Lot no. 26
Walter Dexel (München 1890 – 1973 Braunschweig)
„1923 III“. 1923
Öl auf Leinwand. 40 x 30 cm ( 15 ¾ x 11 ¾ in.). Unten mittig signiert und datiert: DEXEL 23 (in die frische Farbe geritzt). Auf dem Keilrahmen mit Bleistift signiert und bezeichnet (mit Pinsel in Schwarz wohl von fremder Hand nachgezogen): WALTER DEXEL 1923 III.
Nicht bei Wöbkemeier.–
[3492]
Provenienz: Paul Lutzeier, Detroit und Ann Arbor/ Michigan (erworben in Deutschland während seiner Tätigkeit 1946 bis 1953 für die US-amerikanische Militärregierung in Berlin, seitdem in Familienbesitz)
Der lyrische Anteil in Walter Dexels konstruktivistischen Kompositionen, der sich vor allem in der Verwendung gemischter Farben ausdrückt, verdankt sich seiner pragmatischen Bindung an die Wirklichkeit der Empfindungen. Als gelernter Werbegestalter und Typograph verstand Dexel etwas von Wahrnehmungspsychologie und war sich der Tatsache bewußt, daß die „reine“ Lehre der „absoluten“ Bildgestaltung zwar auf dem Papier einen guten Eindruck hinterlassen mag, aber nicht unbedingt die Menschen in der Intensität erreicht, die ihren Verfechtern vorschwebt. Dexel, der für sich „weder die mystisch-philosophischen Grundgedanken des de Stijl noch die Begrenzung des formalen Kanons auf die gerade Linie, den rechten Winkel und die Grundfarben“ akzeptierte (so Walter Vitt im Werkverzeichnis der Druckgraphik, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 1971, S. 6/7), verwandelt damit in seinen abstrakten Bildern grundsätzlich das ausschließende Prinzip der Beschränkung in ein den Betrachter einschließendes Verständnis der Erweiterung.
Zwar bleibt er in der Komposition „1923 III“ der geraden Linie und dem rechten Winkel treu, aber die formale Strenge dieser Entscheidung wird durch die Wahl der Farben nahezu hintertrieben.
Es gibt hier keine reine, ungemischte Farbe. Das Kolorit bewegt sich in einem für konstruktivistische Gestaltungen unüblichen Gefilde von Erd- bzw. Naturtönen wie Dunkelgrün, Blaßgelb, Braun und Ocker. Die Temperatur ist eher warm. Der Gegensatz von statischer Formgebung und dem Lyrismus der Farben bringt eine Spannung in das Bild, die subtil und unspektakulär, aber dennoch sehr wirkungsvoll ist. Dies ist das Gemälde eines Meisters, der „seinen“ Konstruktivismus kennt und über die nötige Souveränität verfügt, sich auch ein wenig außerhalb der Regeln zu bewegen. Vielleicht begründet das einen Teil der sympathischen Anmutung, die das Bild in seinem kleinen Format ausstrahlt. (MS)
Wir danken Dr. Ruth Wöbkemeier, Bremen, für die freundliche Bestätigung der Authentizität des Gemäldes
Walter Dexel (Munich 1890 – 1973 Brunswick)
„1923 III“. 1923
Oil on canvas. 40 x 30 cm ( 15 ¾ x 11 ¾ in.). Signed and dated in the lower centre: DEXEL 23 (scratched into the wet paint). On the stretcher in pencil signed and inscribed (retraced with brush in black, presumably by another hand): WALTER DEXEL 1923 III.
Not in the catalogue raisonné by Wöbkemeier.–
[3492]
Provenienz: Paul Lutzeier, Detroit and Ann Arbor/ Michigan (acquired in Germany during his time working for the US military regime in Berlin, 1946-1953, thence by descent to the present owner)
We would like to thank Dr. Ruth Wöbkemeier, Bremen, for kindly confirming the authenticity of the painting
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