Lot no. 203
Théodule Ribot (Saint-Nicolas-d&apos Attez 1823 – 1891 Colombes) Die volle Flasche. Öl auf Leinwand auf Holz (parkettiert). 58,7 × 40,5 cm ( 23 ⅛ × 16 in.). Unten links signiert: t. Ribot. [3061] Ausstellung: Théodule Augustin Ribot. Ein vergessener Meister. Hamburg, Galerie Hans, 2010, S. 4, m. Farbabbildung („Stilleben mit Weinflasche und Früchten“) Obwohl der aus der Normandie stammende Ribot zu den führenden Vertretern der französischen Stilllebenmalerei des späten 19. Jahrhunderts zählt, ist sein Bekanntheitsgrad hierzulande erstaunlich gering. Kunsthistorisch nimmt er eine Brückenstellung ein zwischen Jean Siméon Chardins (1699–1779) mit seiner Kunst des späten 18. Jahrhunderts und Paul Cézannes (1839–1906) avantgardistischen Werken. Als Schüler von Auguste Glaize (1807–1893) in Paris ging er weit über seinen romantischen Lehrer hinaus und etablierte sich neben François Bonvin (1817–1887) und Antoine Vollon (1833–1900) als Spezialist für die Darstellung der Nature morte. Schon Richard Muther erkannte in seiner Abhandlung über die Malerei des 19. Jahrhunderts (1893), dass sich Ribot stark von Frans Hals und Jusepe de Ribera beeinflusst zeigte. Das Stillleben hatte im Frankreich der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Gegensatz zu Deutschland seinen hohen Stellenwert behalten, und das obwohl – oder gerade weil – es zu einer akademisch minder angesehenen Gattung gehörte. Es lud mehr noch als das Historienbild oder die religiöse Malerei dazu ein, künstlerische Darstellungs- und Gestaltungsfragen von Perspektive und Komposition, Licht und Schatten, Oberfläche und Umriss experimentell zu erproben. Typisch für seine meisterhaften Stillleben der 1860er und 70er Jahre ist nicht nur die starke Reduzierung auf ausgewählte Gegenstände – hier einige geöffnete und geschlossene Walnüsse sowie eine grüne, bauchige Weinflasche, deren Korken gerade gelöst worden zu sein scheint –, sondern auch der dunkle Fond, vor dem das Bild mit herbstlicher Atmosphäre herausgearbeitet ist. Alle auf dem Tisch versammelten Objekte sind malerisch behandelt den Künstler interessierten wohl besonders die Lichtreflexionen auf dem Flaschenhals und die Schattenwürfe der Nüsse. Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird auf den Korken gelenkt, der, gelöst durch eine unsichtbare Hand, gerade im Fallen begriffen ist – wollte Ribot hier etwa der Nature morte durch ein malerisches Kunststück etwas Dynamik und Lebendigkeit verleihen? Deutlich spürt man in unserem Bild die zeitgenössische Anverwandlung der alten Meister aus Holland und Spanien, die Ribots Kunst so besonders macht und die ihn mit dem großen Realisten und fast gleichaltrigen Zeitgenossen Gustave Courbet (1819–77) verbindet. Ribot steht einerseits beispielhaft für das hohe Niveau der Kunst des Stilllebens im Frankreich des 19. Jahrhunderts und repräsentiert andererseits eine in Deutschland immer noch neu zu entdeckende Form von Realismus als subjektivem Ausdruck eigensinniger Künstlerpersönlichkeiten. Weitere Werke Ribots finden sich unter anderem im Amsterdamer Rijksmuseum und im Kunstmuseum Budapest, vor allem aber an seinem ehemaligen Wirkungsort Colombes bei Paris. Oliver Sukrow Théodule Ribot (Saint-Nicolas-d&apos Attez 1823 – 1891 Colombes) The Full Bottle. Oil on canvas on wood (cradled). 58,7 × 40,5 cm ( 23 ⅛ × 16 in.). Signed lower left: t. Ribot. [3061] Ausstellung: Théodule Augustin Ribot. Ein vergessener Meister. Hamburg, Galerie Hans, 2010, p. 4, with colour illustration („Stilleben mit Weinflasche und Früchten“)
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Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Art du 19e siècle
10719 Berlin - Germany
06/01/2016
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0