Lot no. 34
Otto Dix (Gera-Untermhaus 1891 – 1969 Singen) „Leonie“. 1923 Druckfarbproben und Bleistift über Farblithographie auf Papier. 50 × 39 cm (60 × 43 cm) ( 19 ⅝ × 15 ⅜ in. (23 ⅝ × 16 ⅞ in.)). Mit Druckvermerken bezeichnet. Karsch 58/I.– Überarbeiteter Probeabzug vor der Auflage von 65 Exemplaren. Leicht knittrig. [3518] Provenienz: Nachlass des Künstlers / Rainer Pfefferkorn, Vaduz / Galerie Valentien, Stuttgart / Privatsammlung, Deutschland Dieser außergewöhnliche Probeabzug von Otto Dix´ Lithographie „Leonie“ gibt uns die seltene Gelegenheit, einen Blick in die Alchimistenküche des Künstlers zu werfen. Hier können wir ihm beim Konzipieren der Farbgestaltung über die Schulter schauen. Drei Farben weist der Druck auf, zunächst ein kühles Grün für die Zeichnung und den Materialabklatsch im ausladenden Hut der Dargestellten. Und dann ein ins Grünliche spielendes, schwefeliges Gelb, das Hut, Pelzkragen und Umraum akzentuiert. Kaum wahrnehmbar auch eine blassbeige Farbe etwa an den Wangen, die in der finalen Farbanordnung durch ein Rot ersetzt werden wird. Am rechten und am unteren Blattrand hat der Künstler Farbproben mit dem Finger verrieben, um deren Intensität für die weiteren Druckgänge zu prüfen. Neben verschiedenen Varianten von Grün und einem Gelb-Ocker sind es drei Rottöne, denen dabei seine spezielle Aufmerksamkeit gilt. Tatsächlich ist das Rot die für den endgültigen Zustand entscheidende Farbe, wenn auch die gelbgrüne noch leicht verdunkelt werden wird. Mit dem Rot erst bekommt die Komposition eine Tiefe, die „Leonie“ aus der geisterhaften Umgebung des Probeabzugs in eine nicht minder erschreckende dreidimensionale Realität holen wird. Mit Kreuzen markiert Dix diejenigen Bereiche im Bild, denen er das Rot zugedacht hat, und er gibt auch an, in welcher Form das geschehen soll, nämlich „gespritzt“. Und tatsächlich – betrachten wir einen endgültigen, farbkompletten Druck, dann sehen wir, dass alles so ausgeführt wurde wie vom Künstler geplant. Die überakzentuierten Wangen sind mit dem Rot gespritzt, das sich dort zu einem monochromen Kern verdichtet. Auch der Bereich unterhalb des Kinns wird auf diese Weise belebt. Trotz der unzweifelhaft höheren haptischen Präsenz der „Leonie“ in den endgültigen Abzügen bietet unser Blatt einen anderen, nicht minder intensiven Ausdruck ihres Auftretens. Sie entstammt nicht den verharmlosend so genannten Roaring Twenties. Dix lässt keinen Zweifel daran, dass ihre bestürzende, Mitleid erregende Erscheinung das Werk einer menschengemachten Hölle ist. Leonie ist, wie so viele Figuren des Künstlers, ein Strandgut, das in einer fühllosen Umgebung angeschwemmt wurde. MS Otto Dix (Gera-Untermhaus 1891 – 1969 Singen) „Leonie“. 1923 Printing ink samples and pencil over colour lithograph on paper. 50 × 39 cm (60 × 43 cm) ( 19 ⅝ × 15 ⅜ in. (23 ⅝ × 16 ⅞ in.)). Inscribed with printing notations. Karsch 58/I.– Reworked trial proof before the edition of 65 copies. Slightly creased. [3518] Provenienz: Estate of the artist/Rainer Pfefferkorn, Vaduz/Galerie Valentien Stuttgart/Private collection, Germany
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
06/02/2016
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0