Lot no. 771
Uwe Lausen (Stuttgart 1941 – 1970 Beilstein) „Meine Zeitmaschine“. 1968 Öl auf Leinwand. 160 × 120 cm ( 63 × 47 ¼ in.). Unten links bezeichnet, signiert und datiert: MEINE ZEIT-MASCHINE LAU IN 68. Niggel 68/4.– [3346] Provenienz: Privatsammlung, Berlin Ausstellung: Uwe Lausen. Ende schön alles schön. Frankfurt am Main, Schirn; München, Museum Villa Stuck; Hamburg, Sammlung Falckenberg, 2010, Kat.-Nr. 51, Farbabb. S. 78 Versuchen wir den Titel der Arbeit wörtlich zu nehmen: Der Stuhl also ist Lausens Zeitmaschine, denn den anderen Elementen auf dem großformatigen Bild, einem verknäulten grünen Schlauch und einem roten Kreis, traut man eine Zeitreise eher nicht zu. Ein gewöhnlicher Thonet-Stuhl ist in verwegener Draufsicht gemalt, die Sitzfläche bildet ein Regenbogen. Der Regenbogen als Brücke in eine andere Welt ist ein altes Motiv. Bei Richard Wagner ziehen die Götter über einen Regenbogen in ihre neu errichtete Burg Walhall ein. Das Ende ist bekannt: Götter wie Burg gehen in Flammen unter. Daneben hat der Regenbogen aber auch etwas Kindlich-Naives. Diese Ambivalenz entspricht dem Wesen Uwe Lausens. Intellektuell bis zur Grenze der Arroganz, war er gleichzeitig verspielt und zart, wie wenige enge Freunde berichtet haben. Der Stuhl ist auf den roten Kreis ausgerichtet, der wie eine blutrote Sonne wirkt. Ansonsten herrscht eine große, weiße Leere auf dem Bild. Lausen haderte Zeit seines kurzen Lebens mit seiner Umwelt. Ein Gefühl der Fremdheit des Menschen in der Welt war ihm eigen. Er kämpfte mit künstlerischen Mitteln gegen eine von ihm als restriktiv wahrgenommene Gesellschaft in der Bundesrepublik. Geradezu manische Phasen malerischen Schaffens wechselten sich mit intensivem Drogenkonsum ab. Die gegenseitige Bedingtheit von Individuum und Gesellschaft, ihre Untrennbarkeit, empfand der Künstler als Bedrohung. Der Schlauch, der in anderen Bildern als Abflussrohr auftaucht, erinnert bewusst auch an menschliche Gedärme. Das Funktionale der Außenwelt dringt bei Lausen bis tief in den eigenen Körper ein. Malerisch ist Lausen auf der Höhe der Zeit. Seine späten Arbeiten wurden von den Zeitgenossen als deutsche Pop-Art angesehen. Die Toiletten, Wasserhähne und Badewannen in knalligen Farben verleugnen die Kenntnis der Arbeiten Tom Wesselmanns oder Claes Oldenburgs nicht. Doch sind sie bei Lausen nicht nur banale Alltagsgegenstände, sondern immer auch Zeichen eines bequem und träge machenden Wohlstands. Unser Bild ist das Zeugnis einer Suche nach einer besseren Welt, die allerdings gesichtslos bleibt. Oliver Hell Uwe Lausen (Stuttgart 1941 – 1970 Beilstein) „Meine Zeitmaschine“. 1968 Oil on canvas. 160 × 120 cm ( 63 × 47 ¼ in.). Inscribed, signed and dated lower left: MEINE ZEIT-MASCHINE LAU IN 68. Niggel 68/4.– [3346] Provenienz: Private collection, Berlin Ausstellung: Uwe Lausen. Ende schön alles schön. Frankfurt am Main, Schirn; Munich, Museum Villa Stuck; Hamburg, collection Falckenberg, 2010, cat. no. 51, colour ill. p. 78
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Drawings, watercolours and pastels
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Art Contemporain
10719 Berlin - Germany
06/02/2017
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0