Lot no. 425
Rohlfs, Christian (Niendorf 1849 - 1938 Hagen)Tessiner Bergwand (Ascona). Aquarell u. Tempera auf Karton. Um 1928. 755 x 552 mm, im Passepartout freigestellt. Unter Glas gerahmt. Monogrammiert u. datiert (sehr schwer lesbar). Verso Nachlaßstempel, dort von Helene Rohlfs autorisiert u. datiert.Vogt 1928/10 - Provenienz: Nachlass Christian Rohlfs (Frau Prof. Rohlfs, Essen-Bredeney); 35. Auktion des Kunstkabinettes Roman Norbert Ketterer, Stuttgart 1960, Katalog-Nr. 544, mit Abbildung S. 221 (Katalog beiliegend), dort vom Vorbesitzer erworben. - Wir danken Herrn Dr. Wolfgang Henze, Wichtrach/Bern, für die freundlichen Auskünfte zur Provenienz. - Karl Ernst Osthaus, der Gründer des Folkwang Museums in Hagen, schrieb 1905 zu der Kunst von Christian Rohlfs: "Seine Malerei ist Musik der Farben. Jeder Ton, jedes Verhältnis zweier Töne entwickelt Reize. Seine Ausschnitte sind so gewählt, daß Mengen und Gegensätze der Farben im Gleichgewicht stehen. Auch die Linien sind vor allem Grenzen für Farbkomplexe und nur selten, wie zufällig, Mittel einer Raumsuggestion..." (Osthaus, Die Rheinlande, Jg. 5/1905). - "Im Saleggi, der mit Birken und Gebüsch durchsetzten Maggis-Niederung, die uns an norddeutsche Flusswiesen erinnerte, fühlte er sich zuerst wohl", beschreibt Helene Rohlfs später die Phase der Eingewöhnung im italienischen Süden der Schweiz, "dann eroberten ihn die Blumen, vor allem die große Magnolie von San Materno und die Lotusblüten. Fahrten in die Täler mit den chinesisch anmutenden Felslandschaften und Wasserfällen, alten Kirchen und Burgen, Dörfern und römischen Brücken bezauberten ihn." (zit. nach T. Belgin 2013) - Christian Rohlfs Aufenthalte während der Sommermonate in Ascona wurden immer länger, er fühlte sich sichtlich wohl am Lago Maggiore. Ab 1929 hatte er eine Wohnung in der Casa Margot direkt am Seeufer angemietet. Nur mehr drei Monate im Winter weilte Rohlfs nun in Hagen. Wohl auch war das Haus am See in den letzten Lebensjahren eine Art Zuflucht geworden. Das künstlerische Leben in Ascona war immer vielgestaltig gewesen. Nicht nur die auf Initiative des deutschen Künstlers Walter Helbig gegründete Künstlergruppe "Der große Bär" war hier ansässig, auch die lebensreformerische Künstlerkolonie auf dem oberhalb von Ascona gelegenen Monte Verità (Berg der Wahrheit), wo unterschiedlichste moderne Denkrichtungen ihr Zuhause gefunden hatten, trug zu einer weltoffenen Atmosphäre bei. Das damalige Fischerdorf Ascona war geprägt von dieser geistig offenen Stimmung, die zahlreiche Künstler anlockte, darunter in den 1920er Jahren auch Oskar Schlemmer, Josef Albers, László Moholy-Nagy, El Lissitzky, Xanti Schawinsky, Marianne von Werefkin und die Architekten Marcel Breuer und Walter Gropius.- Blätter voller Transparenz, Leichtigkeit und Durchdrungensein von Licht sind charakteristisch für das Spätwerk des begnadeten Malers. Seinem künstlerischen Ziel folgend, Licht und Farben zu einer Einheit zu verschmelzen, hatte Rohlfs bereits im Verlauf der 1920er Jahre die Ölmalerei zugunsten einer reinen Aquarell- und Temperamalerei aufgegeben. Diese einmalige Entmaterialisierung seiner Bildgegenstände erzeugte der Künstler auch mit einer völlig neuen Technik. Die bereits aufgetragenen Farbschichten wurden beispielsweise partiell oder auch ganzflächig abgewischt, um danach wieder mit Farbe bearbeitet zu werden. Durch diese für die damaligen Stilmittel sicherlich radikal zu nennende Technik erhielten die Blätter ihre durchscheinende, luzide Wirkung. Weniger der Bildgegenstand und seine Materialität waren für den Künstler von Interesse, vielmehr galt der Entstofflichung und damit der auratischen Wirkung des Gegenstandes sein Kunstwollen. (Vgl. T. Belgin 2013) - Paul Vogt beschrieb Rohlfs Malerei treffend: "Die Natur ist [...] stets gegenwärtig, doch rücken Details nun dem Betrachter nahe, breiten sich bildfüllend über das Blatt und gewinnen infolge der Entmaterialisierung des Farbauftrags gleichnishaften Charakter. Die Farben ordnen sich dabei nach orchestralen Klängen, bei denen der Künstler harmonische Tonlagen und warme Pigmente bevorzugt. Dadurch entstehen Farbklänge von großer Subtilität, indem einem herrschenden Grundton meist rein gestimmte, sich gegenseitig steigernde Begleittöne zugeordnet werden. Die Motive umfassen weiterhin die ganze Welt sichtbarer Erscheinungen, wenn Rohlfs auch jene bevorzugte, die seiner persönlichen Sicht am ehesten entsprachen." (Vogt 1996)
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Beaux Arts
10623 Berlin - Germany
10/28/2017
Offered by Dr. Lehr Kunstauktionen GmbH
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