Lot no. 1032
*PRUNK-KONSOLE 'AUX CARTOUCHES', Régence, wohl von J.A. PICHLER (Joseph Anton Pichler, gest. 1761), wahrscheinlich nach Vorlagen von J. EFFNER (Joseph Effner, 1687-1745), München um 1735/45.
Nussbaum durchbrochen sowie ausserordentlich fein beschnitzt mit Muscheln, Kartuschen, Blättern, Voluten und Zierfries sowie vergoldet. Geschweifte, leicht trapezförmige und mehrfach profilierte 'Campan'-Platte auf durchbrochener und wellig ausgeschnittener Zarge mit 4 durch geschweiften Kartuschensteg mit Chimäre in Rocaillenmedaillon verbundenen Volutenstützen mit stilisierten Blütenfüssen. Vergoldung restauriert. Eisenverstärkungen. 200x96x92 cm.
Provenienz: Aus einer Pariser Sammlung.
Seit 1679 wurde Bayern mit seiner Hauptstadt München von Max Emanuel (1662-1726) regiert. Während seines Exils in Paris zwischen 1705-1715 interessierte er sich sehr für den französischen Stil und die Mode und kaufte einige Möbel, Gold- und Silberwaren, die er 1715 mitbrachte, als er nach München zurückkehrte und kopieren liess. Darüber hinaus lud er französische Handwerker ein, in München zu arbeiten, und schickte seine eigenen Handwerker nach Paris, um sie dort ausbilden zu lassen. Unter ihnen war auch der Bildschnitzer Johann Adam Pichler und der vielversprechende Gärtner und Architekt Joseph Effner, die beide einige Jahre in Paris verbrachten, bevor sie 1715 nach München zurückkehrten.
Bei unserer Konsole handelt es sich um eine seltene und sehr feine Arbeit, die in München während der ersten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts von der offiziellen französischen Hofkistlerei geschaffen wurde. Die Werkstatt hatte Kurfürst Max Emanuel ins Leben gerufen, um die zahlreichen Residenzen von Königshof und Adel standesgemäss auszustatten. Die Werkstatt beschäftigte 80 Möbelschreiner und Tischler und war auf das Kopieren des französischen Stils spezialisiert. Joseph Effner war der Vorsitzende und fertigte Möbelentwürfe an. Geleitet wurde die Werkstatt von Johann Adam Pichler, der eine grosse Anzahl der Arbeiten selbst übernahm und für sein Schaffen von Max Emanuel viel Freiraum erhielt; dieser hatte eine tragende und einflussreiche Rolle in der Gestaltung der Architektur, der Innenausstattung und der Möbel seiner Zeit und war ein grosser Liebhaber der französischen Régence.
Sehr bald entwickelte die Werkstatt ein eigenes, spezifisches Stilvokabular. Charakteristisch für die Münchner Werkstatt sind betont geschweifte Beine, die häufige Verwendung heimischer Materialien wie der 'Tegernsee'-Marmor, der 60 km südlich von München im Kreuther Steinbruch seit 1680 gewonnen wird, und die kunstvolle Schnitzarbeit, die sich mit ihrer Raffinesse und ihren Motiven gut mit einigen Konsoltischen aus der Münchner Residenz und des Schlosses Schleissheim vergleichen lässt. Besonders die Fabelwesen sind ein häufiges Motiv für die Tische aus dieser Zeit.
Dieses lebhafte und erfindungsreiche Schaffen Effners unterscheidet sich vom Werk seines berühmten Schülers und späteren Rivalen, des Wallonen François Cuvilliés (1695-1786). Dieser wurde vom bayrischen Kurfürsten Max Emanuel ursprünglich als 'Hofzwerg' angestellt. Er bewies jedoch soviel Geschick, dass er bereits 1716 für das Münchner Baubüro tätig war. Von 1720 bis 1724 liess ihn der Kurfürst in München und Paris zum Architekten ausbilden. Bereits 1725 erhielt er als Nachfolger Effners das Amt des Hofbaumeisters am kurfürstlichen Hof. Später wurde er auch zum höfischen Gartenarchitekt ernannt. Er fertigte jedoch weiterhin Entwürfe für Möbel an.
Unter den vergleichbaren Stücken befindet sich ein Konsolenpaar, heute ausgestellt im Neuen Schloss von Schleissheim bei München, eine noch reicher gestaltete und vergrösserte Version der hier beschriebenen Konsole. Ähnlich ist die Konstitution der Beine mit dem konkav gebogenen Schaft und der gegenläufigen, gebogenen C-Konsole, die einen bärtigen Männerkopf mit Turban trägt. Vergleichbar ist ebenfalls die reich geschwungene Zarge, dekoriert mit dem typischen Rautengitter, den Blütengirlanden und der Blattranke. Die geschwungene, profilierte Marmorplatte unserer Konsole ist nahezu identisch mit derjenigen des Schleissheimer Konsolenpaares.
Lit.: B. Langer/G. Hager/H. Ottomeyer, Die Möbel der Residenz München, München 2002; S. 193 (Katalognr. 39 - Abb. einer ähnlichen Konsole von J. Effner). B. Langer, Die Möbel der Schlösser Nymphenburg und Schleissheim, München 2000; S. 92f (Katalognr. 16 - Inv. No. SNS M 15, 16).
IMPORTANT CONSOLE 'AUX CARTOUCHES', Regency, probably by J.A. PICHLER (Joseph Anton Pichler, died 1761), probably after designs by J. EFFNER (Joseph Effner, 1687-1745), Munich ca. 1735/45.
Walnut, pierced and exquisitely carved with shells, cartouches, leaves, volutes and decorative frieze, and gilt. 'Campan' top. Gilt, restored. Iron reinforcements. 200x96x92 cm.
Provenance:
- from a Parisian collection.
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