Lot no. 385
Oskar Schlemmer (Stuttgart 1888 – 1943 Baden-Baden) „Studie für das Wandbild im Hause Keller, Stuttgart“. 1940 Farbstifte und Bleistift auf Papier. 14,8 × 20,9 cm ( 5 ⅞ × 8 ¼ in.). Unten rechts mit Bleistift datiert: 1360 [= 13.6.1940]. Herzogenrath 24.64.– [3010] Provenienz: Spencer A. Samuels & Company, New York (1969) / Galerie Valentien, Stuttgart (1994) / Thole Rotermund Kunsthandel, Hamburg / Privatsammlung, Norddeutschland (bis 2011) / Privatsammlung, Schweiz Ausstellung: Oskar Schlemmer. New York, Spencer A. Samuels & Company, 1969, Kat.-Nr. 90/12 / Oskar Schlemmer. Wandbild aus dem Hause Dieter Keller. Wandbildentwürfe und andere Arbeiten. Stuttgart, Galerie Valentien, 1994, Abb. auf dem Titel / Deutschlandbilder. Kunst aus einem geteilten Land. Berlin, Martin-Gropius-Bau, 1997/98, S. 67, Kat.-Nr. 8, mit Abb Innerhalb weniger Tage malte Oskar Schlemmer im Juli 1940 das viereinhalb Meter breite Bild „Familie“ an eine Wand im Haus von Dieter Keller in Stuttgart. Das Werk wird heute in der dortigen Staatsgalerie verwahrt. Unser Blatt ist eine Vorstudie dazu. „Ich will eine Demonstration des Typus und der Sache Wandbild“, äußerte sich Schlemmer über den Auftrag, von dem er sich in der Zeit seiner Verfemung neuerliche allgemeine Anerkennung erhoffte (Tagebuch, 12. Februar 1940, zitiert nach: Wulf Herzogenrath: Oskar Schlemmer. Die Wandgestaltung der neuen Architektur. München, 1973, S. 139). In zahlreichen Skizzen entwickelte Schlemmer die endgültige Komposition dieses Hauptwerks seiner späten Jahre. Mehrere grundlegende Aspekte des Wandbildes sind in unserer Vorstudie bereits angelegt: etwa der charakteristische Kopf im Profil am rechten Bildrand sowie die aus dem Bild schreitende Figur, deren Silhouette man links erkennt. Auch der typische Farbklang aus Gelb, Rot und Blau steht schon fest, allerdings wird Schlemmer die Verteilung der Farben später noch variieren. Das erste seiner Wandbilder schuf Oskar Schlemmer bereits während seiner Stuttgarter Studienzeit. Fortan wurde die Wandmalerei zu einer Aufgabe, die ihn in den kommenden dreißig Schaffensjahren immer wieder beschäftigte. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte diese Entwicklung, als er 1921 am Bauhaus in Weimar die Klasse für Wandmalerei übernahm. Zur berühmten Bauhaus-Ausstellung 1923 fertigte er das großflächige Wandbild im von Henry van de Velde erweiterten Schulgebäude an. Diese künstlerisch heroischen Jahre der Weimarer Republik lagen lange zurück, als sich der Künstler an unsere Skizze setzte und sie in Farb- und Bleistift zu Papier brachte. Das nationalsozialistische Regime hatte Schlemmers Kunst als „entartet“ diffamiert. In diesen persönlich und wirtschaftlich schwierigen Zeiten erreichte ihn der Auftrag des damals erst dreißig Jahre alten Stuttgarter Verlegers Dieter Keller (1909-1985), der als ein Förderer der modernen Kunst gilt und dessen Begeisterung für das Werk des Bauhaus-Lehrers spätestens 1933 entflammt war, als er Schlemmers Arbeiten in einer von Fritz Valentien organisierten Ausstellung gesehen hatte. „Schlemmer sollte sich keineswegs zu einer ‚Aufgabe’ gedrängt fühlen, er sollte frei sein in dem, was er für mein Haus machen wollte“, erinnerte sich Keller 1970 (zitiert nach: Herzogenrath 1973, S. 139). Schlemmer war überaus dankbar für die Carte Blanche, die ihm sein Auftraggeber gewährte. „Immer, wenn mir die Gelegenheit gegeben wurde, frei und kompromißlos Wandmalerei zu machen, habe ich mich für die Abstraktion entschieden und man sollte es tun, vollends in einer Zeit, die sie einem verbietet“, schrieb Oskar Schlemmer am 17. Januar 1940 an Keller (zitiert nach: Andreas Hüneke (Hg.): Oskar Schlemmer. Idealist der Form. Briefe, Tagebücher, Schriften 1912-1943. Leipzig, 1990, S. 324f.). Das Stuttgarter Wandbild – mit seinen Vorstudien – wurde wenige Jahre vor dem Tod des Künstlers zum Opus magnum des reifen Malers. Seinem Generalthema, an dem er schon als Bauhaus-Meister gearbeitet hatte, blieb er auch dabei treu: der Stilisierung des Menschen zur Kunstfigur. GK Oskar Schlemmer (Stuttgart 1888 – 1943 Baden-Baden) „Studie für das Wandbild im Hause Keller, Stuttgart“. 1940 Coloured pencils and pencil on paper. 14,8 × 20,9 cm ( 5 ⅞ × 8 ¼ in.). Dated in pencil lower right: 1360 [= 13.6.1940]. Herzogenrath 24.64.– [3010] Provenienz: Spencer A. Samuels & Company, New York (1969) / Galerie Valentien, Stuttgart (1994) / Thole Rotermund Kunsthandel, Hamburg / Private Collection, northern Germany (until 2011) / Private Collection, Switzerland Ausstellung: Oskar Schlemmer. New York, Spencer A. Samuels & Company, 1969, cat.-no. 90/12 / Oskar Schlemmer. Wandbild aus dem Hause Dieter Keller. Wandbildentwürfe und andere Arbeiten. Stuttgart, Galerie Valentien, 1994, ill. on the cover page / Deutschlandbilder. Kunst aus einem geteilten Land. Berlin, Martin-Gropius-Bau, 1997/98, p. 67, cat. no. 8, with ill.
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05/30/2019
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