Lot no. 38
Paul Klee (Münchenbuchsee 1879 – 1940 Muralto/Locarno)
„Hörender“. 1934
Kleisterfarben (Messerarbeit) und Bleistift auf Kanzleipapier. 32,7 × 21 cm ( 12 ⅞ × 8 ¼ in.). Oben rechts mit Feder in Braun signiert: Klee. Rückseitig datiert und betitelt: 1934 R 20 Hörender.
Werkverzeichnis: Paul-Klee-Stiftung 6698.–
[3248]
Provenienz: Daniel-Henry Kahnweiler, Paris / Galerie Jeanne Bucher, Paris (bis 1946) / Alberto Magnelli, Paris (ab 1946) / Galerie Denise René, Paris (bis 1948) / Galerie Neher, Essen (ab 1990) / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Ausstellung: Paul Klee. Bern, Kunsthalle, 1935, Kat.-Nr. 246 / Efter-expressionisme, abstrakt kunst, neoplasticisme, surrealisme. Kopenhagen, Liniens Sammelslutnig, 1937, Kat.-Nr. 52
Sein Vater hatte am Stuttgarter Konservatorium studiert, seine Mutter war eine Schweizer Sängerin. Auch deshalb spielte Musik für Paul Klee zeitlebens eine wichtige Rolle und bedeutete ihm eine stete Quelle der Inspiration. 1930 schuf er ein Ölgemälde mit dem Titel „Der Hörende“ (heute im Museum für Kunst und Kultur Münster), für das die ein Jahr zuvor entstandene Federzeichnung „Auge und Ohr“ die Grundlage bildete. Mittels weniger Striche skizzierte der Künstler darin ein menschliches Antlitz, dessen Augen, Mund und Nase an ein Saiteninstrument erinnern, während sich daneben die große Ohrmuschel abhebt.
Bereits ein Jahr später – 1931 – verließ Klee unter dem wachsenden politischen Druck durch den aufkommenden Nationalsozialismus wegen zunehmender Querelen das Bauhaus, um eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf anzutreten. Doch auch dort währte die Ruhe nur kurz. Nach 1933 diffamierten die Machthaber Klee als „entarteten“ Künstler, am 21. April wurde er fristlos aus seinem Amt entlassen. Im Dezember emigrierte der Künstler endgültig in seine alte Heimatstadt Bern.
Dort entstand im Jahr darauf unser Bild „Hörender“. Anders als bei dem früheren, eher kubistischen Gemälde aus dem Jahr 1930 zeigt Klee hier deutlich primitivistische Tendenzen. Wie bei einer Kinderzeichnung tritt in Strichmännchenmanier ein Gesicht aus dem monochromen Grund hervor. Man erkennt Augen, den geöffneten Mund, aus dem drei Zähne lugen, sowie, vom Kopf aus leicht nach links versetzt, ein enormes Ohr. Die reliefartige Struktur des Bildes ist typisch für Klees Werke der 1930er-Jahre. In dieser Zeit experimentierte er mit dickflüssiger, stark deckender Kleisterfarbe, die er mit einem spachtelartigen Messer auftrug und bearbeitete.
Der Unterschied zu dem „Hörenden“ von 1930 ist offenkundig. Saiteninstrumente lassen sich nun keine mehr assoziieren, auch andere musikalische Konnotationen existieren nicht. Vielmehr wirken Gesicht, der Mund mit den drei Zähnen und das riesige Hörorgan latent bedrohlich. Ohne Zweifel spiegelt dieser „Hörende“ die Krise Paul Klees wider, der in der Schweiz an zunehmender künstlerischer Isolation leidet. So betrachtet, hat die Monochromie der Komposition, in der die Figur zu verschwinden scheint, auch etwas Klandestines. Was der Künstler uns hier vorführt, ist ein für Klee ungewöhnlich bitterer Kommentar zur Zeit – der Hörende als heimlicher Lauscher, nur einen Schritt davon entfernt, zum politischen Denunzianten zu werden. ED
Das ursprünglich von Paul Klee auf Karton montierte Blatt hat der Künstler 1935 wieder abgelöst.
Paul Klee (Münchenbuchsee 1879 – 1940 Muralto/Locarno)
„Hörender“. 1934
Distemper (knife work) and pencil on foolscap paper. 32,7 × 21 cm ( 12 ⅞ × 8 ¼ in.). Signed on the upper right in pen and brown ink: Klee. Dated and titled on the reverse: 1934 R 20 Hörender.
Catalogue raisonné: Paul-Klee-Stiftung 6698.–
[3248]
Provenienz: Daniel-Henry Kahnweiler, Paris / Galerie Jeanne Bucher, Paris (until 1946) / Alberto Magnelli, Paris (from 1946) / Galerie Denise René, Paris (until 1948) / Galerie Neher, Essen (from 1990) / Private collection, North Rhine-Westphalia
Ausstellung: Paul Klee. Bern, Kunsthalle, 1935, cat. no. 246 / Efter-expressionisme, abstrakt kunst, neoplasticisme, surrealisme. Kopenhagen, Liniens Sammelslutnig, 1937, cat. no. 52
In 1935, Paul Klee removed the sheet from the cardboard he had originally mounted it to.
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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