Lot no. 4
Paula Modersohn-Becker (Dresden 1876 – 1907 Worpswede) „Brünjes Garten“. Um 1902 Öl auf Pappe auf Holz. 49,4 × 54,7 cm ( 19 ½ × 21 ½ in.). Rückseitig von Otto Modersohn für die Künstlerin bestätigt: Diese Studie hat Paula Modersohn-Becker gemalt. Fischerhude 9.12.38 Otto Modersohn. Rückseitig jeweils ein Etikett des Graphischen Kabinetts Wolfgang Werner, Bremen, und der Galerie Neher, Essen. Busch / Schicketanz / Werner 344.– [3417] Provenienz: Berthold Glauerdt, Solingen (1963) / Galerie Alex Vömel, Düsseldorf / Graphisches Kabinett Wolfgang Werner, Bremen (1974) / Privatsammlung, Herford (1975) / ehemals Galerie Koch, Hannover (1980) Ausstellung: Paula Modersohn-Becker. Frankfurt a. M., Kunstverein, Steinernes Haus, 1963, Kat.-Nr. 7, Abb. / Paula Modersohn-Becker. Ölbilder, Zeichnungen und Druckgraphik. Frankfurt a.M., Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, 1975, Kat.-Nr. 5, mit Abbildung Das Gemälde „Brünjes Garten“ entstand in einer Phase, in der die Lebenswege der jungen Malerin Paula Becker und Otto Modersohns harmonisch zusammenliefen. Im Jahr 1900 zieht Paula Becker voller inspirierender Eindrücke aus Paris in das Künstlerdorf Worpswede, wo sie ein kleines Atelier auf Brünjes Hof nimmt. Es wird ihr liebster Arbeitsort, auch nach der Hochzeit mit Otto Modersohn im folgenden Jahr, dem sie am 27. Dezember 1900 während eines Besuches bei ihren Eltern in Bremen schreibt: „Das Leben ist ein Wunder. Es kommt über mich, dass ich oftmals die Augen schließen muss. […] Es überrieselt mich und durchleuchtet mich und schlägt in mir satte, verhaltene Farben an, auf daß ich zittere …“ (Günter Busch, Liselotte von Reinken (Hrsg.): Paula Modersohn-Becker in Briefen und Tagebüchern. Frankfurt a. M. 1979, S. 255). Mit diesen Worten beschreibt die Künstlerin sehr schön das Lebensgefühl, das „Brünjes Garten“ ausstrahlt. Das volle, satte Grün der Wiese nimmt gut ein Drittel des Bildes ein, belebt von ein paar gelblichen und bräunlichen Tupfern und nach oben abgegrenzt von einer wie ein Schutzwall wirkenden dunkleren Hecke. Diese läuft zur Mitte des Bildes im rechten Winkel zu. So erscheint der Garten als sicherer, privater Ort, der wie ein Wegweiser in die dahinterliegende unbändige Freiheit deutet: „Morgens male ich Halbakt, nachmittags Herma. […] Und als gestern Brünjes zum Balle waren, sprangen wir im Akt aus dem Fenster und hielten einen Ringelreinflüsterkranz“ (ebenda, S. 236). Ein leuchtender Himmel bestimmt die obere Hälfte des Bildes. Das lebendige Farbenspiel der winddurchfluteten weißen und grauen Wolken und eines hier und da hervorscheinenden Azurblaus der Unendlichkeit dahinter lässt einen den Spätsommer beim Betrachten dieses Bildes förmlich spüren. Das Laub der mächtigen Birke links nimmt bereits langsam die warme Färbung des Herbstes an, doch noch ist sie von sommerlicher Vitalität. Ihr weißer Stamm scheint vor dem bläulichen Grün der Vegetation fast zu glühen. Die Kraft dieses Werkes entsteht wie bei anderen Landschaftsbildern Paula Modersohn-Beckers nicht durch ein impressionistisches Spiel der Farbexplosionen von Licht und Schatten, sondern durch das Strahlen der Flächen und Pinselstriche aus sich selbst. Als sei das Sonnenlicht in die Dinge eingedrungen, damit sie ihr Eigenleben entfalten. US Paula Modersohn-Becker (Dresden 1876 – 1907 Worpswede) „Brünjes Garten“. Circa 1902 Oil on cardboard on wood. 49,4 × 54,7 cm ( 19 ½ × 21 ½ in.). On the reverse with a confirmation by Otto Modersohn for the artist: Diese Studie hat Paula Modersohn-Becker gemalt. Fischerhude 9.12.38 Otto Modersohn. On the reverse labels of the Graphisches Kabinett Wolfgang Werner, Bremen, and of the Galerie Neher, Essen. Busch / Schicketanz / Werner 344.– [3417] Provenienz: Berthold Glauerdt, Solingen (1963) / Galerie Alex Vömel, Düsseldorf / Graphisches Kabinett Wolfgang Werner, Bremen (1974) / Private collection, Herford (1975) / formerly Galerie Koch, Hanover (1980) Ausstellung: Paula Modersohn-Becker. Frankfurt a. M., Kunstverein, Steinernes Haus, 1963, cat. no. 7, ill. / Paula Modersohn-Becker. Ölbilder, Zeichnungen und Druckgraphik. Frankfurt a.M., Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, 1975, cat. no. 5, with illustration
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Drawings, watercolours and pastels
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10719 Berlin - Germany
06/01/2017
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