Lot no. 50
Norbert Kricke (1922 – Düsseldorf – 1984) „Große Fließende (Luxeuil)“. 1971 Edelstahlrohre. 300 × 630 × 345 cm ( 118 ⅛ × 248 × 135 ⅞ in.). Die Skulptur wird aufgenommen in das Werkverzeichnis der Plastiken Norbert Krickes von Dr. Sabine Kricke-Güse, Berlin (in Vorbereitung).– Unikat. [3013] Provenienz: Privatsammlung, Süddeutschland (1971 vom Künstler erworben) Ausstellung: Sculpture. Luxeuil-les-bains, Musée Municipal, 1971 / Die Bildhauer. Kunstakademie Düsseldorf 1945 bis Heute. Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, 2013, Kat.-Nr. 62, Abb. auf einer Doppelseite (o.S.) Die „Große Fließende“ gehört zu einer Werkgruppe von 6 Plastiken. Die anderen 5 Exemplare befinden sich in der Fondation Maeght, St. Paul de Vence, im Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg, in der Sammlung Daimler, Stuttgart, im Museum Kunstpalast, Düsseldorf, und in einer Kölner Privatsammlung. Sabine Ziegenrücker: Bei Norbert Kricke wird der Raum grenzenlos, und die Linien aus Stahl werden zu Gedankenflügen Die „Große Fließende“ entsteht im Rahmen einer sechsteiligen Werkgruppe, an der Norbert Kricke seit 1965 arbeitet. Er verändert dabei sein Konzept der Raumplastik mit Ideen zur Bewegungsenergie und zum Erleben von Freiheit und Zeit wegweisend, was hinsichtlich des aktuellen zeitbasierten und ephemeren Skulpturenbegriffs von besonderer Bedeutung ist. Mit acht Stahlstäben beschreibt Kricke die Bewegungen, die gleich gestenhaften Zeichen in unterschiedlichste Richtungen weisen. Gebündelt im Zentrum, verlaufen sie in großen, gemächlichen Schwüngen, ankern im Boden und fingern gen Himmel. Vorstellungen von organischem Wachstum stellen sich ein. Krickes Handschrift ist unmittelbar. Er orchestriert die verschiedenen Energiebahnen. Lange aufstrebende Drähte, die den Raum sichtbar machen und kraftvoll aufladen, verbinden sich mit kurzen Linien, die noch ungewiss verharren, verlangsamen und den beschriebenen Raum konzentrieren. Choreografische Spuren werden ihm eingeschrieben. Krickes Vorgehen ist radikal. Seine Linien dienen nicht mehr der Umfassung von Körpern oder Flächen. Er befreit die Linie vielmehr aus allen Abhängigkeiten und macht sie selbst zum plastischen Medium. Die Linie grenzt nicht länger aus noch ein, sondern zeigt nurmehr sich selbst – ein der Minimal Art verwandter Gedanke. Infolgedessen hebt er die an den Körper gebundene Vorstellung des Raums als einer kommensurablen Größe auf. Für Kricke wird Raum zu etwas Grenzenlosem und Absolutem, das durchfahren und erfahren wird. Der überlieferten Vorstellung der Plastik als Körperkunst wird so die Plastik als Raumkunst entgegengesetzt. Krickes Linie bringt den Raum als ein inkommensurables Kontinuum hervor, indem sie ihn, sich bewegend, erschließt. Sie wird gleichsam zur Nervenbahn, die die Energien, Bewegungen und Informationen vermittelt und wie ein Vorzeichen die Empfindung regelt. Indem sie den Blick des Betrachters über die ausfingernden Metallstäbe in die Umgebung lenkt, wird der Raum geöffnet zu einem Ort der Entfaltung menschlicher Existenz. Die Empfindung von Zeit ist damit engstens verwoben. Ihr Verlauf wird in den langsamen Bewegungen der sanft kurvenden Stäbe sichtbar , und man spürt das ruhige kontemplative Fließen, das unterschiedliche Zeitformen in sich vereint. Der Betrachter wird in diesen sich zeitigenden Raum mitgenommen. Ebenso wie die Linie den Raum frei macht, verlangsamt sich die Zeit im Rhythmus der Plastik. Was sie erzeugt, ist Stille. Die verschiedenen Geschwindigkeiten bündeln sich schließlich in einem einzigen pulsierenden Punkt, in einer Gesamterscheinung: „In einer Sekunde alle Zeiten fühlen, das ist die Ruhe der Bewegung – stille Freude“ (Norbert Kricke, 1961, zit. nach: Norbert Kricke 1922-1984. Raumplastiken und Zeichnungen aus den Jahren 1954-1984. Ausst.-Kat. Stuttgart, Edith Wahlandt Galerie, 2012, o.S) Norbert Kricke (1922 – Düsseldorf – 1984) „Große Fließende (Luxeuil)“. 1971 Stainless steel pipes. 300 × 630 × 345 cm ( 118 ⅛ × 248 × 135 ⅞ in.). The sculpture will be included in the catalogue raisonné of sculptures by Norbert Kricke by Dr. Sabine Kricke-Güse, Berlin (in preparation).– Unique work. [3013] Provenienz: Private collection, Southern Germany (1971 acquired from the artist) Ausstellung: Sculpture. Luxeuil-les-bains, Musée Municipal, 1971 / Die Bildhauer. Kunstakademie Düsseldorf 1945 bis Heute. Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, 2013, cat. no. 62, ill. on a double page (unpaginated)
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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Oeuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
06/01/2017
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0