Lot no. 23
William Wauer (Oberwiesenthal 1866 – 1962 Berlin)
Porträt Herwarth Walden. 1919
Öl auf Leinwand. 65 × 49 cm ( 25 ⅝ × 19 ¼ in.). Oben links monogrammiert: WW. Auf der Rückpappe der dorthin übertragene Aufkleber der Ausstellung Berlin 1921 und das Etikett der Ausstellung Los Angeles 1988 (s.u.). Dort auch auf einem Adressaufkleber des Künstlers datiert: 1919.
[3579]
Provenienz: Besitz des Künstlers (1961) / Privatsammlung, Norddeutschland (nach 1961 erworben, seitdem in Familienbesitz)
Ausstellung: Hundertste Ausstellung: Zehn Jahre Sturm. Gesamtschau. Berlin, Der Sturm, 1921, Kat.-Nr. 113 („Portraitstudie“) / Herwarth Walden und die Europäische Avantgarde, Berlin 1912–1932. Berlin, Nationalgalerie, in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg, 1961, Kat.-Nr. 137 / William Wauer. Skulpturen und Gemälde. Marl, Skulpturenmuseum „Glaskasten“, 1980, Abb. S. 113 / German Expressionism 1915–1925. The Second Generation / Expressionismus. Die zweite Generation. Los Angeles, County Museum of Art; Fort Worth, Art Museum; Düsseldorf, Kunstmuseum, und Halle, Staatliche Galerie Moritzburg, 1988/89, S. 189, Kat.-Nr. 199 m. Abb., und S. 44, Abb. 5 / Der Sturm. Chagall, Feininger, Jawlensky, Kandinsky, Klee, Kokoschka, Macke, Marc, Schwitters und viele andere im Berlin der zehner Jahre. Delmenhorst, Städtische Galerie, 2000, S. 254, Abb. S. 255
Berlin, 12. April 1912: Der Musiker, Schriftsteller, Publizist und Kunsthändler Herwarth Walden zeigt in seiner „Sturm-Galerie“ die erste Ausstellung italienischer Futuristen in Deutschland mit Werken von Umberto Boccioni, Gino Severini, Carlo Carrà und Luigi Russolo. Auch der 1866 im sächsischen Oberwiesenthal geborene William Wauer besuchte die aufsehenerregende Ausstellung in der „Sturm-Galerie“. Nachdem er eine klassisch akademische Kunstausbildung in Dresden, Berlin und München absolviert hatte, bildete er sich in San Francisco und New York weiter und begann dann, als Werbegrafiker, Feuilletonredakteur und Herausgeber von Zeitschriften zu arbeiten. 1905 besuchte er die Regieklasse von Max Reinhardt am Deutschen Theater und wurde schließlich Regisseur am Neuen und am Hebbel-Theater. Er machte sich mit dem Kleinen Theater Unter den Linden selbständig und lernte in diesem Zusammenhang auch den zwölf Jahre jüngeren Herwarth Walden kennen.
Es entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit und enge Freundschaft. 1911 feierten Wauer und Walden die Premiere der Pantomime „Die vier Töchter der Fiametta“, für die Walden die Musik komponierte und Wauer als Regisseur und Hauptdarsteller fungierte; die Inszenierung gilt als erster Höhepunkt der Theaterarbeit des „Sturm“.
Schließlich war es die besagte Futuristen-Ausstellung in der „Sturm-Galerie“, die William Wauer dazu bewog, neben seiner Tätigkeit als Regisseur zur bildenden Kunst zurückzukehren. Was er dort sah, hat ihn in seiner Explosivität und Dynamik so mitgerissen, dass er selbst wieder anfing, schöpferisch tätig zu werden. Auch unser „Porträt Herwarth Walden“ entstand infolge der Begegnung Wauers mit den italienischen Futuristen und zeigt den Tausendsassa Walden als das, was er nicht nur für seinen Freund und Kollegen Wauer verkörperte: einen Dreh- und Angelpunkt der aufstrebenden Moderne, der internationale Strömungen, wie den Kubismus und den Futurismus mit dem Expressionismus zusammenbrachte und so mit seiner „Sturm“-Bewegung ein internationales Forum für die Avantgarde in Deutschland schuf. Die Frische und die Spontanität unseres Gemäldes zeugen von der hohen Energie und agilen Ausstrahlung, die den Protagonisten der Bewegung stets umgeben haben müssen. Auch Oskar Kokokscha befand sich unter den Mitstreitern des „Sturms“ und schuf ein Porträt von Herwarth Walden, das sich heute in der Staatsgalerie Stuttgart befindet.
Ausdruck für die enge Beziehung zwischen Wauer und Walden ist auch die Porträtbüste Waldens, die im Jahr 1917 entstanden war. Das Bildnis des „Sturm“-Gründers ist das erste plastische Porträt Wauers und stellt gleichzeitig sein berühmtestes Werk dar. Auch aus heutiger Sicht zählt es zu den bedeutendsten plastischen Werken des deutschen Expressionismus. NB
William Wauer (Oberwiesenthal 1866 – 1962 Berlin)
Porträt Herwarth Walden. 1919
Oil on canvas. 65 × 49 cm ( 25 ⅝ × 19 ¼ in.). Monogrammed upper left: WW. Label of the Berlin Exhibition 1921 transferred onto the cardboard backing and label of the Los Angeles Exhibition 1988 (see below). Dated address sticker of the artist: 1919.
[3579]
Provenienz: Collection of the artist (1961) / Private Collection, Northern Germany (acquired after 1961, thence by descent to the present owner)
Ausstellung: Hundertste Ausstellung: Zehn Jahre Sturm. Gesamtschau. Berlin, Der Sturm, 1921, cat. no. 113 („Portraitstudie“) / Herwarth Walden und die Europäische Avantgarde, Berlin 1912–1932. Berlin, Nationalgalerie, in the orangery of Schloss Charlottenburg, 1961, cat. no. 137 / William Wauer. Skulpturen und Gemälde. Marl, Skulpturenmuseum „Glaskasten“, 1980, illustration p. 113 / German Expressionism 1915–1925. The Second Generation / Expressionismus. Die zweite Generation. Los Angeles, County Museum of Art; Fort Worth, Art Museum; Düsseldorf, Kunstmuseum, and Halle, Staatliche Galerie Moritzburg, 1988/89, p. 189, cat. no. 199 with illustration, and p. 44, illustration 5 / Der Sturm. Chagall, Feininger, Jawlensky, Kandinsky, Klee, Kokoschka, Macke, Marc, Schwitters und viele andere im Berlin der zehner Jahre. Delmenhorst, Städtische Galerie, 2000, p. 254, illustration p. 255
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Find similar lots for sale on Interencheres
See more lots for sale on Interencheres
Value:€80,000 - €120,000
Live
06/17/2026
Offered by AGUTTES
Value:€1,200 - €1,500
Live
06/25/2026
Offered by Arenberg Auctions
Value:€450 - €600
Live
06/28/2026
Offered by Militaria auctions
Value:€100 - €200
Live
06/28/2026
Offered by Militaria auctions
Value:€50 - €80
Live
06/28/2026
Offered by Militaria auctions