, Kunstforum Grundkreditbank, 1987/88, Abb. S. 102 / Alles rennet, rettet, flüchtet. Sport in der Kunst (zur Steiermärkischen Landesausstellung „Sport – Sinn und Wahn“). Mürzzuschlag, Walter-Buchebner-Gesellschaft, in der Galerie Freiberger, 1991, Abb. S. 25 / MOPP. Max Oppenheimer 1885–1954. Wien, Jüdisches Museum, 1994, S. 43 u. S.154, Farbtafel S.155 sowie Farbabbildung auf dem Umschlag / Wien–Berlin. Kunst zweier Metropolen. Berlin, Berlinische Galerie, und Wien, Österreichische Galerie Belvedere, 2013/14, S. 305, Farbabbildung 251, und S. 378 Literatur und Abbildung: Alfons Arenhövel: Arena der Leidenschaften. Der Berliner Sportpalast und seine Veranstaltungen 1910–1973. Berlin, Verlag Willmuth Arenhövel, 1990, S. 76, Abb. 98, und S. 79, Anm. 40 Max Oppenheimer, der seit 1919 offiziell den Künstlernamen MOPP führte, hatte bereits in Prag, Zürich und Wien den Kreisen der Avantgarde angehört und vor allem mit einem monumentalen, von Thomas Mann enthusiastisch beschriebenen Orchestergemälde Aufsehen erregt, als er 1926 ein Atelier in Berlin bezog. Neben Portraits Berliner Persönlichkeiten entstanden hier auch neuartige Sujets aus der Welt des Sports, die dem Maler Gelegenheit zu dynamischen Darstellungen der bewegten menschlichen Figur boten. Der Besuch von Sportveranstaltungen gehörte zum Lebensstil und Vergnügen des modernen Großstädters. Insbesondere das Berliner Sechstagerennen für Radsportler erfreute sich während der 1920er Jahre zunehmender Popularität und wurde neben dem sportlichen auch zu einem gesellschaftlichen Großereignis. Von 1911 an wurden die „Sixdays“ im neu erbauten Sportpalast an der Potsdamer Straße ausgetragen. Dort tummelte sich die Prominenz in den Logen, während sich auf den billigen Plätzen unter dem Dach die größte Leidenschaft entfaltete. „Die Sachverständigen stehen von abends bis morgens oberhalb der Kurven und auf der Galerie dichtgedrängt wie in einer Sardinenbüchse. [...] Ihnen entgeht nichts. Dauernd wägen sie die Chancen der einzelnen Paare ab. Sie kennen jeden Fahrer und seine Lebensgeschichte, seine Stärken, seine Schwächen, seine Eigenschaften. Sie rufen ihn beim Vornamen und fechten für ihren Liebling, wenn es darauf ankommt, Boxkämpfe bis zum k.o. aus. Auf der Kurve und hoch oben im Olymp herrscht stets ‚dicke Luft‘, denn jeder vertritt seine Meinung laut und deutlich“ – so beschrieb der ehemalige Radrennfahrer Walter Rütt die aufgeladene Atmosphäre in der großen Halle des Sportpalastes. (Die Arena, Das Sportmagazin, Berlin 1926, Heft 2, S. 91 f. Zit. nach: Arena der Leidenschaften, a.a.O., S. 79). Berühmte Radsportler der Zeit waren zum Beispiel Piet van Kampen, der „Fliegende Holländer“, sowie sein größter Konkurrent Paul „Buschi“ Buschenhagen, deren Rivalität stets knisternde Spannung garantierte. In seinem Gemälde „Sechstagerennen“ hält Max Oppenheimer einen solch erbitterten Zweikampf fest, jedoch geht es ihm weniger um die portraithafte Darstellung einzelner Sportler. Es sind Geschwindigkeit, Dynamik und Emotionen, die er mit den Stilmitteln des Futurismus kraftvoll auf der Leinwand umsetzt: das mitreißende, alle Sinne umfassende Erlebnis. So lösen sich, durchdrungen vom gleißenden Scheinwerferlicht, die Speichen der Räder in ihrer rasenden Bewegung auf, verschmelzen Arme und Beine der Rennfahrer förmlich mit der Bahn. Indem er die ursprünglich größere, noch weitere Fahrer und Zuschauer umfassende Komposition auf zwei sich diagonal in die Kurve legende Athleten reduzierte, verstärkte Oppenheimer die Wirkung der ausdrucksstarken Konturen und der leuchtenden Trikots. Schulter an Schulter fliegen die beiden Kontrahenten dem Ziel entgegen, gleich einer photographischen Momentaufnahme scheinbar zufällig im Bildausschnitt des Malers erfaßt, in einer durch Farbe und Form gesteigerten Dramatik des Augenblicks. (sch) Wir danken Dr. Marie-Agnes von Puttkamer, München, für freundliche Hinweise Max Oppenheimer (MOPP) (Vienna 1885 – 1954 New York) „SECHSTAGERENNEN II“. 1928-29 Oil on canvas. 72 x 87 cm ( 28 ⅜ x 34 ¼ in.). Signed lower right: MOPP. Von Puttkamer 187.– In the catalogue raisonné will be also a wesentlich larger version of this subject geführt (von Puttkamer 186, „Sechstagerennen I“, colour plate 20), the since ihrer exhibition in the Viennese Künstlerhaus 1932/33 lost is. The Übereinstimmungen within the image and the remnants of paint in the tacking margin unseres Bildes belegen, that the artist shortly after the exhibition the large version on the central, here vorliegende subject reduced and as selbständiges work signed hat. Skillfully repaired tear. [3311] Provenienz: Private collection, Berlin (on long-term loan to Berlinische Galerie, Berlin, from 1978 until 2014) Ausstellung: Herbstausstellung. Vienna, Künstlerhaus, 1932/33, cat. no. 95 (large version) / Berlinische Galerie 1913–1933. Bestände: Malerei, Skulptur, Graphik. Berlin, Berlinische Galerie, 1978/79, cat. no. 335 / Berlin expressiv. Berlin, Berlinische Galerie, 1981/82, cat. no. 251 / Aus Berlin emigriert. Werke Berliner Künstler, die nach 1933 Deutschland verlassen mußten. Berlin, Berlinische Galerie, 1983, cat. no. 160, full-page colour ill. p. 77 (travelled to Emden, Kunsthalle, and Gütersloh, Theater der Stadt, according to label on the reverse) / Sport in Berlin vom Ritterturnier zum Stadtmarathon. Berlin, Kunstforum Grundkreditbank, 1987/88, ill. p. 102 / Alles rennet, rettet, flüchtet. Sport in der Kunst (on the occasion of Steiermärkische Landesausstellung „Sport – Sinn und Wahn“). Mürzzuschlag, Walter-Buchebner-Gesellschaft, at Galerie Freiberger, 1991, ill. p. 25 / MOPP. Max Oppenheimer 1885–1954. Vienna, Jüdisches Museum, 1994, p. 43 and p.154, colour plate p.155 and colour ill. on the cover / Wien–Berlin. Kunst zweier Metropolen. Berlin, Berlinische Galerie, and Vienna, Österreichische Galerie Belvedere, 2013/14, p. 305, colour ill. 251, and p. 378 Literatur und Abbildung: Alfons Arenhövel: Arena der Leidenschaften. Der Berliner Sportpalast und seine Veranstaltungen 1910–1973. Berlin, Verlag Willmuth Arenhövel, 1990, p. 76, ill. 98, and p. 79, note 40 We would like to thank Dr. Marie-Agnes von Puttkamer, Munich, for kindly providing additional information
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Drawings, watercolours and pastels
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Catalog
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
11/27/2014
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