Lot no. 23
Oskar Schlemmer (Stuttgart 1888 – 1943 Baden-Baden)
„ROTER SCHRÄG, KLEINBILD V?“. 1932
Öl und Bleistift auf Leinwand, auf Pappe aufgezogen. 18 x 27 cm ( 7 ⅛ x 10 ⅝ in.). Rückseitig mit Pinsel in Schwarz teilweise unleserlich datiert, betitelt und signiert: 193[2] Roter schr... O Schlemmer.
von Maur WVZ G 260.–
[3543]
Provenienz: Hermann Mattern, Berlin (um 1935 vom Künstler erhalten) / Privatsammlung, Berlin
Ausstellung: Oskar Schlemmer. Stuttgart, Galerie Dr. F.C. Valentien (Liste vom 13.9.33, Nr. 13, betitelt: Roter schräg) / Oskar Schlemmer. Stuttgart, Galerie Lutz und Meyer, 1948, Kat.-Nr. 17 / Kunst von 1835-1960 aus Kasseler Privatbesitz. Kassel, Kunstverein, 1960, Kat.-Nr. 133 (betitelt: Rufer statt: Roter) / Poelzig - Endell - Moll und die Breslauer Akademie 1911-1932. Berlin, Akademie der Künste; Mülheim, Städtisches Kunstmuseum, und Darmstadt, Kunstverein, 1965, Kat.-Nr. 275
Literatur und Abbildung: Hans Hildebrandt: Oskar Schlemmer. München, Prestel-Verlag, 1952, Kat.-Nr. 232 (betitelt: Rote Mitte; Kleine Fassung)
Die Darstellung des modernen Menschen in seiner elementaren Wesensform ist das zentrale Anliegen von Oskar Schlemmers Kunst. Um seine Vision eines zeitgemäßen Menschenbildes künstlerisch umzusetzen, wählte er zahlreiche unterschiedliche Herangehensweisen, nutzte den graphischen Verlauf einer Linie, das Volumen einer Plastik ebenso wie die Bewegung eines Tänzers auf der Bühne. Die Schilderung individueller Erscheinungen und psychischer Empfindungen sucht man bei Schlemmer vergebens, das zeigt schon der Blick auf nüchtern klingende Bildtitel wie „Figuren im Raum“ oder „Kopf nach rechts“. Die menschliche Gestalt wird zur Chiffre, die der Künstler in ein System aus Rhythmen, räumlichen Bezügen und einfachen Gesetzmäßigkeiten einbindet. In den vielfältigen Spielarten, die innerhalb dieser formalen Strenge möglich sind, vor allem aber in ihrer sinnbildhaften und spirituellen Ebene liegt die Faszination von Schlemmers unverwechselbarer Bildsprache.
Im Bild „Roter schräg“ gibt Oskar Schlemmer dem Ausdruckswert der Farbe besondere Bedeutung. Die leuchtend rote Halbfigur mit den vor dem Körper verschränkten Armen drückt dynamische und zugleich gebremste Bewegung aus. Während sie mit Händen, Schultern und dem zur Seite geneigten Haupt fest in der Bildfläche verankert ist, vermitteln die beiden im Profil gesehenen Randfiguren zu einem diffus-mystischen Raum im Hintergrund. Somit ist Rot nicht nur die Farbe vitaler Lebensenergie, sondern auch die Farbe der Transzendenz und einer entmaterialisierten geistigen Sphäre, in der die Gesetze von Abstraktion, Form und Maß auf die Kräfte des Unbewußten und Irrationalen treffen.
„Ohne Zweifel hat Schlemmer während seiner Breslauer Akademiezeit, die mit dem Umzug nach Berlin im November 1932 endet und der bereits im Frühjahr 1933 die Verbannung aus der Öffentlichkeit folgt, malerisch seine größte, zwischen konstruktiver Bildarchitektur und atmosphärischer Farbautonomie pendelnde Variationsbreite erreicht.“ (Ina Conzen, in: Ausst.-Kat. Oskar Schlemmer. Visionen einer neuen Welt. Staatsgalerie Stuttgart 2014/15, S. 102) (sch)
Oskar Schlemmer (Stuttgart 1888 – 1943 Baden-Baden)
„ROTER SCHRÄG, KLEINBILD V?“. 1932
Oil and pencil on canvas, laid down on cardboard. 18 x 27 cm ( 7 ⅛ x 10 ⅝ in.). On the reverse with brush in black partially illegibly dated, titled and signed: 193[2] Roter schr... O Schlemmer.
Von Maur WVZ G 260.–
[3543]
Provenienz: Hermann Mattern, Berlin (acquired circa 1935 from the artist) / private collection, Berlin
Ausstellung: Oskar Schlemmer. Stuttgart, Galerie Dr. F.C. Valentien (list of 13.9.33, no. 13, titled: Roter schräg) / Oskar Schlemmer. Stuttgart, Galerie Lutz and Meyer, 1948, cat. no. 17 / Kunst von 1835-1960 aus Kasseler Privatbesitz. Kassel, Kunstverein, 1960, cat. no. 133 (titled: Rufer statt: Roter) / Poelzig - Endell - Moll und die Breslau Akademie 1911-1932. Berlin, Akademie der Künste; Mülheim, Städtisches Kunstmuseum, and Darmstadt, Kunstverein, 1965, cat. no. 275
Literatur und Abbildung: Hans Hildebrandt: Oskar Schlemmer. Munich, Prestel-Verlag, 1952, cat. no. 232 (titled: Rote Mitte; Kleine Fassung)
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