Lot no. 223
Uecker, Günther 1930 Wentdorf Modell zu einem kinetischen Nagelobjekt. 1970. Nägel auf Holzplatte(?) mit Leinen überzogen, weiß gefasst, montiert in einem Kasten aus festem Karton, 26,3 x 22,5 x 5,8cm. Provenienz: Architekturbüro Egon Eiermann Privatsammlung Bad Honnef Das Modell wurde von Günther Uecker 1970 angefertigt und diente als Vorlage für eine Supraporte im ehemaligen Abgeordnetenhaus des Deutschen Bundestages (Langer Eugen) in Bonn. Die Supraporte wurde 1970 im Auftrag des Architekten Egon Eiermann im Sitzungssaal 2109 ausgeführt, wo sie bis heute zu sehen ist. Die Authentizität der vorliegenden Arbeit wurde von Günther Uecker bestätigt und liegt in handschriftlicher Form vor. Ueckers bildnerisches Werk ist weitgehend bestimmt vom Nagel, den er seit 1957 als sein charakteristisches persönliches Darstellungsmittel benutzt. Das genagelte Bild ist zunächst zu sehen als Antithese zum gemalten Bild. Als starr ausgerichtetes, industriell geformtes Verarbeitungsmaterial ist der Nagel zur subjektiven Geste des Pinselstrichs nicht fähig. Mögliche Variationen der Gestaltung ergeben sich allein aus der verschiedenen Anordnung der Nägel - und auch diese hat Uecker bewusst eingeschränkt. [...] In ihrem Wesen [...] sind Ueckers Nagelbilder und -objekte bestimmt von der Intention, die Subjektivität der informellen Kunst zu überwinden, zu objektiven Strukturen vorzustoßen. Mit dem Wort Struktur ist dabei ein Schlüsselbegriff angesprochen. (Zit. aus: Ausst.-Kat. Günther Uecker, Bilder und Objekte. Das zeichnerische Frühwerk, Prägedrucke, Prägestöcke und Frottagen, Figurinen und Bühnenbildentwürfe zum Parsifal, Staatsgalerie Stuttgart, S. 15). Mit seinen Objekten, die sich auf Licht, Dynamik, Raum, deren Wechselwirkungen, Kombinations- und Variationsmöglichkeiten konzentrieren, wendet er sich auch der kinetischen Kunst zu. Die vorliegende Arbeit ist ein Modell zu einer kinetischen Lichtscheibe, die im Zuge eines Kunst-am-Bau-Auftrages 1970 realisiert wurde. Neben Günther Uecker wurden weitere Künstler, darunter HAP Grieshaber, Norbert Kricke, Georg Meistermann, Emil Schumacher, von dem zuständigen Architekten Egon Eiermann beauftragt, vor allem aus der Renaissance und dem Barock bekannte Supraporten - also Flächen oberhalb von Türen - zu gestalten, die in neun Sitzungssälen des ehemaligen Abgeordnetenbüros realisiert wurden. Seit den frühen 1960er Jahren widmet sich Uecker immer wieder dem Element der Lichtscheibe in unterschiedlichen Ausführungen. Die Arbeit in Bonn ist die einzige uns bekannte öffentlich verbaute Lichtscheibe. Sie beeindruckt durch ihre Größe und Qualität. Die in der Mitte platzierte benagelte Holzscheibe wird von einem Motor betrieben. Durch eine seitliche Lichtbestrahlung der rotierenden Nagelfläche, ergibt sich ein faszinierendes Schattenspiel, das sich kontraststark vom strengen Duktus der Installation abhebt. Das vorliegende Modell gibt den Grundgedanken dieser Arbeit in stark verkleinerter Größe sehr anschaulich wieder. Uecker, Günther 1930 Wentdorf Model for a kinetic nail object. 1970. Nails on wood panel (?) covered with linen, painted white, mounted in a box made of sturdy cardboard, 26,3 x 22,5 x 5,8. Provenance: Architecture Office of Egon Eiermann Private collection, Bad Honnef The model was completed by Günther Uecker in 1970 and considered the template for a Supraporte in the former Lower House of the German Parliament (Langer Eugen) in Bonn. The Supraporte was a commission in 1970 from the Egon Eiermann Architects in the boardroom 2109, where it can be seen today. The authenticity for the present work was confirmed by Günther Uecker and is included as a handwritten statement.
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Art Moderne
50968 Köln - Germany
06/07/2013
Offered by Van Ham
49 221 9258620