Lot no. 5
Paula Modersohn-Becker (Dresden 1876 – 1907 Worpswede) „Mädchen mit Strohhut im Profil nach rechts“. Um 1905 Tempera auf Pappe. 37,7 × 39,7 cm ( 14 ⅞ × 15 ⅝ in.). Unten rechts posthum von Otto Modersohn monogrammiert: P M-B. Rückseitig ein Etikett der Galerie Commeter, Hamburg. Busch /Schicketanz / Werner 579.– [3074] Provenienz: Heinrich Vogeler, Worpswede (um 1918) / Privatsammlung, Hamburg / Ernst Krügermeyer, Bremen / Graphisches Kabinett Kunsthandel Wolfgang Werner, Bremen (1970) / Galerie Gunzenhauser, München (spätestens 1972–1979) / Privatsammlung, Baden- Württemberg Ausstellung: Paula Modersohn-Becker. Hagen, Folkwang-Museum; München, Neuer Kunstsalon Dr. P. F. Schmidt und M. Dietzel; Jena, Kunstverein, und Elberfeld, im Hause des Freiherrn August von der Heydt, 1913, Katalog (von Curt Stoermer) Nr. 15 / Paula Modersohn-Becker. Bremen, Kunsthalle, 1913, Journal Nr. 9 / Paula Modersohn-Becker. Hamburg, Galerie Commeter, 1914 (?) Literatur und Abbildung: Gustav Pauli: Paula Modersohn-Becker. Leipzig, Kurt Wolff Verlag, 1919 (= Das Neue Bild, Bücher für die Kunst der Gegenwart, hrsg. v. Carl Georg Heise, Bd. 1), Kat.-Nr. 111 („Mädchen mit Strohhut“, 1905) / Katalog 3: Aus den Beständen der Galerie. München, Galerie Gunzenhauser, 1979, Abbildung S. 40 In den Werken von Paula Modersohn-Becker verbinden sich Einflüsse der Worpsweder Landschaftsmalerei mit den neuesten Entwicklungen der Pariser Moderne zu einem eigenen, auf den Expressionismus vorausweisenden Stil. Insgesamt viermal reiste die gebürtige Dresdnerin kurz hintereinander in die französische Metropole, zum ersten Mal im Jahr 1900, zum letzten Mal 1906. Hier studierte sie die Werke von Paul Cézanne, Vincent van Gogh und Maurice Denis, die sie maßgeblich prägten und ihr neue künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten eröffneten. Besonders beeindruckt war die junge Malerin von der vermeintlichen Unfertigkeit französischer Gemälde: „Dieses nicht Fertigdrehen, das besitzen die Franzosen in hohem Maße.“ Nach einem Besuch in der Rue Lafitte im Februar 1903 bemerkte sie: „Wir Deutschen malen immer pflichtgetreu unser Bild herunter und sind zu schwerfällig, aus dem Stegreif eine kleine Farbenskizze zu machen, die oft mehr sagt als das Bild.“ In Paris dagegen sah sie „allerliebste Sachen. Oft im kleinsten Formate.“ In der pastos ausgeführten Tempera-Arbeit „Mädchen mit Strohhut im Profil nach rechts“ wandte sich Paula Modersohn-Becker bewusst gegen diese „Schwerfälligkeit“, die sie an ihren Landsleuten beobachtet hatte. Sie zeigt ein junges Mädchen im Profil, mit geflochtenem Haar, einem breitkrempigen Hut auf dem Kopf, die Hand zur Wange geführt. Das Cloisonné, also das Zusammenfassen der Form durch eine schwarze Umrisslinie, entsprach dem Wunsch der Künstlerin nach Vereinfachung. Die Farbe der Temperaskizze, die vermutlich um 1905 in Worpswede entstand, modellierte Modersohn-Becker fast plastisch. Ein Zeichen dafür, dass auch das „facciendo“, die Machart ihrer Bilder, für sie von großem Interesse war. Als „Dunklen Kopf gegen hellen Himmel, auf braune Hände gestützt“ hatte der Direktor der Hamburger Kunsthalle und Autor des ersten Werkverzeichnisses Gustav Pauli das Gemälde 1919 beschrieben. Er hatte einen Himmel gesehen, den die Künstlerin mit wenigen Pinselstrichen als hellen Hintergrund nur andeutete und in den Randbereichen offen auslaufen ließ. Die Tempera-Arbeit beweist darüber hinaus Paula Modersohn-Beckers Fähigkeit, das „sanfte Vibrieren der Dinge“ auszudrücken und „bei intimster Beobachtung die größte Einfachheit“ anzustreben: „Das gibt Größe“, wie sie 1903 in ihrem Tagebuch notierte. Signiert wurde das Bild posthum von Otto Modersohn, den Paula Becker 1901 in Worpswede geheiratet hatte. Nachweislich befand es sich noch um 1918 im Besitz Heinrich Vogelers. Der Gründer der Kolonie auf dem Barkenhoff sammelte Modersohn-Beckers Werke zwar bereits zu ihren Lebzeiten, doch ihren enormen künstlerischen Rang hatte er erst nach ihrem Tod schätzen gelernt. GK Paula Modersohn-Becker (Dresden 1876 – 1907 Worpswede) „Mädchen mit Strohhut im Profil nach rechts“. Circa 1905 Tempera on cardboard. 37,7 × 39,7 cm ( 14 ⅞ × 15 ⅝ in.). Lower right with the posthumous monogram, by Otto Modersohn: P M-B. On the reverse a label of of Galerie Commeter, Hamburg. Busch /Schicketanz / Werner 579.– [3074] Provenienz: Heinrich Vogeler, Worpswede (circa 1918) / private collection, Hamburg / Ernst Krügermeyer, Bremen / Graphisches Kabinett Kunsthandel Wolfgang Werner, Bremen (1970) / Galerie Gunzenhauser, Munich (at the latest 1972–1979) / private collection, Baden- Württemberg Ausstellung: Paula Modersohn-Becker. Hagen, Folkwang-Museum; Munich, Neuer Kunstsalon Dr. P. F. Schmidt und M. Dietzel; Jena, Kunstverein, and Elberfeld, in the house of Freiherr August von der Heydt, 1913, catalogue (by Curt Stoermer) no. 15 / Paula Modersohn-Becker. Bremen, Kunsthalle, 1913, Journal no. 9 / Paula Modersohn-Becker. Hamburg, Galerie Commeter, 1914 (?) Literatur und Abbildung: Gustav Pauli: Paula Modersohn-Becker. Leipzig, Kurt Wolff Verlag, 1919 (= Das Neue Bild, Bücher für die Kunst der Gegenwart, ed. Carl Georg Heise, vol. 1), cat. no. 111 („Mädchen mit Strohhut“, 1905) / Katalog 3: Aus den Beständen der Galerie. Munich, Galerie Gunzenhauser, 1979, illustration p. 40
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06/01/2017
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