Lot no. 710
Otto Piene (Laasphe/Westfalen 1928 – 2014 Berlin)
„Last Winter“. 1976
Feuergouache und Mischtechnik auf Leinwand. 80 × 100 cm ( 31 ½ × 39 ⅜ in.). Rückseitig betitelt, signiert, datiert und gewidmet: "Last Winter", Piene 76.
[3470]
Provenienz: Privatsammlung, Schweiz
In „Last Winter“ von Otto Piene strahlt uns womöglich eine tief stehende, winterliche Sonne entgegen. Die goldgelb bis bronzefarben schimmernde Korona ist zu schwach, um die eisige Kälte der verschneiten und verrußten Umgebung zu erwärmen. Vielleicht hat der umtriebige Otto Piene, der sein Leben lang ein aufmerksamer Himmelsgucker war, hier einen frostigen Sonnenuntergang im Rheinland festzuhalten versucht, denn den Lauf der Sonne zählte er zu den „schönsten Erscheinungen, mit denen wir zu tun haben [...]. Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, das sind alles flüchtige Erscheinungen, Erscheinungen ohne statische, physische-schwerkräftige Dauer.“ (Otto Piene, 1971, Essener Selbstdarstellung, zitiert nach Wulf Herzogenrath, in: Otto Piene Licht, Kat. Ausst. LWL Museum Münster, 2015, S. 14). Das Nicht-Greifbare und Unbestimmbare, das Kosmische und das Licht hat Piene schon seit Beginn seiner künstlerischen Laufbahn, als er mit Günther Uecker und Heinz Mack den Ausgangspunkt und Kern der ZERO-Gruppe bildete, interessiert. Piene hat sich seitdem nicht nur um die Einheit von Kunst, Wissenschaft und Technik verdient gemacht, sondern sein künstlerisches Vermächtnis ist vor allem die Erfahrbahrmachung der unterschiedlichen Erscheinungsformen des Mediums Licht, nicht zuletzt durch die Magie und Wucht des Feuers. Der Künstler selbst hat den Entstehungsprozess seiner ab 1961 entstehenden Feuerbilder einmal wie folgt beschrieben: „Ich zünde Lösungsmittel an, die sonst zu einem Dasein gemütlicher Betrachtungen getrocknet wären, und da entstanden innerhalb von Sekunden Bilder auf der Grenzlinie zwischen Zerstörung und Überleben. Bilder der Sonne werden zu Nachbildern der Sonne, einem Feuertanz auf der Netzhaut und einer Choreografie von Feuer auf Leinwand.“ (Otto Piene, Lichtballett, zitiert nach: Ante Glibota: Otto Piene, Kat. Ausst. New York, Paris, 2011, S. 534). „Last Winter“ vermittelt eine frostige Atmosphäre und hält die flüchtige Lichtstimmung kurz vor dem Versinken der Wintersonne fest; „Last Winter“ ist „Ausdruck konzentriertesten Lebens“ und ein ausgesprochen nuanciertes Exempel aus dem beeindruckenden Schaffen von Otto Piene.
Christian Ganzenberg
Otto Piene (Laasphe, Westphalia 1928 – 2014 Berlin)
„Last Winter“. 1976
Fire gouache and mixed media on canvas. 80 × 100 cm ( 31 ½ × 39 ⅜ in.). On the reverse titled, signed, dated and dedicated: "Last Winter", Piene 76.
[3470]
Provenienz: Private collection, Switzerland
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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