Lot no. 6
Walter Leistikow (1865 Bromberg – 1908 Berlin)
Grunewaldsee.
Öl auf Leinwand. 75,5 × 100,5 cm ( 29 ¾ × 39 ⅝ in.). Unten links signiert: W. Leistikow.
Kleine Retuschen. [3627]
Provenienz: Galerie Springer, Berlin (1989) / Privatsammlung, Berlin
Ausstellung: Walter Leistikow (1865 – 1908), Maler der Berliner Landschaft. Berlin, Haus am Waldsee; München, Museum Villa Stuck; Kiel, Kunsthalle, und Bydgoszcz (Bromberg), Muzeum Okregowe w Bydgoszczy, 1989/90, Kat.-Nr. 35, mit Abbildung / Norbert Bisky. Ich war's nicht. Berlin, Haus am Waldsee, 2007/08, ganzseitige Farbabbildung S. 14
Was Lesser Ury für die Schilderungen von Berliner Straßenzügen ist, das ist Leistikow für die Umgebung. „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, möchte man vor vielen seiner Seenlandschaften ausrufen, die sich aber, wie in unserem Bild, auch bis in die Peripherie der Metropole hinein erstrecken können. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts war der Grunewald noch eine von der Großstadt weit entfernte Region, in der sich erst allmählich wohlhabende Bürger ansiedelten. Da Leistikows Gemälde immer ohne menschliche Staffage auskommen, wird der Eindruck einer poetischen, menschenleeren und geradezu verzauberten Szenerie noch verstärkt. In seinem Aufbau folgt das Bild der Tradition: Stämme hoch aufragender Kiefern am rechten vorderen Rand, von dort schweift der Blick, dem Ufer folgend, zum malerischen Spiegel des Sees. Eine lichte Himmelszone mit effektvoll verlöschendem Abendrot schließt die Komposition ab.
Leistikows Größe besteht darin, daß er den Schauplatz nie als Idylle verkleidete. Die einfache Nüchternheit des Naturvorbildes sah er als Realist, die atmosphärischen Akzente setzte er in der Erkenntnis, daß es über das reine Wahrnehmungsvermögen auch noch im Menschen verborgene Empfindungen gibt. Ihnen nachzuspüren, wollte seine Kunst ermöglichen. Die Sparsamkeit der inhaltlichen wie auch die Konzentration der malerischen Mittel, von Duktus wie Kolorit sind ein eindrucksvolles Zeugnis für die Modernität Leistikows. Er kannte keinen horror vacui, er zelebrierte die Leere an den Ufern seiner Seen. Lovis Corinth schätzte den Künstler sehr und folgte schließlich seinem Drängen, sich in Berlin niederzulassen. Da war Leistikow schon fast am Ende seiner Kräfte. Eine schwere Krankheit führte bereits 1908 zum Tod des Malers. Etwas wie Abschied liegt auch über vielen seiner Bilder. In ihrer Zeitlosigkeit kommen sie auch ohne Menschen aus. (EO)
Walter Leistikow (1865 Bydgoszcz – 1908 Berlin)
Grunewaldsee.
Oil on canvas. 75,5 x 100,5 cm ( 29 ¾ x 39 ⅝ in.). Signed lower left: W. Leistikow.
Minor retouchings. [3627]
Provenienz: Galerie Springer, Berlin (1989) / private collection, Berlin
Ausstellung: Walter Leistikow (1865 – 1908), Maler der Berliner Landschaft. Berlin, Haus am Waldsee; Munich, Museum Villa Stuck; Kiel, Kunsthalle, and Bydgoszcz (Bromberg), Muzeum Okregowe w Bydgoszczy, 1989/90, cat. no. 35, with ill. / Norbert Bisky. Ich war's nicht. Berlin, Haus am Waldsee, 2007/08, full-page colour ill. p. 14
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