Lot no. 316
Wilhelm Wagenfeld (Bremen 1900 – 1990 Stuttgart)
„Tischlampe aus Glas“ - Modell: MT 9 (Vorarbeiten von Carl Jacob Jucker). 1923/24 / Ausführung 1924
Kristallglas, Glasrohr mit eingeschmolzenem blauen Faden; Messing, Stahl, vernickelt; Technikporzellan; originale Verkabelung – Hersteller: Metallwerkstatt des Staatlichen Bauhauses Weimar. 37,5 cm; Ø 17 cm ( 14 ¾ in.; Ø 6 ¾ in.). Am Glasrohr eingeätzt: Felsenglas.
[3288]
Provenienz: Privatsammlung, Hannover (bis Anfang der 1990er-Jahre) / Kunsthandel, Hannover / Stefan Züchner, Hannover (bis 1996) / Galerie Ulrich Fiedler, Köln (ab 1996) / Alexander von Vegesack (2004) / Galerie Ulrich Fiedler, Köln (bis 2006) / Privatsammlung, Norddeutschland
Ausstellung: Kunst, Technik und Design - das bauhaus. Ausstellung anläßlich der 28. Kunst- und Antiquitäten-Messe Hannover-Herrenhausen. Hannover, 1996
Literatur und Abbildung: Magdalena Droste: Die Bauhaus-Leuchte von Carl Jacob Jucker und Wilhelm Wagenfeld. Frankfurt am Main, 1997, Abb. S. 18 und S. 25 (dort als Exemplar im Bauhaus-Archiv Berlin bezeichnet) / Auktion: Masterworks from the Collection of Alexander von Vegesack. New York, Phillips de Pury & Company, 8.12.2005, Kat.-Nr. 70
Bereits 1928 bezeichnete sie der Werkbund-Protagonist und Kunstkritiker Wilhelm Lotz nur noch als „Bauhaus-Lampe“. Tatsächlich versinnbildlicht Wagenfelds Entwurf aus dem Jahr 1923/24 so markant wie nur wenige Objekte die Bestrebungen und Überzeugungen des Bauhauses, des Mekkas moderner Gestaltung im 20. Jahrhundert. „Eine runde Platte, ein zylindrisches Rohr und ein kugelförmiger Schirm sind ihre wichtigsten Teile“, so umschrieb Wagenfeld selbst die Lampe kurz und treffend in einem zeitgenössischen Beitrag. Neben ihrer Formensprache – die in Ansätzen noch an alte Petroleumleuchten erinnert – sind es die Materialien Glas, Eisen und vernickeltes Messing in der Kombination mit elektrischem Licht, die die Leuchte so ganz und gar dem Geist der Moderne entsprechen lassen. Als Formmeister der Metallwerkstatt war es der Ungar László Moholy-Nagy, der Wagenfeld zum Entwurf der Leuchte anregte. Welch Potenzial die Bauhaus-Leitung der Leuchte von Anfang an beimaß, wird schon dadurch ersichtlich, dass auf die erste Ausführung mit Fuß und Schaft in Metall unmittelbar eine entsprechende Variante in Glas folgte. Wagenfeld griff dabei in Ansätzen auf Studien des Schweizer Bauhaus-Schülers Carl Jacob Jucker zurück, der die Schule mittlerweile verlassen hatte. So hatte sich Jucker bereits im Vorfeld mit dem Entwurf einer Tischleuchte aus Glas auseinandergesetzt, ohne jedoch zu überzeugenden Resultaten gelangt zu sein. Erst Wagenfelds Entwurf, mit von ihm gewählten Proportionen, sowie der Verwendung des gläsernen Schirms und den von im stammenden konstruktionsbedingten technischen Lösungen, gab der Leuchte schließlich ihr endgültiges Erscheinungsbild.
Dass die vom Bauhaus angestrebte massenhafte Verbreitung ausblieb, die Leuchte nur bis etwa 1933 in kleinen Auflagen hergestellt wurde und aufgrund ihres nicht blendungsfreien, statischen Schirms als Schreibtischleuchte eher ungeeignet ist, hat ihrer Popularität keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: Die großen Architekten der Moderne wie Bruno Taut, Adolf Loos, Ludwig Mies van der Rohe, Walter Gropius oder Ferdinand Kramer verwendeten sie allesamt für ihre Einrichtungen. Heute ist die „Bauhaus-Lampe“, seit 1980 in Reedition hergestellt, zum Synonym des guten Geschmacks geworden. Verschwindend gering sind jedoch - außerhalb der Museen - die Originale aus der Zeit, als das Bauhaus diesen Design-Klassiker erfand. CW
Ein zweites (oder identisches) Exemplar der Wagenfeld-Tischlampe findet sich auf Interieurfotos von Ferdinand Kramer aus dem 1920er-Jahren (und Prospekt des Warenhauses Oberzenner Frankfurt am Main: Siedlungsmöbel ... nach Entwürfen von Dipl.-Ing. F. Kramer, 1925 und Kramers Prospekt für Typenmöbel für die Hausrat GmbH, 1925)
Wir danken Magdalena Droste, Berlin, für freundliche Hinweise
Wilhelm Wagenfeld (Bremen 1900 – 1990 Stuttgart)
„Tischlampe aus Glas“ - model: MT 9 (preliminary work by Carl Jacob Jucker). 1923/24 / execution 1924
Crystal glass, glass tube with melted in blue thread; brass, steel, nickel-plated; porcelain; original wiring – manufacturer: Metallwerkstatt des Staatlichen Bauhauses Weimar. 37,5 cm; Ø 17 cm ( 14 ¾ in.; Ø 6 ¾ in.). Etched in on glass tube: Felsenglas.
[3288]
Provenienz: Private Collection, Hanover (until the early 1990s) / art dealership, Hanover / Stefan Züchner, Hanover (until 1996) / Galerie Ulrich Fiedler, Cologne (from 1996) / Alexander von Vegesack (2004) / Galerie Ulrich Fiedler, Cologne (until 2006) / Private Collection, northern Germany
Ausstellung: Kunst, Technik und Design - das bauhaus. Exhibition to mark the 28th Kunst- und Antiquitäten-Messe Hannover-Herrenhausen. Hanover, 1996
Literatur und Abbildung: Magdalena Droste: Die Bauhaus-Leuchte von Carl Jacob Jucker und Wilhelm Wagenfeld. Frankfurt am Main, 1997, ill. p. 18 and p. 25 (described as being part of the Bauhaus-Archiv Berlin) / auction: Masterworks from the Collection of Alexander von Vegesack. New York, Phillips de Pury & Company, 8.12.2005, cat. no. 70
A second (or identical) copy of the Wagenfeld-Tischlampe is depicted on interior photographs by Ferdinand Kramer from the 1920s (and catalogue of Warenhaus Oberzenner Frankfurt am Main: Siedlungsmöbel ... nach Entwürfen von Dipl.-Ing. F. Kramer, 1925 and Kramer's catalogue Typenmöbel für Hausrat GmbH, 1925).
We would like to thank Magdalena Droste, Berlin, for kindly providing additional information.
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