Lot no. 811
Wojciech Fangor (Warschau 1922 – 2015 Błędów)
„B 71“. 1965
Öl auf Leinwand. 60,5 × 60,5 cm ( 23 ⅞ × 23 ⅞ in.). Rückseitig mit Filzstift in Schwarz signiert, betitelt und datiert: FANGOR B[erlin] 71 1965. Auf dem Keilrahmen ein Etikett der Galerie Springer, Berlin.
[3229]
Provenienz: Privatsammlung, Berlin
„Ich höre immer wieder, dass Fangor so gut sei, weil er eine Bilderschau bei Guggenheim hatte. Nein, ihr Lieben, er hatte sie, weil er so gut ist.“ (Wojciech Fangor)
Der im letzten Jahr verstorbene polnische Maler Wojciech Fangor ist zweifellos einer der faszinierendsten Vertreter der Op-Art. Seine Idee, den Raum zwischen Werk und Betrachter zu aktivieren und somit die Malerei aus der Zweidimensionalität zu befreien, erprobte er erstmalig bei einer Bild-Raum-Installation in Warschau 1958. 1964/65 arbeitete er auf Einladung der Ford Foundation in Berlin. Hier entstand unsere Arbeit. 1965 war eine seiner Arbeiten Teil der Ausstellung „The Responsive Eye“ im Museum of Modern Art in New York, die einen ersten umfassenden Überblick über die Kunst der Op-Art zeigte. Im Jahr darauf immigrierte er in die USA, wo er über drei Jahrzehnte arbeitete und lehrte. Vor zwei Jahren ermöglichte die Londoner Ausstellung „Color, Light, Space“ eine Wiederbegegnung mit dem Maler. Sie sei eine „Offenbarung“ gewesen, schrieb die „New York Times“ in ihrem Nachruf auf Fangor. Der Maler sei ein „Meister der Unschärfe. Der Eindruck von Bewegung sei manchmal so auffällig, dass es aussehe, als ob die Pigmente auf der Bildebene tanzten.“ Im selben Artikel wird der Kritiker John Canaday zitiert, der die Arbeit Fangors seit dessen Übersiedlung in die USA begleitet hatte. Canaday wies darauf hin, dass es Fangor nicht genügt habe, die optischen Gesetze der Physik in seinen Arbeiten anzuwenden. Vielmehr ermögliche erst seine einzigartige Kombination von Farben dem Betrachter neue Erfahrungen. Über das rein Gesetzmäßige öffne Fangor einen Raum ins Geheimnisvolle. Fangor sei für ihn „the great romantic of Op Art“.
Tritt man vor das Bild, beginnen schon nach wenigen Augenblicken die von Orange zu Grün changierenden Ringe zu pulsieren. Die zentrale Kreisform in delikatem Violett wird zu einer „Kugel“, die aus der Leinwand herauszutreten scheint und nun im Raum zwischen Betrachter und Bild schwebt. Und tatsächlich ist die Wirkung der Farben in ihrem Wechsel von Wärme und Kühle von besonderer Schönheit. Oliver Hell
Wojciech Fangor (Warsaw 1922 – 2015 Błędów)
„B 71“. 1965
Oil on canvas. 60,5 × 60,5 cm ( 23 ⅞ × 23 ⅞ in.). On the reverse signed, titled and dated in black felt-tip pen: FANGOR B[erlin] 71 1965. On the stretcher a label of Galerie Springer, Berlin.
[3229]
Provenienz: Private collection, Berlin
Ausstellung:
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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