Lot no. 7
Renée Sintenis (Glatz/Schlesien 1888 – 1965 Berlin)
„Großes grasendes Fohlen“. 1929
Bronze mit schwarzgrüner Patina. 77,3 × 76 × 29 cm ( 30 ⅜ × 29 ⅞ × 11 ⅜ in.). Auf der Plinthe mittig signiert: R. Sintenis. Dort, neben dem linken Hinterbein der Gießerstempel: H.NOACK BERLIN FRIEDENAU. An der Längsseite der Plinthe zweifach gestempelt: MADE IN GERMANY II.
Werkverzeichnis: Berger/Ladwig/Wenzel-Lent 111. - Mit einem Gutachten (in Kopie) von Dr. Ursel Berger, Berlin, vom 27. Oktober 2016.–
Einer der zwei für den Export vorgesehenen Güsse vor 1939. Mit Witterungsspuren. [3505]
Provenienz: Ehemals Albert Roothbert, New York
Erratum/Addendum: Einer von offiziell zwei für den Export in die USA vorgesehenen Güssen. Die für den Export verwendete römische Nummerierung „I" bzw. „II" wurde mehrfach verwendet. Die genaue Anzahl der frühen Export-Güsse läßt sich heute nicht mehr ermitteln.
Die Markierung „MADE IN GERMANY“ mit der Nummer „II" an der Plinthe des „Großen grasenden Fohlens“ heißt nicht, dass dies der zweite Guss der Skulptur ist. Diese Markierung mit Nummerierung „I“ oder „II“ wurde für den Export in die Vereinigten Staaten verwendet, da nur insgesamt zwei Güsse einer Skulptur der ermäßigten Einfuhrsteuer unterlagen.
Albert Roothbert (1874–1965), geboren in Frankfurt am Main, zog auf den Rat seines Onkels Heinrich Budge 1902 nach New York und begann dort seine berufliche Laufbahn als Investmentbanker in dessen Firma Hallgarten & Co. 1925, mit 50 Jahren, gab Albert Roothbert seinen Posten als Partner bei Hallgarten & Co. auf und konnte sich nun ganz seinen sozialen und kulturellen Interessen widmen: So unterstützte er wissenschaftliche Projekte wie archäologische Ausgrabungen in Ägypten oder widmete sich als Berater der Heilsarmee der Rehabilitation von ehemaligen Gefängnisinsassen. Er reiste oft und verfasste viele Aufsätze zu politischen und philosophischen Themen. 1937 heiratete er die Fotografin Toni von Horn, die für ihre Porträts von Prominenten und für Modeaufnahmen in Magazinen wie „Harper`s Bazaar“ oder „Vogue“ bekannt ist. Beide gründeten 1958 die Roothbert Stiftung zur Unterstützung von Studenten.
Renée Sintenis zählt zu den herausragenden Tierbildhauern in Deutschland. Wie kaum jemand anderes brillierte sie in dem Genre, das sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer eigenständigen Gattung entwickelt hatte. Das lag zum einen an den Erfahrungen ihrer Kindheit in der Nähe von Neuruppin, wo sie gern viel Zeit auf Weiden und Koppeln verbracht hatte. Zum anderen passte das Genre einfach gut zu ihrer Persönlichkeit, wie sie Ada Schmidt-Beil einmal in einem Interview gestand: „Ich habe mein ganzes Leben mit Tieren verbracht. Es lag über mir eine vollkommene Unfähigkeit, mit Menschen auszukommen, mit ihnen zu leben. Die Tiere waren mir eine absolute Zuflucht gegenüber all den Anforderungen des Lebens an mich, denen ich mich nicht gewachsen fühlte, weil sie wie ein Stück fremden Organismus in meinem Körper waren. Die Tiere forderten nichts von mir, sie wollten nichts, bei ihnen durfte ich ich selber sein“ (zit. nach: Britta E. Buhlmann: Renée Sintenis. Werkmonographie der Skulpturen, Darmstadt 1987, S. 52–53).
Eine Sonderstellung nehmen dabei Sintenis’ Darstellungen von Pferden und Ponys ein. Pferde waren für Sintenis „die schönsten Tiere der Welt“, denen sie sogar eigens ein Gedicht widmete, eine wahre Ode, die mit den Zeilen endet: „Sie sind ewig und zeitenlos, die schönsten / Tiere der Welt. Die Pferde“ (ebd. S. 57). Das „Große grasende Fohlen“ entstand 1919 zunächst als Kleinbronze in einer Höhe von lediglich 8,5 Zentimetern. Zehn Jahre später schuf die Künstlerin die große Fassung als Plastik für einen Garten, wobei sie die Form exakt beibehielt und vom kleinen in den großen Maßstab übertrug. Bei unserem frühen Guss sind Körper, Mähne und Schweif überaus lebendig gestaltet. Diese prononcierte Haptik verleitet den Betrachter unwillkürlich zum Betasten der Figur, was durchaus der Intention von Renée Sintenis entsprach. Die Künstlerin schätzte den reizvollen Glanz der Patina, der sich so ergab (zit. nach: Renée Sintenis, Plastiken, Zeichnungen, Druckgraphik. Ausst.-Kat. Berlin, Georg Kolbe Museum, 1983, S. 58). Ein posthumer Bronzeguss des grasenden Fohlens ziert heute den Berliner Renée-Sintenis-Platz. Er ist ein beliebter Spielgefährte der Kinder – so wie es die echten Fohlen in ihrer Heimat einst für die Künstlerin gewesen waren. ED
Renée Sintenis (Glatz/Silesia 1888 – 1965 Berlin)
„Großes grasendes Fohlen“. 1929
Bronze with black greenish patina. 77,3 × 76 × 29 cm ( 30 ⅜ × 29 ⅞ × 11 ⅜ in.). Sigend on the plinth in the centre: R. Sintenis. There, next to the left hind leg the foundry mark: H.NOACK BERLIN FRIEDENAU. At the small side of the plinth stamped twice: MADE IN GERMANY II.
Catalogue raisonné: Berger/Ladwig/Wenzel-Lent 111. - Accompanied by a certificate (in copy) by Dr. Ursel Berger, Berlin, dated 27 October 2016.–
One of the two casts before 1939 intended for export. With traces of weathering. [3505]
Provenienz: Formerly Albert Roothbert, New York
Erratum/Addendum: One of two casts officially intented for exporting to the US. The Roman numbering „I" and „II" used for exporting was used a number of times. The exact number of early export casts cannot be established anymore.
Pictures credits: Contact organization
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