Lot no. 57
Rolf Szymanski (Leipzig 1928 – 2013 Berlin) „Fräulein in Algier“. 1961 Bronze mit goldbrauner Patina. Höhe: 145 cm ( 57 ⅛ in.). Auf der Plinthe monogrammiert: Sz. Dort seitlich der Gießerstempel: GUSS BARTH BERLIN. Schaart/Schulz 61/1.– Einer von 6 nummerierten Güssen, zugleich eines der 4 Exemplare mit mitgegossenem Bronzesockel. [3543] Provenienz: Privatsammlung, Berlin Der Berliner Bildhauer Rolf Szymanski zählt zu den eigenständigsten und eigenwilligsten Künstlern der Nachkriegszeit in Deutschland. Zu jung, um am Informel der 1950er-Jahre teilzuhaben, gehörte er – ähnlich wie etwa Georg Baselitz, Markus Lüpertz und Gerhard Richter - zu der Generation von Malern und Bildhauern, die die Abstraktion suchte, aber deswegen von der Figuration nicht lassen wollte; im Gegenteil. War es doch gerade das Figürliche in ihrem Schaffen, durch das die jungen Künstler sich von den älteren, etablierteren unterscheiden und absetzen konnten. Mit seiner Kunst hatte Rolf Szymanski früh Erfolg. Nach einem Studium unter anderen bei Bernhard Heiliger und Richard Scheibe an der Berliner Hochschule für Bildende Künste (der heutigen Universität der Künste) erhielt er 1962 ein Stipendium für die Villa Massimo in Rom. Zwei Jahre später wurde er zur documenta III nach Kassel eingeladen. Die Bronzeplastik „Fräulein in Algier“ ist Teil von Szymanskis Frühwerk. Er fertigte sie ein Jahr vor seinem Aufenthalt in Rom – und sie markiert zweifellos einen der Höhepunkte im Schaffen des damals gerade erst 32 Jahre alten Künstlers. Das Prinzip der Allansichtigkeit, das Bildhauer schon seit dem Paragone, dem Wettstreit zwischen Malerei und Bildhauerei in der Renaissance, für sich in Anspruch genommen haben, treibt Szymanski in seinem „Fräulein in Algier“ auf die Spitze. Geht man um die Figur herum, wird man unablässig ein neues Bild, ein anderes Werk vor Augen haben. Mal ist die Skulptur relativ deutlich als Darstellung eines Menschen zu erkennen, mal wirkt sie vollkommen abstrakt. Dann sieht sie aus wie eine seltsame geologische Formation oder das Totem einer fremden Religion - ein Gebilde mit schrundiger, unruhiger Oberfläche, mit Wölbungen und Kerben, Wulsten und Einschnitten, deren Sinn unerfindlich bleiben muss. Im nächsten Moment betrachtet man die Silhouette, und sie tritt wieder vor einen: eine junge Frau, die langsam voranschreitet, die Arme scheinbar vor der Brust verschränkt. Es ist dieses schillernde Oszillieren zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten, dem das „Fräulein in Algier“ ihre großartige, eigentümlich körperhafte, eigentümlich körperlose Ausstrahlung verdankt. UC Rolf Szymanski (Leipzig 1928 – 2013 Berlin) „Fräulein in Algier“. 1961 Bronze with golden brown patina. Height: 145 cm ( 57 ⅛ in.). Monogrammed on the plinth: Sz. There too the foundry mark: GUSS BARTH BERLIN. Schaart/Schulz 61/1.– One of 6 numbered casts, one of the four cast together with a bronze base. [3543] Provenienz: Private collection, Berlin
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Catalog
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
12/01/2016
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0