Lot no. 27
Walter Dexel (München 1890 – 1973 Braunschweig)
„GLASBILD II“ ODER „BLAUE SCHEIBE“. 1928
Hinterglasmalerei im Künstlerrahmen. 46,5 x 39,6 cm (Rahmen) ( 18 ¼ x 15 ⅝ in. (Rahmen)). Auf der Rückwand mit Pinsel in Schwarz signiert, datiert und bezeichnet: WALTER DEXEL 1928 II. Auf der Rückseite des Schmuckrahmens ein Etikett der Galerie Gmurzynska, Köln.
Wöbkemeier 344.–
[3422]
Provenienz: Carl Laszlo, Basel / Galerie Bargera, Köln / Privatsammlung, Rheinland
Ausstellung: Walter Dexel. Bild, Zeichen, Raum. Bremen, Kunsthalle; Wuppertal, Von der Heydt-Museum; Berlin, Bauhaus-Archiv; Wolfsburg, Kunstverein; Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 1990/91, Kat.-Nr. 71, S. 177 / Konstruktivismus – Entwicklungen und Tendenzen seit 1913. Köln, Galerie Gmurzynska und Bargera, 1972, Kat.-Nr. 110, ganzs. Farbabbildung [irrtümlich auf dem Kopf stehend abgebildet]
In wenigen Jahren schuf Walter Dexel Anfang der zwanziger Jahre ein singuläres abstraktes Werk. Die Hinterglasbilder nehmen darin eine Ausnahmestellung ein – in einer der ältesten künstlerischen Techniken, die ihre Blüte in den Kathedralen der Gotik erlebte, entwarf Dexel Werke von größter Modernität. Während seinen Collagen und Gemälden immer eine spezifische Form von warmer Abstraktion zu eigen ist, weil er der Harmonie am Ende doch immer den Vorzug gab vor der Dekonstruktion und weil sie leben von der spröden, trockenen Materialität der Collagepapiere und der Ölfarben (siehe Los 26), kommt in den Hinterglasbildern eine zusätzliche Dimension hinzu: ein stolzer Glanz der Perfektion.
So unterscheiden sich die Hinterglasbilder vor allem dadurch von seinem übrigen Werk, daß Sie durch die Verglasung zu Ende gedacht und fixiert erscheinen. Wo ansonsten die geometrischen Formen bei Dexel immer wirken, als sei das Dargestellte nur eine Möglichkeit unter vielen und als könne sich das ganze fein austaurierte Gefüge durch einen Lufthauch auch wieder in Bewegung setzen, so sind die Hinterglasbilder abgeschlossene Manifestationen einer neuen Form. „Glasbild 1928 II oder Blaue Scheibe“ ist das drittletzte Hinterglasbild, das Dexel überhaupt schuf. Die Hinterglasbilder markieren den Gipfelpunkt von Walter Dexels solitärem künstlerischem Werdegang.
Es war Dexel selbst, der erkannte, daß der Weg für ihn an dieser Stelle zu Ende gedacht war. Denn er war von dem Gedanken an eine künstlerische Durchdringung der Gesellschaft erfüllt und war parallel zu seinem künstlerischen Werk in Jena auch als Typograph und Werbegrafiker tätig, entwarf Straßenbeleuchtung, Richtungsweiser – und Leuchtreklamen. Gerade diese Leuchtreklamekästen mit Werbung schienen ihm dann selbst eine neue Richtung zu weisen – ganz hin zur angewandten Kunst. Für über vierzig Jahre pausierte er dann als Maler. Und heute, fast hundert Jahre nach dem Entstehen, kann man in der formvollendeten Schönheit einer Hinterglasmalerei wie unserem „Glasbild 1928 II“ erkennen, daß da in der Tat eine gesamte Avantgardebewegung ihren gültigen Ausdruck gefunden hatte. Der blaue Halbkreis kann nur dort links unten stehen und das Orange kann das Weiß nur so begleiten. Das ganze Bild drückt aus: Da geht es lang.
Fünf Werke gibt es überhaupt nur aus dem Jahre 1928 von ihm – er war auf dem Absprung. Wenig später wendete er sich ganz der Reklame zu, der Photographie, der Typographie. Mit seinen Hinterglasbildern schuf er gleichsam bereits die einzigen Reklametafeln für die Schönheit der Abstraktion und für die Kraft der Geometrie, die es in der Kunst des 20. Jahrhunderts gegeben hat. (FI)
Walter Dexel (Munich 1890 – 1973 Brunswick)
„GLASBILD II“ ODER „BLAUE SCHEIBE“. 1928
Glass painting in artist's frame. 46,5 x 39,6 cm (frame) ( 18 ¼ x 15 ⅝ in. (frame)). Signed, dated and inscribed on the back board with brush in black: WALTER DEXEL 1928 II. On the reverse of the decorative frame a label of the Galerie Gmurzynska, Cologne.
Wöbkemeier 344.–
[3422]
Provenienz: Carl Laszlo, Basel / Galerie Bargera, Cologne / private collection, Rhineland
Ausstellung: Walter Dexel. Bild, Zeichen, Raum. Bremen, Kunsthalle; Wuppertal, Von der Heydt-Museum; Berlin, Bauhaus-Archiv; Wolfsburg, Kunstverein; Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 1990/91, cat. no. 71, p. 177 / Konstruktivismus – Entwicklungen und Tendenzen seit 1913. Cologne, Galerie Gmurzynska und Bargera, 1972, cat. no. 110, full page colour ill. [erroneously illustrated upside down]
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