Lot no. 805
Otto Piene (Laasphe/Westfalen 1928 – 2014 Berlin)
„Sun Flower Sun“. 1986/87
Mischtechnik auf Leinwand. 100 × 100 cm ( 39 ⅜ × 39 ⅜ in.). Rückseitig mit Faserstift in Schwarz betitelt, signiert [im Kreis] und datiert: "Sun Flower Sun" piene 86/87.
[3093]
Provenienz: Galerie Heseler, München / Privatsammlung, Süddeutschland
Ende der 1950er-Jahre – während der Gründungszeit von ZERO – entwickelte Otto Piene aus den Rasterbildern die Werkgruppe der Rauchzeichnungen und Rauchbilder. Das ist Auftakt für die sich unmittelbar anschließenden, erstmals 1961 entstehenden Feuerbilder, bei denen der Künstler das Feuer zum mitgestaltenden Element macht. Durch das Abbrennen von Fixaktiven, Pigmenten und Ölfarben werden in der Farbschicht Ringe, Krusten, Blasen, und Rußwolken erzeugt, die die kompositorisch angelegten Kreisformen erweitern. Wie schon bei den Rauchbildern kann Piene ohne Pinseleinsatz, allein durch die Technik des „Gelierens der Farbe auf der Leinwand mit Hilfe von Feuer“ (Susanne Rennert, in: Otto Piene. Retrospektive 1952-1996, Ausst.– Kat. Düsseldorf, Kunstmuseum Düsseldorf, 1996, S. 51) seine Werke gestalten. Piene relativiert das zerstörerische Potenzial des Feuers; das Verbrennen hat für den Künstler nichts Destruktives, sondern ist vielmehr ein Prozess, der Neues erschafft. Viel wichtiger ist Piene die Wirkung des Lichts, die auch in seinem malerischen Werk zur entscheidenden Bezugsgröße werden sollte. Inspiration fand Piene in der Schönheit von Natur oder in kosmischen Phänomen: „Ein Blick zum Himmel, in die Sonne, auf das Meer genügt, zu zeigen, dass die Welt außerhalb des Menschen größer ist als die in ihm, dass sie so gewaltig ist, dass der Mensch ein Medium braucht, dass die Kraft der Sonne transformiert zu einem Leuchten, das ihm angemessen ist, zu einem Strom, dessen Wellen wie der Puls des Herzens sind“ (Otto Piene, Wege zum Paradies (1961), in: ZERO-Zeitschrift, Vol. 3, zitiert nach: Peter Weibl (Hg.): Otto Piene. Energiefelder, Ausst.-Kat. Karlsruhe, ZKM Karlsruhe, 2013, S. 63). Piene sucht nach Bildern, die keine „Verliese“ mehr sind, sondern vielmehr „Spiegel, von denen Kräfte auf den Menschen übergreifen, Ströme, die sich frei im Raum entfalten, die nicht ebben, sondern fluten“ (ebd.). Dabei akzeptiert der „Feuerbilderkocher“ auch den Zufall als Mitgestalter, denn die Reaktion der Flammen auf der Malschicht sind nur schwer planbar und bedingt kontrollierbar. Die Kreation der Feuerbilder vergleicht Piene daher mit einem Naturprozess - unmittelbarer und emotionaler als andere künstlerisch-wissenschaftliche Werkgruppen des Künstlers. Otto Piene war ein umtriebiger Geist, der nicht nur sein Leben zwischen zwei Kontinenten – Amerika (Cambridge) und Europa (Düsseldorf) – aufteilte, sondern dessen künstlerische Aktivitäten ebenso von einer unglaublichen Vielfalt geprägt waren: Er war ZERO-Gründer, visionärer Lehrer, Initiator von Sky-Art-Events, Autor theoretischer Texte und Multimedia-Künstler. Zeitlebens war Piene aber auch ein Maler. Pienes Feuergouache von 1967 (Ohne Titel) zählt zu den frühen, noch abstrakten Feuerbildern auf Karton, die zumeist eine runde, schwarze Form auf monochromem –
rotem oder weißem – Grund zeigen. In späteren Jahren werden die Bildwerke des Künstlers zunehmend assoziativer und durch ihre Titel zusätzlich deutbar. „[Die] Feuerbilder, Feuergouachen kommen aus dem Fluss von brennbaren Medien.
Im Fluss des Feuers entstehen organische Formen – wie offene Blüten. Augen, fleischfressende Pflanzen, Palmen im Wind, Tiere aus fremden Welten, Stürme der Sternenwelt“ (Otto Piene, Albumbl.tter (2006), in: Otto Piene. Solo 2,
Ausst.-Kat. Düsseldorf, Galerie Christine H.lz, 2006, o. A.).Auch in Zeiten wachsender Verpflichtungen gestattet sich Piene den Luxus des malerischen Rückzugs: „Ich habe lange große Städte, Vulkane und den Himmel angesehen. Ich hätte
mal wieder Lust, zu Hause Bilder zu kochen“ (Otto Piene, zitiert nach: Heiner Stachelhaus (Hg.): Otto Piene. Ausst.-Kat. Essen, Galerie Heimeshoff, 1983, S. 20). Seine koronagleich strahlende „Sun Flower Sun“ auf rotem Grund aus dem Jahr 1986/87 ist ein famoses Beispiel für seine lebenslange Begeisterung für die Malerei. Hier „kocht“ ein Künstler mit ungebrochener Leidenschaft nach einem alten, wohlvertrauten Rezept. Im Laufe seiner langen Karriere entwickelt Piene seine Feuerbilder kontinuierlich weiter, zum Teil in der Technik der Gouache, teilweise in grafischen Werken, aber immer wieder auch mit Öl auf Leinwand. Die späteren Feuerbilder – wie „Mitte“ (1997) eindrucksvoll zeigt – wirken organischer und vielschichtiger. Piene übermalt die durch Feuer entstandenen Formen, wodurch sich mehrere Rauch und Farbebenen überlagern. Mit seinen Feuerbildern kommt der Künstler seinem selbst erklärten Ziel näher, das Malen wie das Werden in der Natur als dirigierten, selbsttätigen Vorgang“ (Otto Piene, in: Otto Piene. Retrospektive 1952-1996. Ausst.-Kat. Düsseldorf, Kunstmuseum Düsseldorf, 1996, S. 51) geschehen zu lassen. In ihnen gelingt es Piene das nicht Greifbare des Mediums Licht malerisch auf den Punkt zu bringen. Christian Ganzenberg
Otto Piene (Laasphe, Westphalia 1928 – 2014 Berlin)
„Sun Flower Sun“. 1986/87
Mixed media on canvas. 100 × 100 cm ( 39 ⅜ × 39 ⅜ in.). On the reverse titled, signed [in a circle] and dated with black felt-tip pen: "Sun Flower Sun" piene 86/87.
[3093]
Provenienz: Galerie Heseler, Munich / Private collection, Southern Germany
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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