Lot no. 771
Uwe Lausen (Stuttgart 1941 – 1970 Beilstein)
„Jagd auf das letzte Fleisch“. 1967
Öl auf Leinwand. 160 × 201 cm ( 63 × 79 ⅛ in.). Unten links signiert, datiert, bezeichnet und betitelt: U LAU JAN 67 SADISMALOG 2: JAGD AUF DAS LETZTE FLEISCH. Auf dem Keilrahmen mit Filzstift in Schwarz signiert und bezeichnet: LAUSEN MÜNCHEN STERNSTR. 15. Dort auch Etiketten der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München / Galerie Schlichtenmaier, Stuttgart.
Selima 67/4.–
Craquelé. [3518]
Provenienz: Privatsammlung, Deutschland
Ausstellung: Köln, Galerie Gmurzynska, 1968, Kat.-Nr. 16, Abb. o.S. / München, Galerie Gunzenhauser, 1973, Kat.-Nr. 16, Abb. o.S. / München, Lenbachhaus, 1984, Kat.-Nr. 56, Farbabb. S. 97 / München, Galerie Gunzenhauser, 1985, Kat.-Nr. 24 / Bietigheim-Bissingen, Galerie Lore Saußele, 1986, Kat.-Nr. 20, Abb. o.S. / Köln, Galerie Daniel Buchholz, 1987 / München, Galerie Gunzenhauser, 1992, Kat.-Nr. 24 / München, Galerie Klewan, 1994 / Augsburg, Kunstverein Augsburg, 1996, Nr. 1 / Bruckmühl, Galerie Markt Bruckmühl, 2000, F.-Nr. 11, Farbabb. / Grafenau, Galerie Schlichtenmaier, 2005 / Ende Schön. Alles Schön. Frankfurt a. M., Schirn, 2010, Kat.-Nr. 44, Farbabb. S. 71
Literatur und Abbildung: Olbricht 1968, Abb. 5, S. 178 / Der Spiegel vom 13.8.1984, S. 117 / SZ vom 18.7.1984, S. 12 / Kunstforum 1984, Farbabb. S. 340 / Augsburger Allgemeine vom 20.7.1996 / FAZ vom 22.2.2010, Farbabb. o. S. / Spex 2010, Farbabb. S. 94
2010 zeigte die Schirn Kunsthalle in Frankfurt eine Retrospektive auf das Schaffen des Malers Uwe Lausen. Damit begann 40 Jahre nach seinem Tod die Wiederentdeckung eines ebenso radikalen wie faszinierenden Künstlers der Sechziger Jahre. Lausen, als Maler Autodidakt, hatte in München die Mitglieder der Künstlergruppe SPUR kennengelernt. Über diese schloß er sich der „Situationistischen Internationale“ (S.I.) an, einer europäischen Bewegung um Guy Debord, Asger Jorn und Constant, die sich einer Neupositionierung des Menschen in Kunst und Architektur verschrieben hatte. In der Situationistischen Internationale pflegte man die Idee des „détournement“, der Zweckentfremdung. Lausen griff das Konzept auf, indem er anfing, eine Vielzahl von Kunstströmungen in seinen Werken zu verarbeiten. Man findet bei ihm Zitate von Allen Jones, Friedensreich Hundertwasser und Francis Bacon, mitunter alle in einem einzigen Gemälde. Diese Art von Sampling stellte damals etwas vollkommen Neues dar. Die verstörenden „Soldatenbilder“, zu denen auch „Jagd auf das letzte Fleisch“ zählt, sind Lausens stärkste Arbeiten. In ihnen erkennt man den Einfluss der angelsächsischen Pop-Art am deutlichsten. Von dort übernimmt der Maler Verfremdungseffekte und die starke, einfache Farbigkeit. Die Wahl der Mittel steht in krassem Gegensatz zu dem Inhalt. In den „Soldatenbildern“ setzt sich der Künstler mit der Auflehnung einer jungen Generation gegen das hartnäckige und hilflose Schweigen der Eltern auseinander, die sich nach ihren Gewalterfahrungen im Krieg in einer neuen Gemütlichkeit bequem eingerichtet hatten. In einem undefinierbaren Bildraum, der von einem schrägen Horizont geteilt ist, sieht man einen Soldaten mit Maschinengewehr im Anschlag. Er schießt auf Menschen, die von einem friedlich-blauen Himmel herabstürzen. Der Soldat ist in harten Schwarz-Weiß-Kontrasten gemalt, die Stürzenden wirken wie aus Michelangelos „Jüngstem Gericht“. Doch das Entscheidende ist: Bei Lausen wird mit Farbe geschossen. Die Gewehrsalve ist dargestellt in bunten Farbellipsen. Bei aller Schärfe der Kritik, die sich auch gegen restaurative Tendenzen und staatliche Repression in der Bundesrepublik richtet, antwortet der unangepasste Künstler mit Malerei. Lausen konnte nicht ahnen, dass ein militanter Teil der außer- parlamentarischen Opposition nur wenige Jahre später echte Kugeln verwenden würde. OH
Uwe Lausen (Stuttgart 1941 – 1970 Beilstein)
„Jagd auf das letzte Fleisch“. 1967
Oil on canvas. 160 × 201 cm ( 63 × 79 ⅛ in.). Signed, dated, inscribed and titled lower left: U LAU JAN 67 SADISMALOG 2: JAGD AUF DAS LETZTE FLEISCH. On the stretcher signed and inscribed in black felt-tip pen: LAUSEN MÜNCHEN STERNSTR. 15. There also labels of the Städtische Galerie im Lenbachhaus, Munich / Galerie Schlichtenmaier, Stuttgart.
Selima 67/4.–
Craquelure. [3518]
Provenienz: Private collection, Germany
Ausstellung: Cologne, Galerie Gmurzynska, 1968, cat. no. 16, ill. unpaginated / Munich, Galerie Gunzenhauser, 1973, cat. no. 16, ill. unpaginated / Munich, Lenbachhaus, 1984, cat. no. 56, colour ill. p. 97 / Munich, Galerie Gunzenhauser, 1985, cat. no. 24 / Bietigheim-Bissingen, Galerie Lore Saußele, 1986, cat. no. 20, ill. unpaginated / Cologne, Galerie Daniel Buchholz, 1987 / Munich, Galerie Gunzenhauser, 1992, cat. no. 24 / Munich, Galerie Klewan, 1994 / Augsburg, Kunstverein Augsburg, 1996, no. 1 / Bruckmühl, Galerie Markt Bruckmühl, 2000, brochure no. 11, colour ill. / Grafenau, Galerie Schlichtenmaier, 2005 / Ende Schön. Alles Schön. Frankfurt a.M., Schirn, 2010, cat. no. 44, colour ill. p. 71
Literatur und Abbildung: Olbricht 1968, ill. 5, p. 178 / Der Spiegel, 13 Aug. 1984, p. 117 / SZ, 18 July 1984, p. 12 / Kunstforum 1984, colour ill. p. 340 / Augsburger Allgemeine,20 July 1996 / FAZ, 22 Feb. 2010, colour ill. unpaginated / Spex 2010, colour ill. p. 94
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