Lot no. 3028
GIOVANNI GIACOMETTI
(Stampa 1868–1933 Glion)
Fiammetta II. 1909.
Oil on canvas.
Monogrammed and dated lower left: G.G. 1909.
76.5 × 61 cm.
Provenance:
- Collection of Oscar Miller, Biberist, acquired directly from the artist.
- By descent to the current collection.
Exhibited:
- Zurich 1910, Ausstellung zur Eröffnung des Kunsthauses, Kunsthaus Zürich, 17.4.–3.7.1910, no. 359, as "Fiametta".
- Winterthur 1996, Giovanni Giacometti 1868–1933, Kunsmuseum Winterthur, 1.9.–24.11.1996, no. 87.
- London and Zurich 2008/09, Rivoluzione! Italienische Moderne von Segantini bis Balla, National Gallery; Kunsthaus Zürich, 18.6.–7.9.2008; 26.9.2008–11.1.2009, no. 74 (with the label on the reverse).
- Bern and Chur 2009/10, Giovanni Giacometti. Farbe im Licht, Kunstmuseum Bern; Bündner Kunstmuseum, 30.10.2009–21.2.2010; 27.3.–24.5.2010, no. 34.
- The work was exhibited in 2016–2025 as a loan to the Bündner Kunstmuseum, Chur.
Literature:
- Albert Baur: Das neue Zürcher Kunsthaus. Die Eröffnungsausstellung, in: Wissen und Leben, Zurich 1910, vol VI, pp. 381 ff.
- Hans Trog: Die Eröffnungsausstellung im Zürcher Kunsthaus IV, in: Neue Zürcher Zeitung, no. 153, 4.6.1910.
- Zürcher Post: Zur Eröffnungsausstellung im Zürcher Kunsthaus, in: Zürcher Post, 1910.
- Elisabeth Esther Köhler: Giovanni Giacometti 1868–1933. Leben und Werk, Zurich 1969, p. 47, no. 95.
- Exh.cat. Giovanni Giacometti 1868–1933, Winterthur 1996, p. 94 (with ill.).
- Dieter Schwarz: Giovanni Giacometti. Leben und Werk, in: Paul Müller und Viola Radlach: Giovanni Giacometti 1868–1933, Zurich 1997, vol. I, pp. 86 ff. (with ill.).
- Beat Stutzer: Giovanni Giacometti. Zur Sammlungsgeschichte, in: Paul Müller und Viola Radlach: Giovanni Giacometti. Werkkatalog der Gemälde, Zurich 1997, p. 17.
- Paul Müller and Viola Radlach: Giovanni Giacometti. Werkkatalog der Gemälde, Zürich 1997, vol. II-1, p. 292, no. 1909.14 (with ill.).
- Exh.cat. Rivoluzione! Italienische Moderne von Segantini bis Balla, London and Zurich 2008/09, no. 74.
- Exh.cat. Giovanni Giacometti. Farbe im Licht, Bern and Chur 2009/10, p. 203, no. 34 (with ill. p. 75).
Dieses bedeutende Gemälde ist ein nahezu perfektes Beispiel für Giacomettis erklärtes künstlerisches Ziel, in seinen Werken in erster Linie das Licht zu malen, das in seinem Schaffen die zentrale Rolle einnimmt. "Der Kampf um das Licht", schrieb er einmal, sei "die Triebfeder" seiner ganzen Arbeit; das Licht "als lebensbejahendes Element und alles bestimmende Macht".
"Fiammetta II" gehört zur Schaffensperiode zwischen 1905 und 1920, die Giacomettis künstlerische Avantgarde-Phase markiert – eine Zeit, in der bedeutende Werke wie "Maternité (1905)", die zur Auktion gelanende "Fiammetta II (1909)" oder "Die Lampe (1912)" entstanden. In diesen Gemälden wandelt sich das Sujet unter dem Primat des Lichts – Landschaft, Figur oder Interieur werden zu "Lichtbildern". Auch wenn Giacometti in späteren Jahren sein Werk mit hoher Meisterschaft weiterentwickelte, so bleibt diese Phase die visionärste in seinem Œuvre.
Eingerahmt von einem roten Türrahmen, steht die engelhafte Erscheinung - Fiammetta - in einem von goldenem Licht durchfluteten Raum. Ihre Konturen heben sich nur schwach vom Hintergrund ab.
In der Neuen Zürcher Zeitung beschrieb Hans Trog die Fiammetta anlässlich der Eröffnungsausstellung im Frühjahr 1910 im neu erbauten Kunsthaus Zürich als "eine malerisch geistreiche, im höchsten Grad das Auge anregende Leistung (…), ein Klang von Gelb und Rot, von entzückender dekorativer Pracht."
Die Entstehungsgeschichte von Fiammetta II ist dank des zwischen Oscar Miller und Giacometti sowie Amiet erhaltenen Briefwechsels ausgezeichnet dokumentiert. Die erste Fassung der Fiammetta hatte Giaccometti 1907 auf Eternit gemalt. Oscar Miller hatte das Gemälde gekauft, beklagte sich aber kurze Zeit später bei Giacometti über den schlechten Zustand der Malschicht, die vom neuartigen Bildträger abzublättern begann. Er beauftragte Giacometti mit einer neuen Fassung. Seinem Jugendfreund Cuno Amiet schrieb Giacometti: "Gegenwärtig habe ich die Fiammetta wieder in die Finger genommen, wie Hodler sagt. Du wirst wissen dass Miller mir das Bild wieder zugeschickt hat, weil es an einigen Stellen abblättert" (Giovanni Giacometti an Cuno Amiet, 12. Januar 1909).
Ein halbes Jahr später liess Giacometti Miller wissen, dass das Bild nun vollendet sei: "Ich habe auch am Bilde gearbeitet, und es vergeht kaum einen Tag dass ich nicht das Bild herausnehme und bei verschiedenen Beleuchtungen betrachte. In den letzten Tagen habe ich noch daran gemalt. Nun ist das Bild fertig und ich werde mich wohl entschliessen müssen, es abzusenden. Das werde ich in den nächsten Tagen tun, wenn es trocken ist. Diese neue Fiammetta lässt die erste, in jeder Beziehung weit hinter sich. Das ist meine Überzeugung. Ich bin sehr gespannt was für ein Eindruck Ihnen das Bild machen wird." (Giovanni Giacometti an Oscar Miller, 21. Juli 1909).
Oscar Miller war von der Fiammetta angetan. Dies geht aus einem weiteren Brief von Giacometti an Miller hervor: "Die neue Fiammetta ist eine andere, oder vielleicht ist sie nur in eine neue Fase getreten, ist dem Ideal näher gekommen und ist verständlicher geworden. (...) Dass es Ihr Gefallen findet das freut mich." (Giovanni Giacometti an Oscar Miller, 12. August 1909).
Oscar Miller, der zeitlebens immer wieder Gemälde bereits renommierter Künstler verkaufte, um sich den Werken jüngerer Künstler zuzuwenden, behielt Fiammetta II bis zu seinem Tod. Danach blieb das Gemälde bis heute im Besitz der Familie dieses bedeutenden Kunstsammlers und war lange als Leihgabe im Bündner Kunstmuseum ausgestellt.
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GIOVANNI GIACOMETTI
(Stampa 1868–1933 Glion)
Fiammetta II. 1909.
Öl auf Leinwand.
Unten links monogrammiert und datiert: G.G. 1909.
76,5 × 61 cm.
Provenienz:
- Sammlung Oscar Miller, Biberist, direkt vom Künstler erworben.
- Durch Erbfolge an heutige Besitzer.
Ausstellungen:
- Zürich 1910, Ausstellung zur Eröffnung des Kunsthauses, Kunsthaus Zürich, 17.4.–3.7.1910, Nr. 359, als "Fiametta".
- Winterthur 1996, Giovanni Giacometti 1868–1933, Kunsmuseum Winterthur, 1.9.–24.11.1996, Nr. 87.
- London und Zürich 2008/09, Rivoluzione! Italienische Moderne von Segantini bis Balla, National Gallery; Kunsthaus Zürich, 18.6.–7.9.2008; 26.9.2008–11.1.2009, Nr. 74 (verso mit Etikett).
- Bern und Chur 2009/10, Giovanni Giacometti. Farbe im Licht, Kunstmuseum Bern; Bündner Kunstmuseum, 30.10.2009–21.2.2010; 27.3.–24.5.2010, Nr. 34.
- Das Werk war von 2016–2025 als Leihgabe im Bündner Kunstmuseum, Chur, ausgestellt.
Literatur:
- Albert Baur: Das neue Zürcher Kunsthaus. Die Eröffnungsausstellung, in: Wissen und Leben, Zürich 1910, Band VI, S. 381 ff.
- Hans Trog: Die Eröffnungsausstellung im Zürcher Kunsthaus IV, in: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 153, 4.6.1910.
- Zürcher Post: Zur Eröffnungsausstellung im Zürcher Kunsthaus, in: Zürcher Post, 1910.
- Elisabeth Esther Köhler: Giovanni Giacometti 1868–1933. Leben und Werk, Zürich 1969, S. 47, Nr. 95.
- Ausst.-Kat. Giovanni Giacometti 1868–1933, Winterthur 1996, S. 94 (mit Abb.).
- Dieter Schwarz: Giovanni Giacometti. Leben und Werk, in: Paul Müller und Viola Radlach: Giovanni Giacometti 1868–1933, Zürich 1997, Bd. I, S. 86 ff. (mit Abb.).
- Beat Stutzer: Giovanni Giacometti. Zur Sammlungsgeschichte, in: Paul Müller und Viola Radlach: Giovanni Giacometti. Werkkatalog der Gemälde, Zürich 1997, S. 17.
- Paul Müller und Viola Radlach: Giovanni Giacometti. Werkkatalog der Gemälde, Zürich 1997, Bd. II-1, S. 292, Nr. 1909.14 (mit Abb.).
- Ausst.-Kat. Rivoluzione! Italienische Moderne von Segantini bis Balla, London und Zürich 2008/09, Nr. 74.
- Ausst.-Kat. Giovanni Giacometti. Farbe im Licht, Bern und Chur 2009/10, S. 203, Nr. 34 (mit Abb. auf S. 75).
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