Lot no. 193
MUSEALER DECKELPOKAL MIT HOCHMEISTERWAPPEN ERZHERZOG MAXIMILIAN III.
Wohl Deuschland oder Österreich-Ungarn. Auf Plakette datiert 1595.
Silber, vergoldet. Auf Rundfuß mit profiliertem Rand und bauchig erhöhter Mitte kurzer Schaft mit kräftigem Nodus. Darauf Widderköpfe im Wechsel mit Fruchtrelief. Hohe, leicht konische Becherkuppa mit Rollwerkdekor. In jeweils drei hochovalen Medaillons Einhorn, Reh bzw. Bär vor weiten Landschaftshintergründen. In den Zwischenfeldern hohe Blumengestecke in Amphorenvasen, sehr fein ziseliert und auf punziertem Grund. Der leicht gewölbte Stülpdeckel ebenfalls mit Rollwerk, lagernden Putten und Fruchtrelief. Die Mitte podestartig erhöht mit Schildhalter in Rüstung. Auf dem Schild das Wappen der Freiherren von Bobenhausen. Auf der Innenseite des Deckels runde Plakette montiert mit großer Gravur des Hochmeisterwappens Erzherzog Maximilians III. und Datierung 1595. Entlang des Randes Umschrift:'MAXIMIL·DG·ARCHID·AVST·MAG·PRVSS·ATMINIST·ET· ORD·TEVTO·MAGIS·D·D'. Ca. 546g. Höhe 35cm.
Auf Fußrand gemarkt: Wohl BZ mit G und MZ mit G(...) in geschwungenem Schild, beides weitgehend verschlagen. Lemberger Repunzierung 1806-07 für steuerpflichtige, gestempelte Arbeiten und österreichisch-ungarische Befreiungsstempel für ältere Silberarbeiten 1809/10 (Tardy S.65 u. 74). Zustand A/B.
Provenienz:
Sammlung Friedrich Wilhelm Waffenschmidt, Köln.
Literatur:
Beuing, Raphael: Die Schatzkammer des Deutschen Ordens. Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, Bd.70, Weimar 2015.
Der hier vorliegende Deckelpokal ist nicht nur aufgrund seiner meisterlichen Qualität bemerkenswert, sondern auch im Hinblick auf den historischen Zusammenhang der beiden gravierten Wappen, welche sich auf ihm befinden.
Die Wappengravur auf dem Schild der Deckelbekrönung verweist auf den Hoch- und Deutschmeister Heinrich von Bobenhausen aus Mergentheim, welcher dieses Amt von 1572 bis 1590 inne hatte. Die Gravur zeigt allerdings nicht sein Wappen als Hochmeister des Deutschen Ordens, sondern beschränkt sich auf das Wappentier der Freiherren von Bobenhausen, den Fuchs mit Gans im Maul.
Seine Amtszeit war geprägt von größeren Konflikten mit Kaiser Maximilian II. in deren Folge ihm ab 1585 ein Koadjutor zur Seite gestellt und er dadurch praktisch entmachtet wurde. 1590 erfolgte dann sein endgültiger, erzwungener Rücktritt und er zog sich nach Wissembourg im Elsass zurück. Im Jahre 1595 verstarb er. Sein Koadjutor und auch Amtsnachfolger war kein Geringerer als Erzherzog Maximilian III. von Österreich, dessen Hochmeisterwappen zusammen mit dem Sterbejahr seines Vorgängers und damit dem Jahr seiner endgültigen Amtsübernahme auf der Innenseite des Deckels angebracht wurde.
Der Schatz des Deutschen Ordens birgt noch heute einen beeindruckenden Willkomm aus dem Besitz Heinrich von Bobenhausens. Das Gefäß ist in Form seines Wappentiers gearbeitet, einem vollplastisch gearbeiteten Fuchs mit einer Gans im Maul. Er stammt aus der Hand des Nürnberger Silberschmieds Paulus Tullner und wird um 1565 datiert (Beuing, 2015, S.132, Kat.-Nr.99). Da die Meister des Deutschen Ordens das Recht besaßen den Nachlass verstorbener Ordensmitglieder einzubehalten, wurde auch dieser Willkomm Teil des Ordensschatzes wie aus einem Inventar von 1606 hervorgeht. Dies mag vermutlich auch für den hier vorliegenden Deckelpokal gegolten haben, da sich nur so die Existenz beider Wappen und der Jahreszahl 1595 erklären würde. Der Hochmeister Erzherzog Maximilian III. selbst trug zu der wohl umfangreichsten Vermehrung des Schatzes bei. Sein Testament von 1598 zugunsten des Ordens wurde zwar nach seinem Tode im Jahre 1618 von seinem Bruder Kaiser Matthias angefochten, letztendlich aber doch anerkannt (ebd. S.13).
Auch wenn die Sammlung der Schatzkammer des Deutschen Ordens im Laufe der Jahrhunderte eine wechselhafte Geschichte erfuhr und vor allem im Zuge der Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts zahlreiche Verluste erlitt, ist ihr heutiger Umfang und ihre Qualität ein beeindruckendes Zeugnis der Geschichte des Ordens, seiner Hochmeister und Ordensritter.
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<a class="textlink" href="http://www.van-ham.com/auktionen/informationen/erlaeuterungen-zum-katalog-europaeisches-kunstgewerbe.html" target="_blank">Erläuterungen zum Katalog</a>
Wohl Deuschland oder Österreich-Ungarn
Silber
16. Jahrhundert
Deckelpokal
MUSEUM-QUALITY SILVER CUP AND COVER WITH THE COAT OF ARMS OF THE GRAND MASTER ARCHDUKE MAXIMILIAN III.
Presumably Germany or Austria-Hungary. Dated on plaque 1595.
Silver, gilt. On circular base with profiled rim and bulbous, raised centre short shaft with strong knob. On it ram heads alternating with fruit in relief. High, slightly conical cuppa decorated with scrolls. In each of three upright oval medallions a unicorn, deer, or respectively a bear set against a wide landscape scenery. Between them high flower arrangements in amphora vases, very delicately chased and on punched ground. The slightly domed slip lid also with scrolls, reclining putti and fruit in relief. Its centre raised pedestal-like with a supporter in armour. On the shield the coat of arms of the Barons of Bobenhausen. Mounted on the inside of the lid a circular plaque with a large engraving of the coat of arms of the Grand Master Archduke Maximilian III and date 1595. Along the rim circumscription:'MAXIMIL·DG·ARCHID·AVST·MAG·PRVSS·ATMINIST·ET· ORD·TEVTO·MAGIS·D·D'. Ca. 546g. Height 35cm.
Marked on rim of the foot: Presumably assayer's mark with G and maker's mark with G(...)both largely indistinct. Lemberg duty mark 1806-07 for taxable, marked pieces and Austrian-Hungarian exemption stamp for older works of silver 1809/10 (Tardy pp.65 and 74). Condition A/B.
Provenance:
Friedrich Wilhelm Waffenschmidt Collection, Cologne.
Literature:
Beuing, Raphael: Die Schatzkammer des Deutschen Ordens. Quellen und Studien zur Geschichte
des Deutschen Ordens, vol.70, Weimar 2015.
This cup is not only remarkable in view to its masterly quality, but also owing to the historic link between the two coats of arms engraved in it.
The coat of arms on the shield of the finial refers to the Grand Master of the Teutonic Order Heinrich von Bobenhausen of Mergentheim, who held this position from 1572 to 1590. Yet, the engraving does not depict his coat of arms as Grand Master, but merely the heraldic animal of the Barons of Bobenhausen: the fox with a dead goose in its jaws.
His term in office was characterised by major conflicts with Emperor Maximilan II. As a consequence, he was assigned a coadjutor from 1585 onwards, leaving him practically disempowered. In 1590 he was forced to resign for good, in 1595 he deceased. His coadjutor and successor in office was none other than Archduke Maximilian III, whose coat of arms as Grand Master was added on the inside of the lid along with the year of his predecessor's decease - thus the year of his definitive assumption of the office.
Until this day the treasure of the Teutonic Order contains an impressive ceremonial goblet from the property of Heinrich von Bobenhausen. The vessel is in the shape of his heraldic beast, a fox sculpted in the round with a goose in its jaws. It stems from the hand of Nuremberg silversmith Paulus Tullner and is dated around 1565 (Beuing, 2015, p.132,
cat. no.99). Since the masters of the Teutonic Order had the right to seize the estates of deceased members, this ceremonial goblet became part of the Order's treasure - as follows from the inventory of 1606. This is likely
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