Lot no. 426
Nolde, Emil
1867 Nolde - 1956 Seebüll
Stiefmütterchen und Spiraea
Um 1930. Aquarell auf Japan. 45,6 x 33,8cm. Signiert unten rechts: Nolde. Rahmen.
Es liegt eine Photoexpertise von Prof. Dr. Martin Urban, Nolde-Stiftung Seebüll, vom 16. Februar 1985 vor.
Provenienz:
Galerie Neher, Essen
Privatsammlung Deutschland
Literatur:
Urban, Martin: Emil Nolde - Blumen und Tiere, Aquarelle und Zeichnungen, Köln 1980 (Lt. Expertise von Prof. Urban)
Blumen haben im Leben von Emil Nolde eine immense Bedeutung, nicht nur was seine Malerei betrifft. Stets grenzen an seine Ateliers - sei es auf der Insel Alsen, auf der Utenwarf an der dänischen Westküste oder in Seebüll - meist selbst gestaltete Gärten mit üppiger Blütenpracht. In dieser Umgebung findet er die Anregungen für seine Blumenbilder, die er ab 1906 zunächst ausschließlich in Öl und seit etwa 1918/20 auch mit Aquarellfarben malt.
Intensiv setzt sich Nolde mit dem Thema auseinander und erarbeitet es in immer neuen Variationen. Gerade bei diesem Motiv kann er seine Farbphantasien völlig freien Lauf lassen und die absolute Wirkung der Farbe ausloten: Die Farben sind meine Noten, mit denen ich zu- und gegeneinander Klänge und Akkorde bilde ... (Emil Nolde, 30.5.1943, Worte am Rande, Aphorismen in Tagebuchform (1938-1948), in: Werner Haftmann, Emil Nolde. Ungemalte Bilder, Köln 1963). Trotz der abstrahierenden Herangehensweise bleibt Nolde die Bindung an die Natur Voraussetzung. Dabei geht es ihm weniger um das Abbildhafte, als um die Veranschaulichung des Lebensprozesses der Natur selbst.
Wie in dem vorgestellten Aquarell fängt Nolde die Vision eines kurzen Augenblicks äußerst subtil ein: die grazilen Spiraeas, deren Blüten und Blätter sich noch zögerlich, doch züngelnden Flamen gleich dem Licht entgegen strecken und die zarten Stiefmütterchen, die stolz ihre Blüten dem Licht öffnen. Dieses lautlose Spektakel weiß der Maler mittels der Komplementärkontraste von Rot-Grün und Gelb-Violett zu einem Tusch zu steigern.
Was Nolde hier beschreibt ist eben nicht nur die flüchtigen Naturerscheinungen. Er schildert vielmehr, gewissermaßen aus einer höheren Weltsicht, die Schöpfungen aller Kreaturen - ob Mensch, Tier oder Pflanze -, die aus ein und demselben unbekannten Ursprung zum Licht streben und dann dem Untergang geweiht sind. Darin folgt Nolde durchaus der Maltradition des Blumenstilllebens. Bezeichnend für seine Darstellungsweise ist jedoch, dass er stets den Moment der äußersten Pracht und Farbentfaltung festhält und nicht das Verwelken und damit das Vergehen aller irdischen Dinge
Nolde, Emil
1867 Nolde - 1956 Seebüll
Pansies and Spiraea. Ca. 1930. Watercolour on Japan. 45,6 x 33,8cm. Signed lower right: Nolde. Framed.
A photo-assessment from Prof. Dr. Martin Urban, Nolde-Stiftung Seebüll, 16th
February 1985 is also available.
Provenance:
Galerie Neher, Essen
Private collection, Germany.
Literature:
Urban, Martin: Emil Nolde - Blumen und Tiere, Aquarelle und Zeichnungen, Köln 1980 (Lt.
Expertise von Prof. Urban).
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
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