Lot no. 529
SCHAD, CHRISTIAN (Miesbach 1894 - 1982 Stuttgart) La rue des vices. Öl auf Leinwand, sig. u. dat. (19)16 u.r., verso (wohl in Bezug auf eine ursprüngliche Komposition) bez. u. dat. München 1914 Ende (teils durchgestrichen bzw. übermalt) sowie a.d. Keilrahmen betitelt u. sig., 96x76 cm Provenienz: Sammlung Edwin Faver, Genève; Privatsammlung, Westschweiz. Gutachten: Martin Pacher, Würzburg, September 2013. Technologischer Untersuchungsbericht: Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaften, Zürich, 9. August 2013 (Archiv-Nr. 130422 0002). Literatur: Andrea Heesemann-Wilson, Christian Schad, Expressionist, Dadaist und Maler der Neuen Sachlickeit. Leben und Werk bis 1945, Dissertation Göttingen 1978, S. 254, Nr. 9; Thomas Ratzka, Christian Schad. Werkverzeichnis, Band I: Malerei, hg. von der Christian-Schad-Stiftung, Köln 2008, S. 77, Nr. 12 (dort mit Lasterstrasse betitelt und für verschollen erklärt). Ausstellungen: Orient-Teppichhaus Max Werblowski, Zürich, November 1916; Christian Schad, Exposition de peintures et gravures, Genf, 1. - 31. Juli 1917. Der deutsche Maler Christian Schad gilt zusammen mit Otto Dix und George Grosz als einer der Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit. Er wuchs in München in grossbürgerlichen Verhältnissen auf, in denen seine künstlerische Begabung bereits früh gefördert wurde. Sein Studium an der Münchener Kunstakademie brachte erste expressionistische Holzschnitte hervor, wurde jedoch durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen, dem Schad sich durch die Flucht nach Zürich entzog. Im Kreis von Hugo Ball, Hans Arp und Tristan Tzara schloss sich der junge Künstler dem Kreis der Zürcher Dadaisten an und wurde Mitherausgeber der Zeitschrift Sirius. 1918 entwickelte Schad in Genf mit Hilfe fotosensitiver Platten ein Verfahren zur Herstellung von kameralosen Konturbildern, die als Schadographien bekannt werden sollten. Nach Zwischenaufenthalten in Rom, Neapel und Wien siedelte er 1928 nach Berlin über, wo er sich dem klaren, realistischen Stil der Neuen Sachlichkeit zuwandte. Im Gegensatz zu George Grosz verzichtete Schad dabei auf überscharfe Gesellschaftskritik und Zynismus. In seinen als Ikonen in die Kunstgeschichte eingegangenen Porträts schilderte er die Epoche der Goldenen Zwanziger Jahre, vermittelte dabei aber unterschwellig mit schonungslos entlarvendem Detailreichtum die Isolation und Entfremdung des Individuums in der jungen Republik. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Schads Werk zwar nicht als entartet gebrandmarkt, doch die Anerkennung blieb ihm verwehrt. Er zog sich ins Privatleben zurück und übernahm 1935 ein Berliner Brauereidepot. Als sein Atelier 1943 durch Bombenangriffe zerstört wurde, siedelte er nach Aschaffenburg über, wo er den Auftrag zur Anfertigung einer Kopie von Mattias Grünewalds Stuppacher Madonna für die Stiftskirche St. Peter und Alexander erhielt. In den 1950er Jahren entstanden die so genannten Magischen Bilder und nach 40 Jahren Schaffenspause wieder neue Zyklen der Schadographien. Die letzten zwei Jahrzehnte seines Lebens verbrachte Schad in Keilberg im Spessart. 1972 wurde sein Lebenswerk in einer umfassenden Retrospektive im Palazzo Reale in Mailand geehrt, ebenso 1980 in der Staatlichen Kunsthalle zu Berlin. Beim angebotenen Gemälde dürfte es sich um das im Werkverzeichnis unter dem Titel Lasterstrasse verzeichnete, verschollen geglaubte Werk handeln, das Schad wohl noch in Zürich angefertigt und im November 1916 im Teppichhaus Werblowski an der Zürcher Bahnhofstrasse sowie im Juli 1917 unter dem neuen Titel La rue des vices in seiner Genfer Atelierwohnung an der Avenue Wendt 38 präsentiert hatte. Der Schad-Experte Martin Pacher, der das Gemälde einem persönlichen Augenschein unterzogen hat, äusserte sich folgendermassen: Die Rue des Vices war wohl eines der ersten Bilder, die 1916 nach längerer Malpause entstanden und die in Schwarz-Weiss gehalten sind. Schad zitiert in dem vorliegenden Gemälde Bildelemente, die er vorher in seinen Holzschnitten 1915 entwickelt hatte.
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Drawings, watercolours and pastels
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Catalog
11/08/2013
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