Lot no. 133
Michael Wentzel (Großschönau 1792 – 1866 Dresden) Blumenstilleben mit Ausblick auf Castel Gandolfo. 1832 Öl auf Leinwand, auf Pappe aufgezogen. 79 × 63 cm ( 31 ⅛ × 24 ¾ in.). Unten rechts signiert und datiert: M. Wentzel 1832. [3105] Man könnte denken, ein barockes Blumenstillleben vor sich zu haben, etwa eines des deutsch-niederländischen Meisters Abraham Mignon (1640–1676). In der Dresdner Gemäldegalerie hängt ein vergleichbares Gemälde. Ähnlich wie bei Mignon sind auch in unserem Bild erlesene Blüten zu einem idealen, in der Natur so nicht vorstellbaren Bouquet arrangiert (Rose und Tulpe blühen zu verschiedenen Jahreszeiten!). Die unterschiedlichen Blumen und Zweige symbolisieren den Jahresablauf, repräsentieren ferne Länder und verweisen auf den Reichtum ihres Besitzers. Der Schöpfer unseres Gemäldes ist der Dresdner Maler Michael Wentzel. Es darf davon ausgegangen werden, dass er Mignons Blumenstücke in den Dresdner Sammlungen gekannt hat. Dennoch handelt es sich bei unserem Gemälde um keine Kopie, sondern durch und durch um eine Komposition des frühen 19. Jahrhunderts – das Zitate liebte und in Bildern den Intellekt des Betrachters anregen wollte. So steht der überdimensionale Strauß, der auf die niederländische und damit nordische Kunstblüte des 17. Jahrhunderts verweist, nicht wie bei Mignon in einem Glas, sondern in einer antiken Tonvase. Dass auf das alte Griechenland hindeutende Gefäß befindet sich auf einem Tisch an einem Fenster, das wiederum bis auf das untere Drittel durch einen Vorhang verhängt ist (vielleicht ein Hinweis auf die bekannte Anekdote von Plinius, wonach Zeuxis behauptet hatte, Trauben so täuschend echt malen zu können, dass die Vögel danach pickten – und erst bei dem Versuch, das Bild seines Konkurrenten zu enthüllen, erkannte, dass dessen Vorhang ebenfalls nur gemalt war). Der Ausblick, den der verkleinerte Fensterausschnitt gewährt, lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters schließlich auf das in das warme Licht eines spätsommerlichen Nachmittages getauchte Castel Gandolfo, die berühmte päpstliche Sommerresidenz vor den Toren Roms. Drei Jahre hatte Wentzel in Italien gelebt und gearbeitet. Als unser Gemälde entstand, war er erst seit einem knappen Jahr wieder zurück in Dresden. Das Motiv des Fensterblicks finden wir auch bei anderen Dresdner Meistern, allen voran bei Friedrich, bei Dahl und bei Carus. Unser „Blumenstillleben mit Ausblick“ ist über die vielen Dresdner Bezüge hinaus dem ideellen Künstlerkult um die fruchtbringende Freundschaft von Italia und Germania verpflichtet, der Friedrich Overbeck 1828 mit seinem gleichnamigen Gemälde einen die Zeit überdauernden Ausdruck verlieh. In der malerisch wie kompositorisch überzeugenden Darstellung übersetzte Wentzel das berühmte Motiv in die Gattung der Stilllebenmalerei. AA Michael Wentzel (Großschönau 1792 – 1866 Dresden) Floral Still Life with View of the Castel Gandolfo. 1832 Oil on canvas, laid down on cardboard. 79 × 63 cm ( 31 ⅛ × 24 ¾ in.). Signed and dated lower right: M. Wentzel 1832. [3105]
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Art du 19e siècle
10719 Berlin - Germany
06/01/2016
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0