Lot no. 24
Paul Klee (Münchenbuchsee 1879 – 1940 Muralto/Locarno)
„DAS HAUS ZUM BLAUEN STERN“. 1920
Aquarell auf Gipsgrundierung auf Leinen auf Papier auf Karton. 17,5 x 12,5 cm (25,4 x 19,2 cm) ( 6 ⅞ x 4 ⅞ in. (10 x 7 ½ in.)). Oben links signiert: Klee. Unterhalb der Darstellung auf dem Karton mit Feder in Schwarz mit Werknummer bezeichnet und betitelt: 1920/136 Haus zum blauen Stern. Rückseitig unten rechts der Stempel von Dr. Karl-Gustav Gerold, Bonn.
Paul-Klee-Stiftung 2481.–
[3055]
Provenienz: Neue Kunst Hans Goltz, München (im Mai 1921 vom Künstler erworben) / Karl-Gustav Gerold, Dublin/Bonn (seitdem in Familienbesitz)
Ausstellung: Die Maler am Bauhaus. München, Haus der Kunst, 1950, Kat.-Nr. 131
Literatur und Abbildung: Ausstellungskatalog: Paul Klee. Im Zeichen der Teilung. Die Geschichte zerschnittener Kunst Paul Klees 1883–1940. Mit vollständiger Dokumentation. Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, und Stuttgart, Staatsgalerie, 1995, Abb. S. 341 (nicht ausgestellt)
„Das Haus zum blauen Stern“ ist zeitlich in die Periode nach der berühmten Tunisreise (1914) und vor der Berufung Paul Klees ans Weimarer Bauhaus im November 1920 einzuordnen. Auf ihrer Studienreise durch Tunesien hatten Paul Klee und seine Malerkollegen August Macke und Louis Moillet sich intensiv mit dem analytischen Form- und Farbverständnis Robert Delaunays und Paul Cézannes auseinandergesetzt. Es ging nicht darum, die Natur nachzuahmen, sondern Möglichkeiten der Gestaltung analog zu den Prinzipien der Natur hervorzubringen. Hauptanliegen Klees war es in dieser Zeit, eine Verbindung zwischen innerer und äußerer Welt zu schlagen, denn weder auf die geistige Fülle der inneren Sphäre, noch auf die ästhetischen Reize der äußeren wollte er verzichten. Er fand die Antwort in der Reduktion. Er erkannte die Möglichkeiten einfacher kubischer Formen, die sich selber nicht gegenständlich lesen lassen und dennoch, durch systematisches Aneinandersetzen, Assoziationen mit bestimmten Umwelteindrücken hervorrufen können.
Im „Haus zum blauen Stern“ gelingt es Klee, durch das Aufeinandertreffen gerader und spitzwinkliger Linien und durch die Wiederholung dieses Prinzips, das Bild eines spitzdachigen Hauses inmitten einer Stadt zu erschaffen. Gelbe Rechtecke werden zu Fenstern, die ein warmes Licht ausstrahlen und die Erinnerung an eine freundliche Herberge hervorrufen. Die Fensterläden sind geöffnet und laden den vorbeiziehenden Besucher zum Rasten ein. Die untergehende Sonne steht wie ein roter Ball im Zentrum des Bildes, und taucht die Architektur in ein abendliches Licht. Der farbige Stern, der dem Bild schließlich seinen Namen gibt, ist ein Motiv, das seit der Tunisreise immer wieder in Klees Bildern erscheint – ein Fragment der Beschäftigung mit der geistigen Welt des Orient – Zeichen für die Suche nach einer Ganzheit von Kosmos, Welt und Kunst.
Auch mit Materialien und Techniken experimentierte Klee in dieser Zeit. Er malte auf Leinengewebe und Nessel ebenso wie auf Holztafeln und Pappe oder Papier, das er, wie beim Haus zu blauen Stern, auf Leinen aufzog. Für die Grundierungen verwandte er neben den üblichen Materialien auch Kreide und Gips. Der Farbcharakter bekommt so eine matte Erscheinung und nähert sich einer freskohaften Wirkung. Durch den Gipsgrund erhält die Komposition einen haptischen Charakter, der in Kontrast zu den zarten Aquarellfarben steht und dem Bild eine spannende Zweischichtigkeit verleiht. (NB)
Paul Klee (Münchenbuchsee 1879 – 1940 Muralto/Locarno)
„DAS HAUS ZUM BLAUEN STERN“. 1920
Watercolour on plaster priming on linen on paper on cardboard. 17,5 x 12,5 cm (25,4 x 19,2 cm) ( 6 ⅞ x 4 ⅞ in. (10 x 7 ½ in.)). Signed upper left: Klee. Below the image on the cardboard in pen in black inscribed with the work number and titled: 1920/136 Haus zum blauen Stern. On the reverse lower right the stamp of Dr. Karl-Gustav Gerold, Bonn.
Paul-Klee-Stiftung 2481.–
[3055]
Provenienz: New Kunst Hans Goltz, Munich (acquired in May 1921 from the artist) / Karl-Gustav Gerold, Dublin/Bonn (thence by descent to the present owner)
Ausstellung: Die Maler am Bauhaus. Munich, Haus der Kunst, 1950, cat. no. 131
Literatur und Abbildung: Exhibition catalogue: Paul Klee. Im Zeichen der Teilung. Die Geschichte zerschnittener Kunst Paul Klees 1883–1940. With full documentation. Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, and Stuttgart, Staatsgalerie, 1995, ill. p. 341 (not exhibited)
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Drawings, watercolours and pastels
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