Lot no. 36
Otto Dix (Gera-Untermhaus 1891 – 1969 Singen) „MEXIKO“. 1923 Aquarell und Deckweiß auf genarbtem Velin. 38,1 x 27,6 cm ( 15 x 10 ⅞ in.). Unten rechts mit Bleistift signiert, datiert und bezeichnet: DIX 23/224. Rückseitig betitelt: Mexiko. Pfäffle A 1923/47.– [3504] Provenienz: Privatsammlung, Deutschland (1923 erworben, seitdem in Familienbesitz) Ausstellung: Otto Dix. Aquarelle der 20er Jahre. Ravensburg, Städtische Galerie, 2002, Kat.-Nr. 31, ganzs. Farbabb. S. 63 Mexiko als Land unter dem Regenbogen: Strahlende, heitere Farbigkeit, hohe Bergkegel, ein feuerspeiender Vulkan. Im Hafenbecken ein Dreimaster unter voller Takelage, davor ein Matrose am Ufer, alles scheint zur Abfahrt bereit. Die Hauptperson der Szene befindet sich im Vordergrund: Das gestreifte Hemd, das weiße Tuch, der schwarze Schnauzbart und der schattenspendende Sombrero machen den Mexikaner unverkennbar. Wie kommt Dix zu dieser Darstellung? Zwischen 1920 und 1923 hat der Künstler den berühmten „Schützengraben“ geschaffen, 1923 das „Mädchen vor dem Spiegel“ und auch „Salon II“, verschollene Skandalbilder, die seinerzeit auch die Gerichte beschäftigten. In veristischen Ansichten der grauenhaften Kriegserlebnisse verarbeitete Dix seine Fronterfahrungen. In der Radierung „Lustmord“ hatte er das mörderische Geschehen auf die gesellschaftliche Realität der 1920er Jahre übertragen. Bilder von Dix galten in dieser Zeit als Provokation, sie lösten Skandale aus. Nichts von alledem findet sich in unserem Blatt, das der Künstler schlicht „Mexiko“ genannt hat. Eine sonnenbestrahlte Idylle, eine Reiseerinnerung aus glücklichen Tagen? Im Arm des Mexikaners ruht ein Gewehr, die Finger hantieren am Hahn. Eine Waffe im Anschlag? Eine Mexiko-Reise des Künstlers ist nicht bekannt. Aber das Land, durch Bürgerkrieg und Revolutionen seit 1910 erschüttert, wurde auch von Deutschland aus aufmerksam beobachtet. Ist die traumhafte Hafenszene eine versteckte Würdigung für die Helden der Revolution, die sich für die Rechte der Schwachen einsetzten, und gleichzeitig eine Hommage auf das Land, dessen Tricolore durch den Himmel zieht? (AH) Otto Dix (Gera-Untermhaus 1891 – 1969 Singen) „MEXIKO“. 1923 Watercolour and opaque white on nacreous wove paper. 38,1 x 27,6 cm ( 15 x 10 ⅞ in.). Signed, dated and inscribed lower right: DIX 23/224. Titled on the reverse: Mexiko. Pfäffle A 1923/47.– [3504] Provenienz: Private collection, Germany (acquired in 1923, thence by descent to the present owner) Ausstellung: Otto Dix. Aquarelle der 20er Jahre. Ravensburg, Städtische Galerie, 2002, cat. no. 31, full-page colour ill. p. 63
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
11/27/2014
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0