Lot no. 56
Willi Baumeister (1889 Stuttgart – 1955 Stuttgart)
„Montaru mit Gondel“. 1955
Mischtechnik auf Hartfaser. 41 × 32,5 cm ( 16 ⅛ × 12 ¾ in.). Unten rechts mit Bleistift signiert und datiert (in die nasse Farbe geritzt): Baumeister 55. Rückseitig unten der Stempel in Blau: atelier willi baumeister.
Beye/Baumeister 1970.–
[3643]
Provenienz: Nachlaß des Künstlers / Privatsammlung, Luxemburg
Literatur und Abbildung: Will Grohmann: Willi Baumeister - Leben und Werk, Köln, 1963, Werkverzeichnis Nr. 1492 (als „Montaru 5c"), Abb. S. 337
Mit „Montaru“ gelangte Willi Baumeister nach den Serien „Safer“, „Ari“, „Monturi“ in den1950er Jahren zum Höhepunkt seiner Malerei, mit der er das „Unsichtbare in der Kunst“, wie er auch sein kurz zuvor erschienenes berühmtes Buch betitelte, zu fassen suchte. Das Schwarz findet sich bereits in Baumeisters früherem Schaffen. In den dreißiger Jahren entwickelte er aus den Sportbildern, die in enger Beziehung zum Neoplastizismus aber auch zu den abstrahierten Körperstudien Oskar Schlemmers stehen, dunkle Formen. Ihnen folgen nach 1945 die amorphen Figurationen von „Montaru“.
Wie aus dem Nichts tauchen eine große Form und kleinere, längliche darunter in Schwarz auf. Farbige Einsprengsel hinter dem scheinbar unbeweglich im Raum schwebenden Schwarz werden sichtbar, verstreute bunte Elemente, fadendünne Anhängsel und körnige Strukturen auf dem Grund. Sie lassen erahnen, es bewegt sich etwas. Das Schwarz läßt die Farben an seinen Rändern leuchten: kräftiges Blau und Rot, eine Tupfer in hellem Türkis und oben etwas Gelb, das an der unteren Bildkante noch einmal aufscheint.
Das intensive Schwarz auf der Bildfläche ist ein Sinnbild von elementarer Kraft. Diese in untergründigen Schichten angesiedelten Kräfte mit seiner Kunst freizulegen, war Baumeisters Bestreben. In der gedanklichen Konzeption und geistigen Durchdringung seiner Kunst nimmt er dadurch erneut eine Sonderstellung in der deutschen Malerei ein. So wie etwa sein Frühwerk von der Konfrontation mit dem Expressionismus geprägt war und er nach 1945 für sich selbst mit dem Gilgamesch-Zyklus eine Bestandsaufnahme des menschlichen Daseins erstellte, so ist „Montaru“ ein erneutes Signal, was Malerei sein kann. Wenn angesichts mancher Ausprägungen zeitgenössischer Kunst immer wieder beklagt worden ist, daß der Malerei ihre gewichtige Rolle genommen werden könnte, sollten sich die Künstler vielleicht auf ihre geistigen Ressourcen besinnen. In ihnen stecken unendliche Möglichkeiten der Sichtbarmachung der Innenwelt, der Erkenntnis durch stetiges Lernen und der Festigung des eigenen Standorts. Willi Baumeister wußte um diese Kräfte und hat sie lebenslang für sich und seine Kunst genutzt. (EO)
Willi Baumeister (1889 Stuttgart – 1955 Stuttgart)
„Montaru mit Gondel“. 1955
Mixed media on masonite. 41 × 32,5 cm ( 16 ⅛ × 12 ¾ in.). Signed and dated in pencil lower right (incised into the wet paint): Baumeister 55. On the reverse at the bottom the stamp in blue: atelier willi baumeister.
Beye/Baumeister 1970.–
[3643]
Provenienz: Estate of the artist / private collection, Luxembourg
Literatur und Abbildung: Will Grohmann: Willi Baumeister - Leben and Werk, Cologne, 1963, catalogue raisonné no. 1492 (as „Montaru 5c"), ill. p. 337
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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