Lot no. 74
NOLDE, EMIL 1867 Nolde - 1956 Seebüll Violette und rote Blüten. Um 1930. Aquarell auf Japan. 34,5 x 45,5cm. Signiert unten links: Nolde. Nochmals signiert unten rechts: Nolde. Rahmen. - Papierverlust (ca. 1 x 1,5cm) an der oberen linken Kante. Zu dieser Arbeit liegt ein Gutachten von Herrn Prof. Dr. Manfred Reuther, Nolde Stiftung Seebüll, vom 20. Juni 2013 vor. Das Aquarell ist in der Nolde Stiftung Seebüll registriert. Blumen haben im Leben von Emil Nolde eine außerordentliche Bedeutung. Sei es auf der Insel Alsen (1903-1917), auf der Utenwarf an der dänischen Westküste (1917-1927) oder in Seebüll (ab 1927) - an seine Ateliers grenzen stets Gärten mit üppiger Blütenfülle, die er meist selbst anlegt. In ihnen findet er ab 1906 die Inspirationen für seine Blumenbilder. Anfangs malt er ausschließlich in Öl und ab etwa 1918/20 auch mit Aquarellfarben. Bis wenige Monate vor seinem Tod malt er unermüdlich immer neue Variationen des Motivs. Ohne die Bindung an die Natur zu verlieren, die ihm stets Voraussetzung bleibt, kann er hier seine Farbphantasien völlig frei entfalten und zugleich seine Vorstellung von Musikalität und der absoluten Wirkung der Farben verwirklichen: "Die Farben sind meine Noten, mit denen ich zu- und gegeneinander Klänge und Akkorde bilde [...]." (Nolde, 30.5.1943, in: Worte am Rande - Aphorismen in Tagebuchform (1938-1948), zitiert nach Haftmann, Werner: Emil Nolde - Ungemalte Bilder, Köln 1963). Die intensive Auseinandersetzung mit den Blumenmotiven zeigt auch, welche existentielle Bedeutung das Thema für Nolde hat. Denn es geht ihm weniger um das Abbildhafte, als um die Veranschaulichung des Lebensprozesses der Natur selbst. So hält er in den Aquarellen die Visionen eines Augenblicks fest, gibt einfühlsam das Fragile zartester Blüten und Blätter in dem Moment wieder, in dem sie sich dem Licht öffnen. Aber er sieht in seinen Bildern eben nicht nur die flüchtigen Naturerscheinungen, sondern gewissermaßen aus einer höheren Weltsicht die Schöpfungen aller Kreaturen - ob Mensch, Tier oder Pflanze -, die aus ein und demselben unbekannten Ursprung zum Licht streben und dann dem Untergang geweiht sind. Hierin folgt Nolde durchaus der Maltradition des Blumenstilllebens. Bezeichnend für seine Darstellungsweise ist jedoch, dass er stets den Moment der äußersten Schönheit und Farbentfaltung festhält und nicht das Verwelken und damit das Vergehen der irdischen Dinge. Dies tut Nolde auch bei den hier vorgestellten Aquarellen: Während sich die einen Blumenstängel mit ihren voll aufgegangenen Blüten dem Himmel entgegen strecken, vermögen die anderen Stiele die schwere Last ihrer Blütenpracht kaum zu tragen. Mit kräftig aufgetragenen und expressiven Farben hat Nolde das innere Wesen, die Seele, der Blumen nach außen gekehrt, wobei er das Gesehene, oder besser das Empfundene, durch die Farbkontraste steigert. Zudem verzichtet er auf weitere, erzählerische Details und wählt einen sehr engen Ausschnitt, so dass nur dicht aneinander gedrängte Blüten und züngelnde Blätter zu sehen sind, die von den Papierrändern angeschnitten werden. Dennoch breitet sich der Zauber der Farben über die Bildgrenzen hinaus, wodurch Nolde das Bildthema ins Erhabene erhöht. NOLDE, EMIL 1867 Nolde - 1956 Seebüll Purple and Red Blossoms. Ca. 1930. Watercolour on Japan. 34,5 x 45,5cm. Signed lower left: Nolde. Again signed bottom right: Nolde. Framed. - Paper loss (ca. 1 x 1,5cm) on the upper left edge. For this work an assessment by Prof. Dr. Manfred Reuther, Nolde Stiftung Seebüll, dated June 20, 2013 is present. The watercolour is registered at the Nolde Stiftung Seebüll.
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Art Moderne et Contemporain
50968 Köln - Germany
06/03/2015
Offered by Van Ham
49 221 9258620