Lot no. 528
Rudolf Belling (Berlin 1886 – 1972 Krailling b. München)
„Fliegerstatuette“. 1916
Holz. 62,5 × 29,8 × 15,7 cm (mit Sockel) ( 24 ⅝ × 11 ¾ × 6 ⅛ in. (mit Sockel)). Auf der Unterseite des Sockels schwach lesbar beschriftet: Flugzeugführer Albrecht Adlershof 1918, Albrecht, Grunewald, Königsallee 3. Dort auch der Stempel: Albrecht Berlin-Zehlendorf Neue Straße 8/9.
Werkverzeichnis: Vgl. Nerdinger 12.–
Eines von bisher zwei bekannten Exemplaren. Kleine Fehlstelle, stellenweise berieben. [3534]
Provenienz: Karl Albrecht, Berlin / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Die Hände tief in den Taschen vergraben, die Ellenbogen provokativ ausgestellt, den Blick gesenkt, so steht uns dieser Pilot aus dem Ersten Weltkrieg gegenüber. Auf dem Kopf trägt er den Lederhelm, der ab 1913 bei der Fliegertruppe üblich war. In ihrer Darstellung folgt diese höchst ungewöhnliche Figur dem Bild eines neuen Kämpfertyps: des „Ritters der Lüfte“. Nicht zufällig wirkt seine schwere Jacke wie ein spätmittelalterliches Wams, doch dieser Krieger zieht nicht mehr mit Schwert und Ross in die Schlacht, sondern steuert eine Maschine durch die Luft. Die kubische, leicht expressive Figur erinnert an eine Zeit, als Piloten zu Popikonen verklärt wurden.
Auf der Unterseite des Sockels befinden sich verschiedene Hinweise zum mutmaßlichen ursprünglichen Besitzer der Skulptur. Karl Albrecht war ein Flugzeugführer der ersten Stunde. Er hatte am 26. April 1912 in Berlin-Johannisthal die Flugzeuglizenz Nr. 185 für den Rumpler-Eindecker vom Deutschen Luftsportverband erhalten. Damit zählte Albrecht zu den so genannten „Alten Adlern“ – jenen Piloten, denen bereits vor dem Ersten Weltkrieg die Fluglizenz ausgestellt wurde. Er existiert längst nicht mehr, aber in der Pionierzeit der Luftfahrt spielte der Flugplatz Berlin- Johannisthal/Adlershof eine besondere Rolle. Im Ersten Weltkrieg erprobte die Fliegerabteilung hier, nicht weit vom heutigen Flughafen Berlin-Schönefeld, neue Flugzeugtypen und schulte ihre Piloten. Und: Von 1915 bis 1918 leistete in der Modellabteilung der Truppe der expressionistische Bildhauer Rudolf Belling seinen Kriegsdienst. In jenen Jahren entstanden die Werke „Verwundete“ (1915), „Kampf“ (1916) und auch „Der Flieger“ (1916).
Unsere Skulptur ist eines von bisher nur zwei bekannten Exemplaren, die Rudolf Belling im Auftrag der Fliegertruppe schuf. Vermutlich diente sie als Vorbild für die im Metallgussverfahren hergestellten, etwa 20 Zentimeter kleineren Statuetten des „Fliegers“, die an Piloten für herausragende Leistungen vergeben wurden und auf dem Kunstmarkt sehr selten sind. Wie viele genau es davon gab, ist nicht bekannt. Später zählte Rudolf Belling zur Bohème im Berlin der Weimarer Republik. Er arbeitete als Bauplastiker mit Architekten wie Bruno Taut und Richard Neutra zusammen und war Mitbegründer der Künstlervereinigung Novembergruppe. Einige seiner bekanntesten Werke wie etwa die kubistische „Skulptur 23“ oder „Dreiklang“ befinden sich seit Langem in der Sammlung der Neuen Nationalgalerie Berlin. DS
Wir danken Elisabeth Weber-Belling, Krailing, und Wolfgang Werner, Bremen, für freundliche Hinweise.
Rudolf Belling (Berlin 1886 – 1972 Krailling near Munich)
„Fliegerstatuette“. 1916
Wood. 62,5 × 29,8 × 15,7 cm (with base) ( 24 ⅝ × 11 ¾ × 6 ⅛ in. (with base)). Inscribed at underside of the base (hardly legible): Flugzeugführer Albrecht Adlershof 1918, Albrecht, Grunewald, Königsallee 3. There too the stamp Albrecht Berlin-Zehelndorf Neue Straße 8/9.
Catalogue raisonné: Vgl. Nerdinger 12.–
One of two known copies knowm to date. Small loss, in places with scuff marks. [3534]
Provenienz: Karl Albrecht, Berlin / Private collection, North Rhine-Westphalia
We would like to thank Elisabeth Weber-Belling, Krailing, and Wolfgang Werner, Bremen, for kindly providing additional information
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