Lot no. 743
Robert Rauschenberg (Port Arthur/Texas 1925 – 2008 Captiva Island/Florida) OHNE TITEL. 1989 Acryl und Emaille auf verzinktem Metall. 121 x 91 cm ( 47 ⅝ x 35 ⅞ in.). Unten rechts mit Faserstift in Silber signiert und datiert: RAUSCHENBERG 89. [3429] Provenienz: Privatsammlung, Berlin (Anfang der 1990er Jahre erworben) Ausstellung: Robert Rauschenberg. Galerie Fabien Boulakia, Paris, 1990, S. 59, mit Farbabb 1962 in New York, beim Besuch im Atelier eines Künstlerkollegen, wurde Robert Rauschenberg erstmals auf die künstlerischen Möglichkeiten kommerzieller Siebdrucktechnik aufmerksam. Beide Künstler, Rauschenberg und der etwas jüngere Andy Warhol, sollten sie von nun an durch alle Werkphasen hindurch verwenden, imitieren oder paraphrasieren. Sie steht wie kein anderes Element für die enge Beziehung zwischen den beiden Giganten der amerikanischen Nachkriegskunst, deren Hinterlassenschaft ein vergleichbar gewaltiges Œuvre ist sowohl in Bezug auf den Umfang wie auch den kunsttheoretischen und -praktischen Gehalt. Mit dem Siebdruck konnte Rauschenberg gefundenes Bildmaterial anders in seine Gemälde übertragen als er es bisher in Form von Collagen und Objektassemblagen in seinen berühmten „Combines“ gemacht hatte. Der Siebdruck ermöglichte die beliebige Wiederholung, Verflachung und Abstraktion eines Motivs. Die Größe war dank der Verwendung fotografierter Vorlagen manipulierbar, der Bildträger erhielt eine eigene Wertigkeit. Viele von Rauschenbergs Siebdruckgemälden der 1980er Jahre entstanden auf Metallblechen, deren teilweise behandelte Oberflächen den Druck besonders gut abbilden und die Farben leuchten lassen. Der Träger war für den Künstler, der in dieser Zeit mit den von ihm initiierten ROCI-Projekten (Rauschenberg Overseas Culture Interchange) beschäftigt war und viel reiste, ein leicht zu bearbeitendes und gut transportables Experimentiermaterial. Die Metallbleche wirken indes auch wie die Metapher für einen Spiegel, in dem er seine im Austausch mit anderen Kulturen gewonnenen Eindrücke reflektierte und mit den eigenen Erfahrungen in Beziehung setzte. Unser Beispiel, das in keine der bekannten Serien gehört, sondern ein Einzelstück ist, dürfte einen der besonders persönlichen Momente in Rauschenbergs Schaffen wiedergeben. Reduziert auf Schwarz-Weiß und nur drei Farben verzichtet die ruhige Rasterkomposition auf die für die Zeit üblichen oft wilden gestische Spuren und farbgewaltigen Übermalungen. Hauptmotive sind ein Pelikan, der in Südflorida, Rauschenbergs privater Wahlheimat, verbreitete Seevogel, und die Freiheitsstatue, das Sinnbild für New York, Rauschenbergs künstlerische Heimat und Ort seiner größten beruflichen Erfolge. Zentral in Gegenüberstellung, überdruckt mit einem leuchtend intensiven Kobaltblau, sind sie in einem einfachen Raster angeordnet, das unten links eine Leerstelle läßt. Auf einmal verschwimmen die Motive und eine Erinnerung scheint auf an die ikonischen frühen Siebdruckgemälde des Künstlerkollegen Andy Warhol: an das unvergeßlich tragische Blau aus der „Jackie“-Serie und die bedrückenden Leerstellen der „Disaster“-Bilder. Es wird kein Zufall gewesen sein, daß Rauschenberg den kurz zuvor unerwartet verstorbenen, langjährigen Freund paraphrasierte, als er über seinen eigenen Platz in der Welt reflektierte. Unser Werk gleicht darin dem monumentalen Siebdruck „Autobiography“ (1968) und anderen Arbeiten, in denen der Künstler Leben und Werk durch Motive und bildnerische Verweise miteinander verwebt. (MF) Robert Rauschenberg (Port Arthur/Texas 1925 – 2008 Captiva Island/Florida) UNTITLED. 1989 Acrylic and enamel on galvanized metal. 121 x 91 cm ( 47 ⅝ x 35 ⅞ in.). Signed and dated with silver felt-tip pen lower right: RAUSCHENBERG 89. [3429] Provenienz: Private collection, Berlin (acquired in the early 1990s) Ausstellung: Robert Rauschenberg. Galerie Fabien Boulakia, Paris, 1990, p. 59, colour ill.
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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Catalog
Art Contemporain
10719 Berlin - Germany
06/05/2015
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0